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Amazon verbietet incentivierte Produktrezensionen: Die Folgen für Händler und Bewertungsdienste

Leidiges Thema: Produktrezensionen auf Amazon. (Screenshot: Review Meta/Youtube)

Amazons Neuregelung für Produktrezensionen bleibt nicht ohne Folgen: Händler riskieren, bei einer Umgehung ihren Händler-Account zu verlieren, und auch für professionelle Produkt-Tester hat die neue Richtlinie Konsequenzen.

Amazon Produktrezensionen sollen echter und strenger werden. Daher hat Amazon am 23. November 2016 seine Richtlinien für Produktbewertungen auf Amazon aktualisiert. Viele Händler nutzen momentan professionelle Bewertungsdienste, doch das könnte zukünftig gefährlich werden.

Bezahlte Produktrezensionen sind verboten

Die neuen Amazon-Richtlinien für incentivierte Rezensionen sind streng: „Wir erlauben keine Rezensionen oder Hilfreich-Bewertungen von Rezensionen, die gegen Entgelt in jeglicher Art erstellt worden sind. Dies beinhaltet unter anderem Bezahlung (in Form von Geld oder Geschenkgutscheinen), Bonus-Inhalte, Ermöglichen der Teilnahme an einem Wettbewerb oder Gewinnspiel, Rabatte für zukünftige Einkäufe, zusätzliche Produkte oder andere Geschenke.“

Händler, die jetzt weiterhin Produkt-Tests über Anbieter wie amzstars oder Club der Produkttester veröffentlichen lassen, könnten damit Gefahr laufen, bald Verkäufer ohne Amazon-Verkäufer-Konto zu sein, sagt Marktplatzexperte Mark Steier von Wortfilter.de. Denn es besteht die Möglichkeit, dass Amazon es herausfindet, wenn die Produktrezension über eine Produkt-Tester-Agentur oder über eine der dezentral organisierten Tester-Gruppen auf Facebook zustande gekommen ist und der Händler gesperrt wird.

Offen ist die Frage, wie Amazon identifizieren kann, ob Produktrezensionen incentiviert waren, in welcher Form von Entgelt auch immer – sei es ein Gratis-Produkt oder ein Preisnachlass. ReviewMeta jedenfalls soll gekaufte Produktrezensionen erkennen und ausfiltern können. Hinweise auf incentivierte Produktrezensionen könnten extrem hohe Produkt-Warenkörbe sein, die sich niemand bei normalem Gehalt leisten kann. Oder Häufigkeiten: Wer im Jahr zehn Digitalkameras oder 20 Smartphones testet, fällt wahrscheinlich auf. Zudem gibt es striktere Kriterien für „Von Amazon bestätigter Kauf.“

Weiter tracken die professionellen Test-Anbieter die incentivierten Tests. Schließlich wollen sie ihren Auftraggebern gegenüber demonstrieren, dass die Produkte wirklich getestet und als Amazon-Produktrezension veröffentlicht wurden. Hier bietet sich ein weiterer Anknüpfungspunkt für Amazons Enttarnungsmechnismus.

Bewertungsdienste versuchen, Amazons Regeln für Produktrezensionen zu umgehen

Der Anbieter Club der Produkttester  versucht nun, die Regelungen zu umschiffen, indem die Tests jetzt als freiwillig deklariert werden. Doch diese Lösung birgt für die Händler die Gefahr, dass sie ihre Produkte zwar herausgeben, aber keinen Benefit in Form einer Produktbewertung erhalten. Fällt die Kontrolle weg, könnte der ein oder andere Tester ja das Produkt genießen, ohne sich die Mühe zu machen, eine Rezension zu schreiben.

(Screenshot: Facebook-Produkttestergruppe)
E-Mail von André M. Aslund, CEO der Amazon-SEO-Agentur Vorwärts, Betreiber von „Club der Produkttester“.  (Screenshot: Facebook-Produkttestergruppe)

Abhilfe soll die Regelung schaffen, die schon von Amazons eigenem Produkttester-Klub „Vine“ bekannt ist: Es gibt keine Fristen für die Produktrezensionen mehr und verpflichtend soll die Rezension erst recht nicht mehr sein. Doch die Tester bekommen so lange keine neuen Produkte, bis die alten „rezensiert“ sind. Dazu hat der Club der Produkttester eigens seine Tester-AGB geändert und zudem ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, dass prüfen soll, inwieweit die eigene Geschäftspraxis auf die neuen Amazon-Richtlinien angepasst werden muss. Auf eine Anfrage von t3n.de hat der Club der Produkttester zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch nicht reagiert.

Auch die verschiedenen nicht-gewerblichen und dezentral organisierten Facebook-Gruppen für Produkttester versuchen, die Praxis der Rezensionen mit neuen Regeln weiterzuführen.

(Screenshot: Facebook-Produkttestergruppe)
Die Facebook-Gruppen lassen Produkttester ebenfalls freiwillig bewerten. (Screenshot: Facebook-Produkt-Tester-Gruppe)

Produktrezensionen – bald nur noch über Amazon Vine?

Warum Amazon keine gekauften Produktrezensionen mehr auf seinen Seiten sehen will, ist leicht nachzuvollziehen. Die offizielle Begründung lautet: Erhalte man ein Produkt aus Gefälligkeit, dann fielen die Rezensionen deutlich positiver aus.

Doch es gibt mutmaßlich noch einen anderen Grund, warum Amazon gerade jetzt aktiv wird. Wie ein Unternehmenssprecher t3n.de mitteilte, wurden die Richtlinien zur Erstellung von Kundenrezensionen erneuert, um gesponserte Bewertungen zu verbieten, die nicht durch das Amazon-Vine-Programm zustande gekommen sind. Im Prinzip die Begründung, die Amazon schon in seinem Blog veröffentlicht hat.

Amazon will also in Zukunft keine gesponserten Bewertungen akzeptieren, um seinen eigenen Bewertungs-Dienst Vine zu pushen. Denn in der Regelung ausdrücklich ausgenommen sind Rezensionen, die über Vine zustande kommen. Amazon Vine gibt es bislang nur für große Händler im Amazon-Vendor-Programm. Doch die Vermutung liegt nahe, dass das Tool mittelfristig für alle Händler erschwinglich werden soll und sich Amazon so eine weitere monopolistische Einnahmequelle sichert.

via www.wortfilter.de

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