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Amazons Antwort auf das Alltags-Paketchaos: Hunderttausende Paketboxen

Amazon subventioniert wohl seine Paketabholstationen um die letzte Meile in die eigene Hand zu bekommen. (Foto:Frank Gaertner / Shutterstock.com)

Amazon subventioniert zukünftig hunderttausende Paketboxen in US-amerikanischen Apartmentanlagen. Die Boxen nehmen Nicht-Amazon-Pakete an. Auch ein Modell für Deutschland?

Die letzte Meile bis zum Kunden ist die teuerste und aufwendigste für Paketdienste und der interessanteste Abschnitt für Amazon: Denn hier hat der US-Konzern das Einkaufserlebnis noch nicht vollständig unter seiner Kontrolle. Etwas, das Amazon gar nicht mag. Der Widerwillen geht soweit, dass Amazon sein System an Paketabholstationen jetzt subventioniert und für generelle Zustellungen anbietet. Hauptsache kein Chaos mehr, so scheint die Devise. Auch wenn noch einige US-Besonderheiten bei dem Deal berücksichtigt werden müssen, könnte eine ähnliche Lösung auch auf dem deutschen Markt erfolgreich sein.

Amazon schließt Deal mit großen Apartment-Communities ab

Wie das Wall Street Journal berichtet, hat Amazon Verträge mit Großvermietern abgeschlossen, die zusammengenommen rund 850.000 Apartments oder Wohnungen verwalten. Amazon hat sich dabei vertraglich verpflichtet seine Paketabholstationen „The Hub“ in die Gebäude der Vermieter einzubauen. Die ersten Einbauten sollen schon vor den einsetzenden Weihnachtsgeschäften vorgenommen werden.

The Hub, der offene Ableger der Amazon Locker. Eine interne Abholstation ausschließlich für Anwohner. (Foto: Amazon)

Amazon verkauft  subventionierte Abholstationen: Vermieter tragen restliche Kosten

In den USA existiert eine Wohnform, die in Deutschland recht unbekannt ist, die Apartment-Community. Vergleichbar dürfte maximal noch das in Deutschland gelegentlich auftretende Apartment-Hotel sein. Apartment-Comunities betreiben große Wohnanlagen, entweder als einzelstehendes, großes Gebäude oder in einer Art Campus oder Parkanlage. Die Betreiber dieser Anlagen bieten einzugsfertige Wohnungen zusammen mit vielen ergänzenden Dienstleistungen. Eine dieser Dienstleistungen ist die Paketannahme durch den Concierge.

Eine Apartment-Anlage des Betreibers Avalon Bay in Berkeley, Kalifornien. (Foto: Avalon Communities)

Was dann dazu führt, dass das Personal täglich mehrere Stunden Pakete sortiert und entgegennimmt. Der Großvermieter Avalon Bay spricht von durchschnittlich 1.000 Paketen pro Apartment-Anlage pro Jahr – mit steigender Tendenz. Jedes Jahr kommen 20 bis 30 Prozent mehr Pakete an.

Einige der Großvermieter hatten schon mit neutralen Abholsystemen experimentiert, und bestätigten dem Wall Street Journal, dass Amazon sein System „The Hub“ zur Hälfte des üblichen Marktpreises anbietet. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass Amazon die Abholstationen subventioniert.

Werbevideo zu „The Hub“ von Amazon

Wieso das auch in Deutschland funktionieren würde

Trotz diverser Startups wie beispielsweise Lockbox und trotz einer gemeinsamen Initiative der deutschen Paketdienste namens Parcellock ist der Markt in Deutschland nur bedingt in Schwung gekommen. Meist existieren Insellösungen, entweder für bestimmte Sparten oder für bestimmte Paketdienste.

Das proprietäre Paketkasten-System von DHL steht anderen Paketdiensten nicht offen.(Foto: DHL)

Den der Ex-Monopolist DHL spielt den großen Spielverderber und will sich absolut nicht an gemeinsamen Paketbox-Alternativen beteiligen – und auch seine eigenen Paketkästen nicht für andere öffnen. Stattdessen bevorzugt DHL gerade die Methode Pakete aller Paketdienste in einem Hub anzunehmen und damit die letzte Meile selbst zu bedienen.

So wünschenswert auch eine Konsolidierung der letzten Meile ist, so sehr auch verständlich ist, dass DHL sich strategisch lieber als zuverlässigster und einziger Partner für die letzte Meile präsentiert – wenn Amazon genug von dem Unfug hat, dann baut das Unternehmen einfach selbst Paketboxen. Und die Kombination aus Amazon Lockers, den kostenfreien Annahmestationen für Amazon-Pakete und „The Hub“, den offenen Paketannahmestationen, könnte die innerstädtische letzte Meile komplett aufrollen. Vielleicht sollte sich DHL doch nochmal mit Parcellock an einen Tisch setzen.

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Ein Kommentar
Klaus
Klaus

„das Personal täglich mehrere Stunden Pakete sortiert und entgegennimmt“.
„durchschnittlich 1.000 Paketen pro Apartment-Anlage pro Jahr“
4 Pakete pro Tag und mehrere Stunden passt irgendwie nicht…

Antworten

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