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Amazon erhöht Preise für Vernichtung von Retouren

(Foto: Shutterstock)

Ist es reines Kalkül oder hat Amazon sein Herz für die Nachhaltigkeit entdeckt? Das Unternehmen erhöht für FBA-Händler die Kosten für die Vernichtung – doch ein Bereich wird sogar billiger.

Amazon-Marketplace-Händler, die ihre Waren mit Versand durch Amazon (FBA) anbieten, müssen diese in vielen Fällen auch dort entsorgen lassen, wenn der Kunde sie zurückschickt. Bisher kostete es einen Händler, der den Versand über Amazon erledigte, in den meisten Fällen zehn Cent, einen Artikel vernichten zu lassen, egal, ob dieser nur ein paar Gramm wog oder ob es sich um etwas Größeres handelte. Größere Artikel schlugen mit bescheidenen 25 Cent zu Buche. Jetzt hat Amazon angekündigt, ab dem 3. September die Gebühren teilweise recht stark zu erhöhen.

„Wir erhöhen die Entsorgungsgebühren für Einheiten, die in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, der Tschechischen Republik und im Vereinigten Königreich gelagert werden“, heißt es in der Seller-Central-Mitteilung an die FBA-Händler. Dabei orientieren sich die Kosten in Zukunft am Stückgewicht und an der Größe der Einheiten. Und das ist das Problem: Für normal große Artikel über einem Kilo Gewicht werden schon 90 Cent fällig, für jedes weitere Kilo Gewicht kommen 50 Cent hinzu.

Übergroße Retouren gehen richtig ins Geld – für die Amazon-Händler

Richtig teuer wird es bei Übergröße der Ware: Da kostet die Entsorgung schon bei der kleinsten Gewichtsklasse 50 Cent je Einheit, ein Paket, das mehr als fünf Kilogramm wiegt, kostet 3,40 Euro und für jedes weitere Kilogramm Gewicht kommen 40 Cent hinzu. Als Übergröße (genauer auch Übergewicht) gilt demnach eine Seitenlänge von mehr als 45, 34 sowie 26 Zentimetern Seitenlänge auf der kürzesten Seite – oder eine Gewichtsüberschreitung von zwölf Kilogramm.

Günstiger wird es dagegen, Waren aus einem der internationalen Lager zurückzuholen, beispielsweise weil zu viele Stücke unverkäuflich dort liegen. Für einen ein Kilo schweren Artikel kostet nach der Gebührenreform die Rückholung nur noch 3,05 Euro statt wie bisher 6,05 Euro. Die Gebühren für Remissionen in Deutschland bleiben dagegen gleich. Eine komplette Übersicht gibt es entweder in deiner Seller Central oder als Tabelle bei Revoic.

t3n meint:

Ist das jetzt Nachhaltigkeit oder einfach der Wunsch Amazons, sich das Lager von sperrigen Dingen freizuhalten? Eher Letzteres – denn auch die Rückholung und eigene Entsorgung von Artikeln ist unter Umweltschutzgesichtspunkten keine wirkliche Alternative. Amazon hat hier einfach nur nachgerechnet und seine Kostenstrukturen optimiert. Weiterhin ein Thema bleibt die Gesetzesinitiative der Grünen, die das unnötige Einstampfen von Waren verhindern soll. Das eigentliche Problem, dass jede sechste Bestellung im Onlinehandel zurückgeht und die Retourenquote bei vielen Warengruppen oberhalb der 50-Prozent-Marke liegt, wird man noch lösen müssen.

Tobias Weidemann

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Ein Kommentar
Arthur
Arthur

Ergebnis ist ganz einfach: Amazon musste immer wieder mit Protesten u.a. von Greenpeace rechnen. Das mediale Echo auf die Entsorgung von Artikeln wurde im letzten Jahr groß. Das hat in erster Linie nur damit zutun. Damit soll der Seller gezwungen werden, seine Ware zurückzunehmen und selbst anzustellen, was er damit möchte. Damit ist Amazon aus dem Schneider.

Das Problem ist aber auch hier wieder die Politik. Amazon vernichtet Ware nur auf Bitte der Seller. Amazon darf nicht selbst darüber entscheiden, ob die Ware nun vernichtet wird, gespendet wird oder sonstiges. Das ist eigentlich auch ziemlich offensichtlich, wenn man sich da mal 5 Minuten Gedanken drüber macht.

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