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„Hör auf, Vergewaltiger zu finanzieren“: Weinstein-Opfer wendet sich an Jeff Bezos

Amazon-Chef Jeff Bezos. (Foto: dpa)

Der Missbrauchs-Skandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein erreicht die Tech-Szene: Die Schauspielerin Rose McGowan erhebt schwere Vorwürfe gegen Amazon. Auch Twitter steht unter Beschuss.

Amazon überdenkt Zusammenarbeit mit Weinstein-Firma

Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein treffen nun auch Amazon. Die „Scream“-Schauspielerin Rose McGowan wirft dem Konzern vor, trotz des Wissens über das Verhalten des US-Filmproduzenten nichts unternommen zu haben. Sie habe dem Amazon-Studiochef Roy Price gesagt, dass Weinstein sie vergewaltigt habe, schreibt sie in einem öffentlichen Tweet an Firmenchef Jeff Bezos. Doch sie sei ignoriert worden.

„Ich liebe Amazon, aber es gibt eine gewisse Fäulnis in Hollywood.“

Die Schauspielerin fordert Bezos auf, die Finanzierung von „Vergewaltigern, möglichen Pädophilen und Belästigern“ einzustellen. „Ich liebe Amazon“, schreibt sie weiter, „aber es gibt eine gewisse Fäulnis in Hollywood.“ Amazon äußert sich nicht konkret zu den Vorwürfen, sondern schickt auf Anfrage nur ein allgemeines Statement: „Roy Price ist mit sofortiger Wirkung freigestellt. Wir überprüfen derzeit Optionen bezüglich unserer Projekte mit The Weinstein Company.“

Amazon hat mehrfach mit Harvey Weinstein zusammengearbeitet. Der Konzern soll rechtliche Schritte gegen die Weinstein Corporation prüfen. Serien wie „Die Romanoffs“, für die Amazon mit dem Weinstein-Unternehmen kooperierte, könnten deshalb eingestellt werden.

Harvey Weinstein soll Frauen bedrängt, missbraucht und vergewaltigt haben, wie die New York Times und der New Yorker vor einer Woche aufdeckten. Zu den Opfern zählen abgesehen von McGowan Schauspielgrößen wie Gwyneth Paltrow, Angelina Jolie und Ashley Judd. Die Berichte haben Weinstein seinen Job bei seiner Produktionsfirma gekostet, seine Frau soll sich von ihm getrennt haben. Der Produzent selbst sagt, dass die sexuellen Begegnungen einvernehmlich passiert seien. Dennoch versprach er in einem Statement Besserung.

Roy Price, den Chef der Amazon Studios, hat das Seattler Unternehmen indes wegen anderer Vorwürfe vorläufig suspendiert. Price soll die Filmproduzentin Isa Hackett sexuell belästigt haben. Er habe sie wiederholt bedrängt, berichtet sie in einem Interview mit dem Hollywood Reporter. So habe er ihr gegenüber Dinge wie „Du wirst meinen Penis lieben“ geäußert oder ihr „Analsex“ ins Ohr gerufen. Interimsweise wird der bisherige COO Albert Cheng die Videosparte bei Amazon führen.

Twitter sperrte McGowan-Konto – und erntet Shitstorm

Das Cloud- und E-Commerce-Unternehmen ist nicht als einziges Tech-Unternehmen rund um den Weinstein-Skandal in die Kritik geraten. Auch Twitter steht unter Beschuss, nachdem das soziale Netzwerk das Konto von McGowan kurzzeitig sperrte. Die Schauspielerin hatte ihren Kollegen Ben Affleck dort mit den Worten „Fuck off“ angegriffen. Der Schauspieler hatte angegeben, von den Vorwürfen gegen Weinstein nichts gewusst zu haben. Nach Angaben von McGowan aber hat sie ihn über die Übergriffe informiert.

Die Schauspielerin Rose McGowan wurde nach eigenen Angaben von Harvey Weinstein vergewaltigt. Amazon habe das gewusst und ihre Vorwürfe ignoriert. (Foto: dpa)

Twitter sperrte das Konto offiziell, weil die Schauspielerin eine private Telefonnummer verbreitete. Mehrere Nutzer kritisierten die Bigotterie dahinter. Eine Userin schrieb etwa, dass es schade sei, dass Twitter dieselben Maßnahmen nicht ergriffen habe, als US-Präsident Donald Trump die Telefonnummer von Lindsay Graham tweetete. Das Netzwerk entsperrte das Nutzerkonto McGowans schließlich wieder. Das Unternehmen sei stolz darauf, den Stimmen auf seiner Plattform Gehör zu verschaffen, sagte eine Sprecherin gegenüber dem Guardian. „Wir stehen hinter den mutigen Frauen und Männern, die Twitter nutzen, um ihre Geschichten zu verbreiten.“

Für die Tech-Szene ist es einer von vielen Sexismus-Vorwürfen in den vergangenen Jahren. Es zeichnet sich immer stärker ab, dass es im Silicon Valley wenig Sensibilität für das Thema gibt und entsprechende Hinweise teilweise bewusst ignoriert werden. Den Uber-Chef Travis Kalanick hatte genau das kürzlich seinen Job gekostet.

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Eine Reaktion
Lars

Dass Vergewaltigungsvorwürfe noch immer zur Zerstörung einer Karriere führen, ist ein Skandal. Insbesondere wenn sie nicht bewiesen sind. Da würde ich als Konzernlenker auch die Füße still halten bis ein Gericht die Schuld rechtskräftig festgestellt hat.

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