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Kommentar

Amazon-Prime-Wardrobe: Die Rechnung wird für Amazon nicht aufgehen

Riesenauswahl zur Ansicht: Die Idee hinter Amazon Wardrobe ist nicht sinnvoll. (Bild: Cybrain / Shutterstock)

Amazon startet in den USA den Dienst „Amazon Wardrobe", bei dem Kunden großzügig Ware zur Ansicht erhalten. Unternehmerischer Unsinn, bei dem unterm Strich keiner gewinnt, meint Alexander Lorenz.

Amazon startet in den USA den Dienst „Amazon-Prime-Wardrobe“. Kunden können sich eine Kiste mit Kleidung aus dem Prime-Wardrobe-Angebot füllen, kostenlos liefern lassen und erst nach dem zurücksenden bezahlen. Der US-Konzern lockt mit gestaffelten Rabatten von bis zu 20 Prozent, je nachdem wie viele Kleidungsstücke der Kunde behält. Das neue Programm könnte das Potential haben die ganze Fashionbranche an die Wand zu spielen – oder in einem Disaster aus Shopping-Parties und explodierenden Retourenquoten enden. Eine Pro-und-Contra-Auseinandersetzung zwischen den t3n-Redakteuren Jochen G. Fuchs und Alexander Lorenz.

Amazon Wardrobe ist ein Konzept, das sich nur jemand wie Jeff Bezos ausdenken kann. Jemand, der gerne sämtliche Erfahrungswerte des Handels in Frage stellt, der am liebsten alles auf den Kunden ausrichtet. Und der, um den Mitbewerb mit explodierenden Retourenquoten zu schädigen, auch selbst richtig Geld in die Hand zu nehmen und Kompromisse einzugehen bereit ist.

Denn Amazon erweist dem Mode-E-Commerce und auch dem Kunden damit einen Bärendienst. Was ansteigen wird, sind die Bestellungen – ja gut. Aber gleichzeitig erzieht der Online-Riese aus Seattle die Kunden ja geradezu dazu, einfach mal möglichst viel auf Verdacht ins Haus kommen zu lassen, weil damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass irgendwas schon passen wird. Drei Teile müssen es sein, die man pro Bestellung behält, um zehn Prozent Rabatt zu bekommen, fünf für 20 Prozent.

Retourenquote – was ist das?

Zunehmen werden dadurch möglicherweise zwar die Sammelbestellungen unter Freundinnen: Die Klamottenparty, bei der sich vielleicht dann doch jemand findet, dem ein Kleidungsstück passt, wenn es der Bestellerin nicht gefällt. Doch schon bei der Terminfindung müssen die Käufer flexibel sein. Denn gerade einmal sieben Tage Zeit bleibt, bis die große Kiste mit den vielen Klamotten wieder auf Reisen sein muss.

Amazon bringt das, wenn’s gut läuft, mehr Umsatz, unterm Strich aber wohl nicht mehr Gewinn. Denn es entstehen jedes Mal Versandkosten, Rücksendekosten, Aufwand für den Retourencheck und das neu Verpacken (haben Sie schon mal ein Herrenhemd wieder in die Originalverpackung zurück bekommen?) und so weiter. Schon heute liegen Retourenquoten im Shoe- und Fashion-Umfeld bei deutlich über 60 Prozent und schon heute ist es oftmals billiger, wenn ein Kunde einen Artikel gar nicht mehr zurückschickt als wenn dieser ein zweites Mal in Umlauf gehen muss. Gleichzeitig bringt’s aber einem Kleidungsstück auch deutlich mehr Umläufe, bis sich ein Käufer findet. Und gerade im E-Commerce sind die Kunden hier extrem pingelig.

Hinzu kommt ein Vorteil, der für deutsche Kunden ohnehin selbstverständlicher ist als für Kunden in den USA: der Rechnungskauf. Zalando und Co. leben uns seit vielen Jahren vor, dass man eine Ware erst einmal zur Ansicht kommen lassen kann, ohne gleich zur Kasse gebeten zu werden.

Ich bezweifle nicht, dass der findige Rechenkünstler aus Seattle sich das alles genau durchgerechnet hat, aber ich bezweifle, dass seine Rechnung unter Berücksichtigung der Kosten aufgehen wird. Ich sehe hier eher einen Verdrängungskampf mit Kollateralschäden im Mode-E-Commerce und im Mode-Einzelhandel als ein wirklich stimmiges Konzept, das sowohl für die Händler als auch für die Kunden vernünftig ist.

Zu diesem Contra-Kommentar gehört eine zweite Meinung, der Pro-Kommentar von Jochen G. Fuchs: „Wieso Amazon-Prime-Wardrobe das Potential hat die ganze Fashionbranche an die Wand zu spielen“.

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3 Reaktionen
Capt

Lohnt sich definitiv, würde noch 1 Schritt weitergehen und dem Kunden eine Empfehlung mitsenden (Ihnen könnte auch Artikel xy gefallen, dieser liegt dann bei) kleidergröße ggf. Aus der Kundenhistorie sollte ich ja haben mit der retoure von auswahlbestellungen rechne ich doch sowieso warum dann nicht mein Know-how und Beratungskompetenz stärken.
Voraussetzung es wird angenommen und der Kunde wünscht es. Das Problem an der Sache sehe ich eher an der kapitalbindung in DE sind 14 - 30 Tage Widerruf üblich und ich versende einen 700€ Warenkorb auf Rechnung kann demnach die Ware nicht anderweitig einsetzen und habe erstmal kein Geld. Mit entsprechendem Kapital ist das auch für Händler denkbar. Sorry musste per Smartphone schreiben was weitere Ausführungen erschwert.

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Christoph

Hmm. Für Deutschland mit dem Widerrufsrecht irrelevant. Meine Freundin ist hier Beispiel. Kann man hier eh schon so machen.

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Andreas R.

Nun wer die Margen bei Bekleidung kennt, dann sind die Versandkosten die für Amazon sowieso günstig sind, ziemlich egal.

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