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Amazon sammelt keine Spenden für Mitarbeiter: Der Amazon-Relief-Fonds

Ein von Amazon finanzierter Fonds soll externe Mitarbeiter unterstützen. Um Spenden bittet Amazon dafür nicht.(Foto: Amazon Logistikblog)

Ein Notfall-Fonds sorgt in den sozialen Netzwerken für Irritationen; Scheinbar soll Amazon um Spenden für Mitarbeiter in Not sammeln. Das ist falsch.

Amazon soll angeblich Spenden für Mitarbeiter sammeln, so ist es in verschiedenen Posts im Netz zu lesen. Was steckt dahinter? Der Amazon Relief Fund wird von der unabhängigen Nichtregierungsorganisation Emergency Assistance Foundation verwaltet und ist von Amazon ins Leben gerufen worden. Der Fonds wurde von Amazon mit einer Start-Finanzierung von 25 Millionen US-Dollar versehen und soll weitere Zahlungen von Amazon erhalten, wenn es nötig ist. Aufgrund der Struktur des Fonds und der Stiftung können Spenden getätigt werden, es existiert jedoch kein Spendenaufruf von Amazon.

Amazon startet Amazon Relief Fund für Partner und externe Mitarbeiter

Auf der Website des Fonds Amazonrelieffund.org wird auf der Startseite erklärt: „Dieser Fonds basiert sich auf der Unterstützung von Amazon für dieses Programm und bittet niemanden um eine direkte Spende. Aufgrund der Struktur dieses Programms können Einzelpersonen spenden, wenn sie das möchten.“

Am 11. März hat Amazon in seinem Blog Day One die Gründung des Amazon Relief Fund verkündet. Der Fonds konzentriere sich darauf unabhängige Lieferpartner und deren Fahrer, Amazon-Flex-Teilnehmer und Saisonarbeiter zu unterstützen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die genannten Gruppen sind keine  festangestellten Mitarbeiter bei Amazon, sondern arbeiten selbstständig auf eigene Rechnung. Betroffene sollen das Äquivalent von zwei Wochen Einkommen als Zahlung aus dem Fonds beantragen können, wenn sie in Quarantäne müssen oder bei ihnen Covid-19 diagnostiziert wurde. In Zukunft soll der Fonds die gleichen Amazon-Partner-Gruppen in finanziellen Schwierigkeiten unterstützen. Die Zahlungen beginnen bei 400 Dollar und können bis zu maximal 5.000 Dollar pro Person betragen.

Festangestellte Mitarbeiter haben in den USA keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung, Amazon zahlt eine maximal zweiwöchige Lohnfortzahlung, um die Quarantäne für betroffene Mitarbeiter finanziell zu ermöglichen. Stundenweise bezahlte Mitarbeiter können ansonsten bei Amazon noch auf unbezahlten Urlaub zurückgreifen.

Employee Relief Funds: Steuerersparnis und Mitarbeiter-Unterstützung

Bei dem Fonds handelt es sich um einen sogenannten Employee Relief Fund, der initial und auch fortlaufend von einem Unternehmen finanziert wird. Zusätzlich können Einzelpersonen an einen solchen Fonds spenden. Diese Möglichkeit existiert, um anderen Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, sich solidarisch zu beteiligen.

In den Vereinigten Staaten existiert kein Sozialsystem, das mit europäischen Standards vergleichbar wäre. Aus diesem Grund initiieren Unternehmen Fonds für notleidende Mitarbeiter und Partner, sozusagen um die Lücken und Schwächen des US-Systems etwas abzufedern. Betriebswirtschaftlich hat die Auslagerung solcher Fonds zu unabhängigen NGO einige Vorteile: Der Prozess selbst wird ausgelagert und verursacht keine Arbeit und alle Spenden vom Unternehmen und von Mitarbeitern sind steuerlich absetzbar.

Die Finanzierungsstrukturen können dabei ganz unterschiedlich ausfallen. Die Gesundheitsanbieter CVS, der auch die gleichnamige Drogeriekette CVS betreibt, finanzierte den CVS Employee Relief Fund beispielsweise mit einer initialen Zahlung, seitdem finanzieren Mitarbeiter den Fonds solidarisch durch Abzug vom Gehalt. Auch der Energieversorger NRG setzt auf einen solchen Fonds, der durch Unternehmenszahlungen und Spenden der Mitarbeiter finanziert wird.

t3n meint:

Der Betrag von 25 Millionen Dollar klingt relativ gering, sollte aber für die ersten anfallenden Lohnfortzahlungen reichen. Und immerhin sollen bei Bedarf weitere Zahlungen fließen. Mit dem Fonds will Amazon seine externen Mitarbeiter auf eine ähnliche Weise unterstützen wie seine angestellten Mitarbeiter. Verpflichtet ist Amazon dazu nicht, insofern kann man anerkennen dass das Unternehmen sich für amerikanische Verhältnisse positiv engagiert. Ob das genug ist, darüber lässt sich streiten. Das Auskurieren von Covid-19 kann ja länger dauern als zwei Wochen, da wäre etwas mehr Lohnfortzahlung für die internen und externen Mitarbeiter wünschenswert. Eine Partei ist in dem ganzen Sars-CoV-2-Schlammassel von Amazon bisher noch gar nicht adressiert worden: die Händler, Verlage und Lieferanten (Vendoren) die wesentlich zum Wachstum des Marktplatzes beigetragen haben, und jetzt in Schwierigkeiten stecken weil ihre Ware bei Amazon in den Lagern hängt und auch nichts mehr angeliefert werden kann.

Jochen G. Fuchs

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