Analyse

Amazon kauft Whole Foods: Die Geschichte hinter dem Deal und die Zukunft der Supermarkt-Kette

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Amazons Pläne für Whole Foods

John Mackey, der Whole-Foods-CEO mit der Hippie-Attitüde, ist der Schlüssel zum Verständnis beim Amazon-Whole-Foods-Deal. Silicon-Valley-Startups sind oft voller euphorischer „Botschaften“, wenn es um den Sinn des Unternehmens geht, meist wird nichts weniger versucht als „die Welt zu verändern“. Dementsprechend skeptisch wird der durchschnittliche Leser Mackeys „Botschaft“ aufnehmen.

Whole Foods wirbt mit natürlichem und biologischem Essen. (Foto: Whole Foods Market)

John Mackeys Mission: Ein gesundes Amerika

Nur dass der CEO, der auf Gehalt und Aktienoptionen verzichtet hat, Bücher über gesunder Ernährung und über ein Konzept für nachhaltiges und achtsames Unternehmertum namens „Conscious Business“ meint, was er sagt: „Wir haben eine Mission“. Welche Mission das ist, wird in einen Artikel von Texas Monthly klar. Mackey spricht über sein Buch „Die Whole Foods Diät”, das was er sagt, klingt wie ein Manifest für Whole Foods: „Stell dir für einen Moment vor, du wüsstest die Lösung für die Krise im Gesundheitssektor in den USA, das du wüsstest, dass wir 80 Prozent der Gesundheitsausgaben unseres Landes buchstäblich für ernährungsbezogene- und Zivilisationskrankheiten ausgeben, und du kennst die Lösung für unsere Gesundheitsprobleme.“ Mackey kämpft für ein gesundes Amerika. Mackey geht soweit, dass er seine Mitarbeiter auf unternehmenseigene Gesundheitsfarmen schickt. Texas Monthly betont, dass es bezeichnend sei, das jeder Mitarbeiter von Whole Foods, aktuell oder ehemals, über die Versessenheit  des Unternehmens auf diese Mission spricht.

„Whole Foods muss sich weiter entwicklen, oder es wird aussterben.“ (John Mackey)

Mackey musste während der gesamten Entwicklungsgeschichte von Whole Foods Kompromisse machen, um Erfolg zu haben. Der erste Lebensmittelmarkt in den 80ern verkaufte nur vegane Lebensmittel, keinen Alkohol und Zucker. Heute gibt es zwar eine Liste mit rund 120 verbotenen Substanzen, die in Lebensmitteln bei Whole Foods auf keinen Fall enthalten sein dürfen – aber es gibt Zucker und Alkohol. Als Mackey klar wurde, dass sein Supermarkt nicht überleben würde, ließ er Alkohol und Zucker zu. Ein solcher Moment tat sich im April 2017 wieder für Mackey auf: Noch kurz vor der feindlichen Attacke durch den Spekulanten Jana Partners sagte Mackey noch zu einem Journalisten von Texas Monthly, dass Whole Foods sich jetzt weiterentwickeln müssen, sonst würde es aussterben.

Amazon wird Whole Foods expandieren

365, die neue, günstige Whole-Foods-Kette. (Foto: Whole Foods Market)

Whole Foods nächster Evolutionssprung ist also Amazon. Vermutlich wird eine der ersten Maßnahmen sein, das Bezos versucht die Aktien vom Markt zu nehmen, was Mackey sehr gelegen kommen würde, der die Börse hasst. Und Bezos Drang nach Verschwiegenheit ebenfalls, die Auskunftspflichten von Whole Foods würden entfallen.

Solange Kunden stationär kaufen wollen, wird Amazon das auch bieten wollen.

Danach werden wir erleben, wie Whole Foods expandiert, auf Effizienz getrimmt wird und weitere Filialen eröffnet. Sowohl für die Premium-Märkte von Whole Foods als auch für die noch relativ neue, preisgünstigere Whole-Foods-Marke 365. Whole Foods wird keine Amazon-Fresh-Supermarktkette, sondern wird die ursprünglichen Expansionspläne wieder aufgreifen, um Marktanteile auszubauen. Das ist der einzige Weg, den Mackey akzeptieren würde. Und das bringt Bezos um einige Schritte voran, der im stationären Handel keine aussterbende Spezies sieht, sondern eine neue Industrie, die durch Neuerfindung Potential für das nächste, große und schnelle Wachstums bietet. Amazon ist völlig undogmatisch was Kanäle angeht, wie beispielsweise Amazon-Manager Patrick Gauthier (VP Amazon Pay) t3n-Redakteur Jochen G. Fuchs bei einem Gespräch in der Unternehmenszentrale in Seattle im Oktober 2016 deutlich zu verstehen gibt. Solange Kunden stationär kaufen wollen, wird Amazon das auch bieten wollen.

Bezos wird Whole-Foods-Know-how für Amazon Fresh nutzen und umgekehrt ausgereifte Technologien und Konzepte in die Supermarkt-Kette mit einbringen. Technologien wie Amazon Go oder Konzepte wie die Pickup-Stores. Als reine Hubs für Amazons Fresh-Lieferdienste sind die Märkte hingegen nicht geeignet. Sie werden sicher in irgendeiner Form in das Fresh-Konzept integriert – aber keine Infrastruktur bilden. Whole Foods ist nicht in der Lage Amazons-Fresh-Sortiment abzubilden oder dessen Auslieferung zu erfüllen, bestenfalls könnten Intra-Logistik-Aufgaben für Amazon Fresh übernommen werden. Ware für das dann separate Fresh-Konzept heranschaffen und verteilen, aber nicht an den Endkunden liefern.

Whole Foods wird seine Identität behalten, aber mit vielen Amazon-Touchpoints für Kunden aufwarten, um Synergieeffekte für die Mutter zu bieten.

via excitingcommerce.de

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