News

Amerikas Jugend verbringt jetzt die Hälfte der wachen Zeit vor Bildschirmen

Jugendliche, die schon seit der frühen Kindheit Bildschirme nutzen, entwickeln mit hoher Wahrscheinlichkeit gesundheitliche Probleme, wie depressive Störungen. (Foto: Shutterstock)

Amerikanische Kinder verbringen durchschnittlich fünf Stunden täglich vor dem Bildschirm, Jugendliche bereits 7,5 Stunden. Dabei sind produktive Nutzungen, etwa für Hausaufgaben, noch gar nicht eingerechnet.

Eine Studie der Universität von Montreal bescheinigt der übermäßigen Bildschirmnutzung von Kindern und Jugendlichen deutliche negative Effekte auf deren Gesundheit. Dabei verschärft sich das Problem stetig, weil heutige Kinder und Jugendliche nahezu die Hälfte ihrer Wachzeit vor Bildschirmen verbringen. Zudem wurde der Bildschirmeinsatz etwa im Klassenzimmer oder die Gerätenutzung für die Anfertigung der Hausaufgaben nicht einmal hinzugerechnet.

Korrelation zwischen Bildschirmnutzung im Kleinkindalter und späteren Problemen

Die Forscher der kanadischen Universität fanden deutliche Korrelationen zwischen der Bildschirmnutzung seit frühester Kindheit und später auftretenden Gesundheitsproblemen. So kam es bei den Vielnutzern nicht nur zu Übergewicht durch zu wenig Bewegung und ungesunde Ernährungsgewohnheiten.

Auch die psychische Gesundheit erwies sich als massiv gefährdet. Schon im Alter von 12 bis 13 entwickelten die Studienteilnehmer depressive Symptome, sowie Gefühlsregulationsstörungen. Die soziale Interaktion war gestört, Betroffene wurden häufiger Opfer von Mobbing, reagierten aggressiv und erwiesen sich im allgemeinen als sozial inkompetenter als jene der Vergleichsgruppe.

Soziale Faktoren werden ausgeschlossen

Die Forscher schieben diese Effekte nicht nur auf klassische Suchteffekte oder die Degeneration kognitiver Fähigkeiten durch Nichtnutzung. Vielmehr sehen sie das Risiko, dass sich das kindliche Gehirn, das stets einem Bildschirm ausgesetzt ist, gar nicht adäquat verdrahtet und somit ein Entwicklungsdefizit hinnehmen muss.

Um auszuschließen, dass neben dem Bildschirmkonsum andere Einflussfaktoren eine bedeutende Rolle spielen, untersuchten die Forscher die Lebensverhältnisse der Teilnehmer im übrigen. So galt etwa die Vermutung, Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen könnten schon aus diesem Grund mentale und physische Probleme entwickeln, die dann fälschlicherweise dem Bildschirmkonsum zugerechnet würden.

Diese Vermutung ließ sich nicht bestätigen, so dass die Forscher den direkten Zusammenhang zwischen Bildschirmkonsum und dem Ausbilden psychischer und körperlicher Problemlagen zumindest hinsichtlich der Korrelation für gesichert halten.

Schwachpunkt TV: Studie kann heutige Nutzungsformen nicht abbilden

Weil es zu Beginn der Studie noch keine Smartphones und Tablets gab, beziehen sich alle getätigten Schlüsse rein auf das Vorhandensein eines Fernsehers und dessen Nutzung ab einem Alter von etwa vier Jahren. Wenn nun bereits ein Kinderzimmer-TV eine dermaßen deutliche Auswirkung auf die Entwicklung der Kinder hatte, was muss dann erst die heute übliche Ausstattung mit mehreren Bildschirmen für Auswirkungen zeitigen, fragen sich die Forscher. Immerhin könnten Kinder ihren Fernseher in Form des Smartphones nun sogar mit sich tragen. Dem Konsum wären damit nicht einmal mehr räumliche Grenzen gesetzt.

Auf der Habenseite der neuen Technologien stehen die Videospiele, die häufig komplexe Interaktionen und auch immer mehr physische Aktivitäten, etwa bei Pokemon Go, erfordern und sich so positiv auf die Entwicklung der jugendlichen Gehirne auswirken könnten. Das bedürfte indes näherer Forschung und ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr als eine Vermutung.

Passend dazu:

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung