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Ungewöhnliche Anwendungsszenarien für das Internet of Things: Wie Big Data der Technik Beine macht

Das Internet of Things. (Grafik: Bardocz Peter / Shutterstock)

Das Internet of Things ist auf dem Vormarsch. Immer mehr Geräte sind untereinander vernetzt in immer mehr Bereichen von der Landwirtschaft zum Freizeitpark. Ein großer Erfolgsfaktor des Internet der Dinge: Big Data.

Massenhaft Daten sammeln und darauf reagieren, willkommen im Internet der Dinge! Laut Schätzungen von Cisco sollen es 2020 weltweit 50 Milliarden vernetzte Geräte sein. Aber egal ob Kochtopf, Kühlschrank oder Fernseher mit HbbTV, klar ist, dass heute kein neu entwickeltes Gerät mehr ohne Internetanbindung auskommt. Aber neben den genannten üblichen Verdächtigen gibt es inzwischen noch eine ganze Reihe weit unbekannterer Anwendungsbeispiele für das Internet of Things. Erst ein Blick darauf lässt erahnen, wohin uns das in Zukunft führen wird. Dann wird so mancher Werkstattbesuch der Vergangenheit angehören und die häusliche Pflege von Oma kann vom Fachmann über das Internet überwacht werden.

Bei genauem Hinschauen ist das Internet der Dinge eine Kombination mehrerer Technologien: nämlich Big Data, Cloud und Sensorik. Viele Sensoren sammeln eine riesige Anzahl von Daten und speichern diese in der Cloud – um daraus wieder neue Ereignisse anzustoßen. Beispiele für dieses Zusammenspiel gibt es heute schon einige. So zum Beispiel hat die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airways eine Reihe ihrer Boeing 787 ans Internet angeschlossen und sammelt während des Fluges nun mehr als eine halbe Terabyte an Daten – solch eine Datenmenge ist nur mit Big-Data-Techniken auswertbar. Auch wenn Virgin Atlantic Airways das Potenzial der Datenmengen noch nicht vollständig ausschöpft, eingesetzt werden die Daten schon heute für Vorhersagen zu Materialverschleiß und zur Optimierung des Spritverbrauchs.

Internet of Things: Von der Landwirtschaft bis zum Freizeitpark überall an Bord

Auch in der Landwirtschaft gibt es heute schon interessante Einsatzzwecke, wie zum Beispiel Field Connect von John Deere. Mit dem Internet verbundene Sensoren geben Auskunft über den Feuchtegehalt des Ackerbodens und helfen dem Landwirt, die Bewässerung gezielt zu steuern. Ebenfalls interessant ist die sogenannte Smart Bottle, die neueste Internet-of-Things-Anwendung des Whiskey-Herstellers Johnnie Walker in Kooperation mit Thinfilm: Über NFC-Tags an der Flasche kann geprüft werden, ob diese zum Beispiel schon geöffnet wurde.

Im Disney World ist das Internet of Things an jeder Ecke vertreten – vom Check-in bis zur Platzreservierung. (Foto: Anthony Quintano / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Die Betreiber von Disney World nutzen das Internet of Things schon sehr professionell und haben mit dem sogenannten MagicBand eine Anwendung im Einsatz, mit der sich herrlich viele Daten zum Besucherverhalten sammeln lassen. Das MagicBand ist ein Armband und die zentrale Eintrittskarte für Disney World. Es ist mit etlichen Sensoren ausgestattet und Besucher nutzen es während ihres Besuchs im Vergnügungspark für praktisch alles: Als Eintrittskarte für den Park, um im Hotel einzuchecken, beim Kauf von Essen und Getränken und als Platzreservierung für Attraktionen. Per RFID werden die Besucher getrackt und das Parkmanagement erhält wertvolle Informationen über die Besucher und kann direkt auf Besucherströme reagieren, zum Beispiel um Besucheranstürme auf eine Attraktion zu erfassen und gegebenenfalls zu regulieren. Auch die Hotelkette Hilton setzt auf die Nutzung des MagicBands – diesmal allerdings in Form des Smartphones. Check-ins und Schlüssel für das Zimmer via MagicBand sind wahrscheinlich nur der Anfang.

Wie das Internet der Dinge die medizinische Behandlung vereinfacht und sich im Auto ausbreitet

Eine wichtige Technologie zur Vernetzung in Krankenhäusern ist RFID, um unter anderem den Lebenszyklus von Operationsbesteck zu überwachen. In der Notfallmedizin kommt es sehr auf Schnelligkeit an, die unmittelbare und vor allem zentrale Auffindbarkeit einer Blutkonserve oder eines mobilen medizinischen Gerätes kann Leben retten. Daher werden Blutkonserven und Geräte mit Funkmodulen ausgestattet, die helfen, Prozesse zu optimieren. Das Universitätskrankenhaus in Clermont-Ferrand in Frankreich zum Beispiel hat zusammen mit Microsoft und Capsule-Technologie eine Internet-of-Things-Lösung etabliert, die Daten von medizinischen Geräten sammelt und diese auswertet. Das Pflegepersonal kann nun Patientendaten direkt von den medizinischen Geräten aus versenden, die Sicherheit wird durch eine Authentifizierung am Smartphone gewährleistet. Der Vorteil: Ärzten und Schwestern stehen nun mehr Daten in einer kürzeren Zeit zur Verfügung und Arbeitsabläufe werden optimiert. Mit Internet-of-Things-Techniken wird es zudem möglich, die private Pflege zu Hause in die Gesundheitsvorsorge zu integrieren. Über vernetzte Geräte mit entsprechenden Sensoren lassen sich Gefahrensituationen für den Patienten aus der Ferne erkennen. Damit können kranke oder pflegebedürftige Menschen in ihrem gewohnten Umfeld unterstützt werden.

Mit Android Auto bringt Google das Internet of Things ins Auto. (Foto: Google)

Mit Android Auto bringt Google das Internet of Things ins Auto. (Foto: Google)

Die Automobilindustrie versucht schon seit jeher, sich mit Innovationen zu übertreffen. Mit dem vernetzten Auto oder Connected Car mischt heute allerdings auch IT-Riese Google mit seinem Android Auto kräftig mit. Dabei geht die Vernetzung weit über die Einbindung von Smartphones und deren Apps hinaus. Über die Internetverbindung können zum Beispiel Fahrdaten ins Internet übermittelt werden, um diese durch andere Fahrteilnehmer auswerten zu lassen – beispielsweise um rechtzeitig auf Staus reagieren zu können. Auch die Buchung von Parkplätzen direkt aus dem Auto heraus wird dadurch möglich. Die Vernetzung der Autos birgt allerdings noch Sicherheitslücken. So hat ein Sicherheitsexperte eklatante Sicherheitslücken bei BMWs Connected Drive aufgezeigt und konnte die Autotür entriegeln.

Am deutlichsten zeigt aber Autobauer Tesla die schon vorhandenen Möglichkeiten des Internets im Auto. Wo andere Hersteller noch kostenintensive Rückrufaktionen starten und die Autos in die Werkstätten zurückrufen, rollt Tesla heute nur ein Update über das Internet aus – quasi ein Over-the-Air-Update. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie mächtig die Technologie heute schon ist: Die National-Highway-Traffic-Safety informierte die Besitzer von 29.222 Tesla-Fahrzeugen, dass ein Ladestecker zu Feuerentwicklung im Fahrzeug führen kann. Anstatt aber die knapp dreißigtausend Fahrzeuge zurückzurufen, wurde einfach ein Update aufgespielt. Das Resultat: Riesige Kostenersparnis für den Hersteller und große Zeitersparnis für die Besitzer.

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