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AOL-Effekt: US-Bank warnt Tesla-Anleger vor Kurssturz

Tesla-Chef Elon Musk. (Foto: Vasilis Asvestas / Shutterstock.com)

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Trotz eines fantastischen Jahres 2020 warnen die Experten der US-Bank Wells Fargo Anleger vor der Tesla-Aktie und empfehlen, eher auf Wertpapiere der „Old Economy“ zu setzen.

Folgt auf den steilen Aufstieg ein tiefer Fall? Das befürchten Analysten von Wells Fargo mit Blick auf ein Wertpapier, das im vergangenen Jahr stolze 743 Prozent an Wert gewonnen hat: die Tesla-Aktie.

Strategie auf Wachstum mit hohen Risiken behaftet

Die Experten weisen auf das hohe Risiko massiver Wertkorrekturen hin, weil das Wertwachstum nicht organisch, sondern lediglich aus der Fantasie eines Wachstums begründet sei. Eine solche Anlagestrategie sei jedoch selten nachhaltig erfolgreich. Immerhin sei die Unternehmensbewertung von über 660 Milliarden US-Dollar, die Tesla inzwischen vorweist, durch die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen in keiner Weise zu unterfüttern – weder nach Umsatz noch nach Vermögen.

So vergleicht Wells Fargo Tesla mit dem einst größten Internetunternehmen der Welt: AOL. Parallelen sieht die Bank vor allem darin, dass AOL wie Tesla über „eine bahnbrechende Technologie“ und „eine unglaubliche Performance“ verfügt hatte. Mit der Aufnahme in den S&P-500-Index hätten dann die Probleme begonnen. Tesla befindet sich seit Dezember 2020 ebenfalls in diesem Index.

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Wells Fargo: Strategisch lieber auf Substanz setzen

Wie Wells-Fargo-Experte Chris Harvey gegenüber CNBC näher ausführt, rät seine Bank Anlegern inzwischen zu einer diversifizierten Strategie. Reine Wachstumsspekulationen wie im Falle Tesla seien zu risikoreich.

Anleger sollten vielmehr klassische Strategien verfolgen. Ganz konkret empfiehlt Harvey jetzt antizyklisch vorzugehen und sich etwa Wertpapiere von Unternehmen der „Old Economy“ näher anzusehen, die von der Coronakrise stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind, aber über tatsächliche Vermögenswerte und das Potenzial, die Krise zu überwinden, verfügen.

t3n meint:

Wells Fargo in allen Ehren, aber der Vergleich mit AOL hinkt. Ende der 90er war AOL schon fast „Old Economy“. Sie hatten sich über Jahre mit ihren CD-Beigaben über Computermagazine ein geschlossenes Netz gebaut und waren zunächst nicht gewillt, sich dem offenen Internet zu stellen. Den Weg wollten die Kunden nicht mitgehen.

Kleinere, agilere Unternehmen mit hohem Innovationstempo liefen AOL in der Folge den Rang ab. Korrekter wären daher Vergleiche von AOL mit Kodak oder Nokia. Tesla hat in diesem Zusammenhang keinen Platz.

Zudem darf bei der Betrachtung des AOL-Niedergangs das Platzen der sogenannten „Dotcom-Blase“ Anfang der 00er nicht außer Acht gelassen werden. Hier hatten sich Scheinunternehmenswerte aufgebaut, die keinerlei realen Hintergrund aufwiesen. Viele hoch bewertete Unternehmen der damaligen Zeit machten nicht einmal Umsätze. Dadurch wurden auch Werte wie AOL ungerechtfertigt in Mitleidenschaft gezogen.

Im Ergebnis gilt hier der Satz: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Dieter Petereit

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Ein Kommentar
Paul Würdig
Paul Würdig

„Tesla hat in diesem Zusammenhang keinen Platz.“ Richtig, dass Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Tesla liegt mittlerweile bei über 1.600! Das bedeutet, dass mittlerweile so viel Kapital in diese Firma gepumpt wurde, dass Tesla 1.600 Jahre benötigen würde, um diese Summe mit den eigenen Gewinnen aufzuwenden. So ein KGV hat AOL selbst auf dem Höhepunkt des DotCom-Fiebers nie erreicht. Bei Tesla entspricht der Marktwert pro verkauftem Auto satte 1,1 Millionen Dollar. Bei VW sind es 10.000 Dollar. Spoiler: Das Wachstum bei Elektrofahrzeugen betrug bei VW dieses Jahr rund 200% und der Marktanteil von Tesla ist in Europa so gering wie niemals zuvor. Welche Bewertung realistischer ist, sagt eigentlich der gesunde Menschenverstand. „Hier hatten sich Scheinunternehmenswerte aufgebaut, die keinerlei realen Hintergrund aufwiesen. Viele hoch bewertete Unternehmen der damaligen Zeit machten nicht einmal Umsätze.“ Da verweise ich doch auf Firmen wie XPeng oder Nio, die allesamt Elektrofahrzeuge produzieren und verglichen mit den produzierten Fahrzeugen noch höher bewertet sind als Tesla: Bei XPeng sind es 1,7 Millionen Dollar pro Auto, bei Nio 1,6 Millionen Dollar. Wir haben eine EV-Blase! Bei „Bild“ war passend dazu heute ein Artikel drin, wie eine Dame mit dem Leasing eines Elektroautos dank der staatlichen Förderung sogar noch 3.500 Euro verdient hat…

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