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Amazon – Zoff mit Regenwald wegen einer Domain

Wer ist der wahre Amazon? Darum streiten gerade das welt größte Online-Kaufhaus und der größte Regenwald, der Amazonas.

Konkret handelt es sich um die acht Staaten, die an den Amazonas grenzen (Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Peru, Surinam und Venezuela). Diese Mitglieder der Organisation der Amazonas-Anrainer (ACTO) erheben ebenso wie der Onlinehändler Ansprüche an der gleichnamigen Top-Level-Domain.

Als die Icann 2012 ein großes Vergabeverfahren für neue Top-Level-Domains (gTLD) eröffnete, war bereits klar, dass es in einigen Fällen Streit geben würde, insbesondere bei thematischen Begriffen wie .toys, .handy, .gay, .hotel oder .bank. Bei den markenbezogenen Domain-Endungen wie .bmw, .adidas oder .apple war dagegen noch relativ klar, dass es vor allem die Hersteller selbst sein würden, die sich für einen abgeschlossenen Adressraum entscheiden würden. Ein sechsstelliger Betrag würde bereits nach Ende des Vergabeverfahrens fällig werden – und das geht ein Unternehmen nur ab einer bestimmten Größe ein.

Genau legten die Regeln allerdings damals nicht fest, wer bei Streitigkeiten zum Zug kommen würde – insbesondere, wenn es sich beim jeweiligen Namen nicht klar um einen Staats- oder Ortsnamen handelt, für den beispielsweise eine Regierung mitbieten würde. Zu klären wäre beispielsweise, ob wie in diesem Fall .amazon den Amazonas-Staaten zugeschlagen werden würde oder eher dem gleichnamigen Unternehmen.

Übrigens ist dieser Fall bei Weitem nicht der einzige, in dem über Domain-Endungen gestritten wurde. Ferrero zoffte sich mehrere Jahre mit dem Kinderschutzbund und anderen Kinderschutzorganisationen über die TLD .kinder, auch um die Endung .catholic wurde zwischen dem Vatikan und unter anderem der saudischen Regierung gestritten. Inzwischen sind die Fälle aber zugunsten von Ferrero, beziehungsweise des Vatikans entschieden.

Ein eher bescheidenes Angebot von Amazon

Im Falle von .amazon geht der Streit schon seit fast sieben Jahren. Der Vorschlag der Anrainer-Staaten war es, dass Amazon seine jeweiligen Services .alexa.amazon oder .kindle.amazon nur im Zusammenhang verwendet. Amazon wiederum will, dass die Amzonas-Staaten etwa mit .br.amazon für Brasilien arbeiten sollen. Man wolle außerdem ähnliche TLD wie .amazonia oder .amazonas unterstützen. Laut einem Bericht der BBC hatte Amazon im vergangenen Jahr versucht, die Amazonas-Staaten mit kostenlosen Kindle-E-Readern und Hosting- und Cloud-Services im Wert von gerade einmal rund 6,5 Millionen US-Dollar zu überzeugen – ein Angebot, auf das die acht Amazonas-Staaten nicht eingegangen waren. Man kann wohl auch davon ausgehen, dass Amazon einen solchen Betrag für ein derart wichtiges Unterfangen wie eine eigene TLD aus der Portokasse zahlen könnte.

t3n meint: Letzten Endes könnten die Amazonas-Staaten ein Angebot erhalten, das sie nicht ablehnen können – denn für Amazon könnte die TLD ein wichtiges Element in der Markenstrategie sein – aus Marketinggesichtspunkten einerseits, aber auch aus Sicherheitserwägungen, weil man so im Internet der Dinge beispielsweise nur Websites mit bestimmter Endung ausliefern könnte. Tobias Weidemann

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