Analyse

Amazon-Steuer: So schließt Neuseeland ein Steuer-Schlupfloch

(Foto: Claudio Divizia/Shutterstock.com)

Neuseeland will eine Steuer auf Internetkäufe im Ausland einführen. Die als „Amazon-Steuer“ ins Gespräch gekommene Steuer würde auch vielen deutschen Händlern gefallen, wäre aber zu kurz gegriffen.

Neuseeland plant eine E-Commerce-Steuer auf geringwertige Güter (bis 400 Neuseeland-Dollar, also etwa 230 Euro), die bislang ohne Zahlung der 15-prozentigen Mehrwertsteuer erworben werden konnten, wie sie in inländischen Geschäften anfällt. Dieser Steuersatz soll ab Oktober 2019 auf Waren wie Kleidung, Schuhe, Bücher, Filme erhoben werden, die bislang steuerbefreit importiert werden konnten – zum Leidwesen des lokalen Handels. Die landläufig als Amazon-Steuer bezeichnete Steuer muss allerdings noch das Parlament passieren. In der Vergangenheit hatte der neuseeländische Zoll darauf verzichtet, Pakete zu bearbeiten, die weniger als 60 neuseeländische Dollar einbringen würden – der Aufwand hierfür stehe einfach nicht in Relation zum Ertrag, heißt es.

Onlinekauf im Ausland besteuern

Auch in der EU denkt man über eine Besteuerung ausländischer Onlinekäufe nach. Hier soll erst ab 2021 eine Besteuerung kommen, die sich allerdings vor allem im Sinne einer Vereinfachung bemerkbar machen wird. Dies ist ein klarer Unterschied, der sich aus dem europäischen Binnenmarkt ergibt. Gerade kleinere Unternehmen sollen zur Vereinfachung nach den Regeln des eigenen Landes besteuert werden. Die Marktplätze sollen dabei auch dafür Sorge tragen, dass Händler, die von außerhalb der EU Handel treiben, auch in der EU ihre Steuern zahlen. In der Vergangenheit waren vor allem chinesische Händler dieser Verpflichtung nicht immter nachtgekommen.

Den lokalen Handel zu schützen, geht anders

Doch wird – sowohl in Neuseeland als auch in Europa – die neue Rechtslage nichts an den Grundproblemen des Retail-Handels ändern: Gerade der grenzübergreifende Onlinehandel ist schließlich in erster Linie keine Preisfrage. Denn internationale Versandkosten und die Schwierigkeiten bei einer Rücksendung – sei sie aufgrund von Nichtgefallen oder bei Defekt – wiegen den möglichen Preisvorteil gerade bei niedrigpreisigen Waren nur selten auf. Hinzu kommt: Gerade bei Artikeln wie Büchern und Filmen ist die Lokalisierung oft der Grund, warum Kunden entweder gezielt im Ausland einkaufen oder umgekehrt bestimmte Produkte außerhalb des eigenen Heimatlandes gar nicht bekommen können.

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