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Entwicklung & Design

App-Entwicklung: So gestaltest du als Entwickler gute Verträge [#smwhh]

So gestaltest du gute Verträge als App-Entwickler.

Andrea Schlotfeldt, Rechtsanwältin für Medien- und Urheberrecht, hat auf der Social Media Week in Hamburg einen für Entwickler besonders spannenden Vortrag gehalten: „App-Entwicklung: Wie gestaltet ihr eure Verträge?“

App-Entwicklung: Was ein Vertrag beinhalten sollte

Mobiles Internet soll kabelgebundenes Internet verdrängen (Bild: Fotolia)
Auch in Sachen Vertrag sollten App-Entwickler einiges beachten. (Bild: Fotolia)

An der Entwicklung von Applikationen sind zahlreiche Parteien beteiligt, in ihrem Vortrag auf der Social Week in Hamburg hat Rechtsanwältin Andrea Schlotfeldt jedoch insbesondere die rechtlichen Beziehungen zwischen Entwickler und Auftraggeber sowie Entwickler und Urheber behandelt.

Die Ausgangssituation ist durch „umfassende Verträge mit AppStores“, „nicht verhandelbare Nutzungsbedingungen“ und den bei Apple gängigen Review-Prozess bedingt, erklärt Schlotfeldt. Eine Teilnehmerin rät wegen der möglichen Ablehnung einer Applikation davon ab, in Verträgen mit Auftraggebern harte Deadlines zu setzen. Wichtig sei hier außerdem eine intensive Beratung, ergänzt ein zweiter Teilnehmer.

Aufgrund der sich möglicherweise ändernden Rahmenbedingungen, rät Schlotfeldt stets zu schriftlichen Verträgen zwischen Entwickler und Auftraggeber. Sie sollten unter anderem folgende Kapitel beinhalten:

  • Präambel über Vertragsgegenstand
  • Planung und Entwicklung
  • Vorgehen bei Änderungen
  • Mitwirkungspflicht des App-Anbieters
  • Abnahme
  • Nutzungsrechte und Urhebernennung
  • Vergütung
  • Rechte Dritter
  • Verzug
  • Gewährleistung sowie Haftung
  • Wartung/Pflege
  • Gerichtsstand/Sonstiges
  • Lasten- und Pflichtenheft als Anhang

Sie beinhalten den Liefer- und Leistungsumfang, alle rechtlichen Fallstricke sowie die Muss-, Soll- und Wunschkriterien. Letztere beinhalten alle Bestandteile der Entwicklung, von Konzept und Zweck bis zu Verkauf und Fristen.

Mitwirkungspflicht und Abnahmepflicht

Gesonderte Erwähnung findet im Rahmen des Vortrags die Mitwirkungspflicht der Anbieter. Schlotfeldt zählt hierzu beispielsweise die Angabe bestimmter Funktionen und die Lieferung von Inhalten. Bei Nichteinhaltung sollten Entwickler in Verträgen auf ein Kündigungsrecht sowie einen Vergütungsanspruch bestehen.

Die „Abnahme“ sollte die finale Präsentation durch den Entwickler und die Prüfung des App-Anbieters beinhalten. Damit einhergehend unter anderem den Vergütungsanspruch und den Verjährungsbeginn. Schlotfeldt rät dazu, eine Pflicht zur Abnahme festzulegen und sich diese nach Abschluss des Projekts schriftlich bestätigen zu lassen.

Urheberrecht bei der App-Entwicklung

Wie bei einem Text oder Foto, haben Entwickler auch auf Applikationen ein Urheberrecht. Sie haben dadurch das alleinige Verwertungsrecht, solange es keine Miturheber gibt oder zum Zeitpunkt der Entwicklung in einem Angestelltenverhältnis stehen. Das Urheberrecht beinhaltet zustimmungsbedürftige Handlungen, beispielsweise bei nachträglicher Vervielfältigung oder Bearbeitung einer entwickelten Applikation.

Alle im Kontext des Urheberrechts relevanten Punkte sollten Entwickler im Vertrag schriftlich festhalten, erklärt Schlotfeldt. Eine Angabe wie „Recht zur Nutzung im Internet“ sei nicht ausreichend, erforderlich ist hingegen eine konkretere Regelung. Wenn es keine Absprache gibt, erhält der App-Anbieter nur so viele Rechte wie er zum Anbieten der Applikation benötigt.

Verträge bei App-Entwicklung: Nutzungsrechte und Dritt-Inhalte

Schlotfeldt rät dazu, die Einräumung von Nutzungsrechten so genau wie möglich festzuhalten. Dies gilt nicht nur für die räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Kriterien, sondern auch für Nutzungsarten. Betroffen sind davon seit einigen Jahren auch „zukünftige, bislang unbekannte Nutzungsarten“, so Schlotfeldt. Eine neue Technologie ist davon also nicht länger ausgeschlossen.

Die Angaben zu Dritt-Inhalten legen fest, welche der beiden Parteien die verwendeten Inhalte (beispielsweise Bilder oder Texte) zur Verfügung stellt und die rechtliche Haftung der Integration übernimmt. Der Verstoß gegen Nutzungsbedingungen könne schließlich auch zum Ausschluss aus einem AppStore führen, so Schlotfeldt.

Wichtig: die Vergütung und Abnahme

Die Vergütung ist mit Abnahme der App fällig. Entwickler können hier zwischen verschiedenen Varianten wählen: Möglich sind Stundensätze, Pauschalhonorare und Staffelhonorare. Letztere erfolgen beispielsweise nach der Anzahl an Downloads, ähnlich wie auch in der Buchbranche. Gängig ist laut den meisten Teilnehmern klar das Pauschalhonorar beziehungsweise der Stundensatz.

Für Urheber ist die nachträgliche Anpassung der Vergütung bei unpassender Bezahlung und überdurchschnittlichem Erfolg besonders spannend. Hier greift Paragraf 32a des Urheberrechtsgesetz zur „Angemessenen Vergütung“. Laut Schlotfeld können Entwickler – in diesem Fall die Urheber – bei durchschlagendem Erfolg nachträglich eine Anpassung der Bezahlung verlangen.

Gewährleistung und Haftung

Im Bereich „Gewährleistung“ müssen beide Parteien genau festlegen, welche Partei im Falle von Mängeln welche Rechte haben bekommen soll. Hier ist zwischen Sachmängeln und Rechtsmängeln zu unterschieden: Erstgenannte betreffen beispielsweise fehlende Funktionen oder mangelnde Leistungen, letztgenannte betreffen vor allem Verstöße gegen Urheberrechte bei Dritt-Anbietern.

Schlotfeldt empfiehlt in jedem Fall eine Haftungsbegrenzung, gängig sind hier Prozentsätze nach Auftragswert. Laut eines Teilnehmers lassen sich diese aber nicht immer durchsetzen. Seine Kunden bestätigen Verträge oftmals mit Verweis auf die eigenen Geschäftsbedingungen, die wiederum andere Angaben zur Haftung geltend machen.

Bist du an weiteren Rechtsthemen interessiert? Rechtsanwalt Moritz Vetteler hat auf t3n.de vor kurzem über Verträge für Webdesigner geschrieben.

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4 Reaktionen
Tine

Schaut doch dazu mal auf http://www.anwaltauskunft.de. Hier gibt es bereits viele Antworten zu rechtlichen Problemen, die u.a. auch die Erstellung von Verträgen betrifft (inkl. Checklisten oder dem passenden Anwalt)

Adrian

Abgesehen davon, dass ich nur davor warnen kann "als Entwickler" Verträge zu gestalten! Vor allem in Verbindung mit dem Tipp, die Haftung zu beschränken, ist das brandgefährlich!

Adrian

Das sind alles allgemeine Hinweise, wie sie im Prinzip für jedes IT-Projekt gelten. Der Beitrag lässt eigentlich alles außen vor, was spezifisch für die App-Entwicklung ist. Vor allem das Zusammenspiel mit App Stores: Welche Vorgaben von Apple/Google/Microsoft & Co. müssen eingehalten werden? Wie sichert man das vertraglich ab? Wer ist für die Veröffentlichung und Pflege im App Store verantwortlich? Und, und, und.

Appyourself

Hallo,

guter Beitrag. Wir von Appyourself möchten unseren Kunden den Besten Service rund um Apps, egal ob im App Store oder einer Web App.
Und das noch für den Mittelstand bezahlbar.

http://www.appyourself.net

Liebe Grüße,

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