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„In Deutschland hat man verkannt, dass ein disruptiver Technologiewandel kommen könnte“

Andreas Pinkwart im Changerider. (Screenshot: t3n.de)

Mit dem neuen Video-Format Changerider wollen Philipp Depiereux und t3n den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Der aktuelle Interviewgast: Andreas Pinkwart.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart sieht in der Digitalisierung die größte Gestaltungsaufgabe unserer Zeit und will mit einer Digitalstrategie neue Wege in Nordrhein-Westfalen beschreiten. In der siebten Folge des Video- und Podcastformats Changerider von Etventure-Gründer Philipp Depiereux und t3n berichtet Pinkwart, warum das „Ruhr-Valley“ für Gründer attraktiver ist als Berlin und was es aus seiner Sicht braucht, um die digitale Transformation erfolgreich voranzutreiben.

Das Ruhrgebiet steht derzeit vor einer zentralen Herausforderung: dem Strukturwandel vom Industrie- zum Technologie-Standort. Die Region verliert mit dem Ende der Steinkohleförderung ein zentrales Fundament des wirtschaftlichen Erfolgs der vergangenen Jahrzehnte. Alle Zeichen stehen auf Umbruch. War früher die Kohle der Erfolgsgarant, sollen es zukünftig Daten, Bits und Bytes werden. Dafür drückt Pinkwart aufs Gaspedal: ein „Entfesselungspaket II“ für die Wirtschaft, die Vorstellung von digitalen Modell-Regionen, eine neue Gigabit-Strategie, der Startschuss für die digitale Gewerbeanmeldung und das Gründerstipendium für NRW. Wirtschaftsminister Pinkwart, auch zuständig für Innovation, Digitalisierung und Energie, will als „Digitalbotschafter“ etwas bewegen. Ganz aktuell brachte er NRW als Standort für ein mögliches neues Tesla-Werk ins Spiel. Deutschland sei „die bevorzugte Wahl für Europa“, twitterte Elon Musk im Juni in Bezug auf seine Expansionspläne.

„Das Ruhr-Valley ist einzigartig“

„Wir sind das erste Bundesland, das sich ganz klar zur Digitalisierung bekennt“, macht Pinkwart deutlich. Die Region stecke in einer spannenden Entwicklungsphase mit viel Potenzial, in der sich die Industriekultur, Wissenschaft und digitale Startups zu einem einzigartigen Mix verbinden. Viele neue Initiativen wie die Gründerallianz Ruhr sind in der Entstehung und entwickeln ein Startup-Ökosystem in NRW. So entwickelt beispielsweise der neue Data-Hub der Gründerallianz Ruhr gemeinsam mit Startups neue Geschäftsmodelle – auf Basis bestehender Datensätze von Unternehmen aus der Ruhr-Region. „Der Unterschied zu Berlin: Wir haben noch Industrie und wir haben den Mittelstand“, so Pinkwart. „Auch das Unternehmen Bayer hat im Jahr 1871 in NRW gegründet und ist heute ein Weltkonzern. Das darf man nicht vergessen, denn jedes große Unternehmen hat auch mal klein angefangen und Nordrhein-Westfalen war in der industriellen Revolution ein Gründerland.“

„Startups sind das Salz in der Suppe, das wir in unserer Marktwirtschaft brauchen“

Dass einige technologischen Entwicklungen von den großen Konzernen nicht rechtzeitig erkannt wurden, räumt auch Pinkwart ein: „Die Diesel-Technologie war zunächst eine enorme Ingenieursleistung. Länder wie China haben aber gar nicht erst versucht, diesen technologischen Vorsprung einzuholen, sondern haben direkt und konsequent auf die neuen Themen gesetzt.“

Neben den bisher erfolgreichen Verbrennungstechnologien gelte es nun, langfristig neue Geschäftsfelder zu erschließen.. Unternehmen wie Tesla oder die Automobilindustrie in China schlafen nicht – im Gegenteil – sie haben es geschafft, sich durch Elektromobilität am Markt zu differenzieren. „In Deutschland hat man verkannt, dass ein disruptiver Technologiewandel kommen könnte“, meint Pinkwart. Allerdings sei die Lücke der deutschen Automobilindustrie durch Startups ausgefüllt worden. So werden beispielsweise Elektro-Kleintransporter durch ein Startup in Düren produziert – was die Notwendigkeit an Gründern in Deutschland demonstriert: „Startups sind das Salz in der Suppe, das wir in unserer Marktwirtschaft brauchen.“

„Gründer wollten ihr Gewerbe bequem von der Couch aus anmelden“

Aber auch in anderen Branchen lässt die digitale Transformation noch etwas auf sich warten. Das Problem: Viele Unternehmer finden durch eine sehr gute Auftragslage kaum Zeit, sich um die Digitalisierung ihrer Unternehmen zu kümmern. Dennoch betont Pinkwart: „Unternehmen müssen die Herausforderungen annehmen.“ Der Wirtschaftsminister weiß, wovon er spricht. Zuletzt leitete er die private HHL Leipzig Graduate School of Management und setzte sich mit einem Accelerator bereits für die Unterstützung von Startups ein. Nach seinem Amtsantritt in NRW führte er zunächst eine Befragung unter Gründern durch, um herauszufinden, „wo der Schuh drückt“. Ein großer Pain-Point: die Bürokratie. „Gründer wollten ihr Gewerbe bequem von der Couch aus anmelden.“ Seit 1. Juli diesen Jahres ist das nun möglich. Ein weiterer Meilenstein für die erfolgreiche Unterstützung von Startups ist das neue Gründerstipendium für NRW. Auch hierfür können sich Startups und Gründer aus Nordrhein-Westfalen seit 1. Juli bewerben, um für ein Jahr lang monatlich 1.000 Euro für die Umsetzung ihrer Idee zu erhalten.

„Wir sollten Wert darauf legen, dass Digitalisierung für die Menschen eine Verbesserung bringt“

Wohin geht also die digitale Entwicklungsreise in Deutschland? Pinkwart sieht in der Gesellschaft grundsätzlich eine enorme Offenheit für digitale Themen. Digitalisierung könne Arbeit vereinfachen und Prozesse verbessern. Aber: „Nur wenn die Menschen mitgehen und sich mit der Digitalisierung weiterentwickeln können, hat diese auch eine Chance.“

Außerdem erzählt Andreas Pinkwart im Changerider, was die größten Scheitergründe für Startups sind, wie es möglich ist, mehr Frauen zur Gründung zu motivieren und welche politischen Maßnahmen bei der Digitalisierung unterstützen sollen.

Als zukünftige Mitfahrer nominiert NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart Rahmyn Kress, Chief Digital Officer bei Henkel und Günther Schuh, der zunächst für die Post den Elektro-Transporter Streetscooter entwickelte und heute als Gründer und CEO von Ego einen Elektro-Pkw für den Massenmarkt produzieren will.

Ihr kennt Querdenker, Gamechanger und unermüdliche Optimisten, die für den digitalen Wandel einstehen? Nominiert sie als Changerider-Mitfahrer! Diese und alle weiteren Folgen, sind als Video oder als Podcast bei Soundcloud und Spotify verfügbar.

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