Kolumne

Digital Leadership: Wie Unternehmen mit Ambidextrie die digitale Transformation gestalten können

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Wenn Unternehmen durch eine starke Silostruktur und die Unternehmenskultur nicht durch Kollaboration geprägt sind, bietet sich strukturelle Ambidextrie an:

  • Bei diesem Ansatz werden separate Strukturen geschaffen, um beispielsweise Produkte für neue Märkte entwickeln oder das Kerngeschäft in bestehenden Märkten zu stabilisieren. Beide Aktivitäten unterscheiden sich so stark, dass sie nicht innerhalb eines Geschäftsbereichs koexistieren können. Dabei wird zwischen räumlicher Separation und parallelen Strukturen unterschieden.
  • Bei der räumlichen Separation würde ein Unternehmen, das die digitale Transformation gestaltet, innerhalb von Geschäftsbereichen Einheiten bilden, die einerseits Exploitation und andererseits Exploration verfolgen. So können sich die Einheiten an die jeweiligen Umwelten und deren Anforderungen anpassen. Der Grad der Trennung zwischen den Geschäftsbereichen entscheidet darüber, welchen Einfluss Ambidextrie auf Kultur, Management und Belohnungssystem des Unternehmens hat.
  • Ein anderer Ansatz sind parallele Strukturen. Hier wird eine primäre Struktur verwendet, in der der Schwerpunkt auf Stabilität und Effizienz liegt. Eine parallele, sekundäre Struktur soll die kurzfristige Perspektive der primären Struktur ausgleichen und jenseits von Routineaufgaben auf Innovationen fokussieren.

Unternehmen mit stark vernetzten Geschäftsbereichen, die die digitale Transformation aktiv als Herausforderung adressiert haben, können die Form der kontextabhängigen Ambidextrie auswählen:

  • Ziel bei diesem Ansatz ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Exploitation und Exploration, abhängig von der individuellen Situation des Unternehmens. Gemeint ist hiermit sowohl die Arbeit im Tagesgeschäft mit existierenden Bedürfnissen der Kunden heute. Ebenso meint es die konsequente Weiterentwicklung sowie die Ausrichtung des Unternehmens auf die digitalen Herausforderungen der Zukunft.
  • Führungskräfte und leitende Angestellte sind stark ins Tagesgeschäft eingebunden, leiten ihre Mitarbeiter aber auch konsequent in agilen Methoden und die Zukunftsthemen des Unternehmens. Gebraucht werden dafür Mitarbeiter, die die Balance zwischen Exploitation und Exploration leben. Solche Mitarbeiter sind Botschafter, die intern das Thema digitale Transformation vorantreiben und beispielsweise agile Methoden vermitteln.  Sie übernehmen die Initiative und sind bereit, die Möglichkeiten, die die Grenzen ihres eigenen Jobs überschreiten, als Chancen wahrzunehmen und zu nutzen. Außerdem sind sie gewohnt, bequem mehrere Aktivitäten aus den Bereichen Exploitation und Exploration gleichzeitig zu verfolgen.

Eine agile Organisation lässt sich nicht von heute auf morgen erschaffen. Auch Innovation Hubs können nur einen begrenzten Beitrag dazu leisten. Ambidextrie ist ein Ansatz, um Organisationen und ihre Strukturen agiler zu gestalten. Dadurch trägt er zu einem Wandel der Unternehmenskultur bei, weil Silos eingerissen und die Kollaboration von Mitarbeitern erleichtert werden. Ambidextrie bringt das Spannungsfeld zwischen Exploitation und Exploration in eine produktive Balance. Ambidextre Unternehmen stabilisieren ihr Kerngeschäft und optimieren es, während sie gleichzeitig die digitale Transformation vorantreiben.

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Ein Kommentar
VinFin
VinFin

Großes Lob an Redaktion und an Autor! In vielen anderen Artikeln über die Digitalisierung (oder IoT, Industrie 4.0, usw.) wird immer nur auf mögliche Risiken und auf die Inaktivität von Unternehmen eingegangen. Im vorliegenden Artikel wird mittels dem Konzept von Ambidextrie wahre Problemlösungspotentiale erläutert. Das finde ich salopp gesagt ziemlich gut!

Dass wir in einer sehr spannenden Zeit der Digitalisierung leben, müssten allen klar sein. Jetzt kommt es nämlich nicht mehr an, darauf hinzuweisen, sondern auf mögliche Potentiale eingehen. Was bedeutet Digitalisierung für Unternehmen? Wie sollte man sich verhalten und agieren? Vorgestellte Lösung: Stabilisieren und den Wandel gestalten. Ich finde diesen Ausdruck sehr gelungen, da er es perfekt auf den Punkt bringt.

Aber was bedeutet das konkret nun für Unternehmen? Genau das ist eben diese spannende Frage, die sich alle Unternehmensführungs-Experten fragen. Reicht es schon wenn man die Daten in der Cloud speichert? Ich persönlich verstehe darunter der Einsatz von den Produkten, die die Digitalisierung hervorgebracht hat. So zum Beispiel die App von qnnect.com. Es ist wie ein Intranet des Unternehmens auf dem Handy. Da die meisten sowieso am Handy sind und es viel nutzen, macht es schon Sinn den Einsatz einer solchen App zu fördern.

Freundliche Grüße, echt spannend das Thema…

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