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Digitale Gesellschaft

Apple und Facebook als „Datenkraken“ angeprangert – zu Recht?

Ob Sie wollen oder nicht... Selten wird mit Überwachung so erschlagend ehrlich umgegangen wie bei diesem Beispiel aus der Hamburger Hafencity.

Neben einigen anderen haben auch Apple und Facebook den deutschen „Big Brother Award“ verliehen bekommen. Dieser Negativpreis weist inzwischen zum elften Mal darauf hin, wenn Politiker, Firmen und Organisationen „besonders unverantwortlich mit den Daten anderer und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung der Bürger umgehen“. Aber sind Apple und Facebook wirklich solche Datenkraken? Oder regiert hier wieder die deutsche Überempfindlichkeit wie im Falle von Google Street View?

Organisiert werden die Big Brother Awards vom FoeBuD e.V., beteiligt sind außerdem der Chaos Computer Club, die Deutsche Vereinigung für Datenschutz, FIfF, Fitug, die Humanistische Union und die Internationale Liga für Menschenrechte.

„Facebook verdient mit Datenschutzverstößen Milliarden“

„Facebook ist und bleibt kostenlos“, heißt es auf der Startseite. Schöne Sache, könnte man sich denken. Nur: Irgendwer muss für den Betrieb und die Weiterentwicklung von Facebook bezahlen. Und das sind beispielsweise die Nutzer, in dem sie ihre Daten preisgeben.

Warum ist Facebook „ausgezeichnet“ worden? Hier die Begründung in Kurzform:

Der Big Brother Award 2011 in der Kategorie „Kommunikation“ geht an die Facebook Deutschland GmbH für die gezielte Ausforschung von Menschen und ihrer persönlichen Beziehungen hinter der netten Fassade eines vorgeblichen Gratisangebots. Die gesammelten Daten speichert Facebook in den USA – Zugriff für Geheimdienste möglich, Löschen nicht vorgesehen. Per „Freundefinder“ und „Handy-App“ eignet sich Facebook Telefonnummern und Mailadressen aus den Adressbüchern der Nutzer an. Der „Gefällt mir“-Button auf fremden Webangeboten verpetzt auch ohne Anklicken alle Besucher der Seite an Facebook. Mit Facebook wuchert eine Art zentrale „Gated Community“ im Netz, in der Menschen auf Schritt und Tritt beobachtet werden. Hier herrscht die Willkür eines Konzerns und der verdient mit systematischen Datenschutzverstößen Milliarden.

Hier gibt es die ausführliche Begründung mit weiterführenden Quellen. Facebook als Datenkrake zu bezeichnen, fällt leicht. Im Gegensatz zum freien Web habe ich gar keine Möglichkeit, dieses Angebot anonym zu nutzen. Logisch: Dann wäre ja auch Facebooks Geschäftsmodell kaputt. Es setzt darauf, dass man wiedererkannt wird. Das ist der Kern.

Natürlich kann man sich darüber streiten, ob man Mitglied bei Facebook sein muss. Man kann auch darüber diskutieren, wie wertvoll und schützenswert die von Facebook gesammelten Daten wirklich sind. Jeder kann zudem entscheiden, wann er Facebook wie nutzt. Bei mir werden sich private Dinge dort nicht finden. Für mich ist Facebook ein Unterhaltungsmedium und wenn es für die Macher interessant zu wissen ist, an welchen exakten Koordinaten ich meine kuriosen Fotos aufgenommen habe – bitte sehr. Viel Spaß damit. Und wenn Geheimdienste unbedingt wissen wollen, zu welchen meiner 600 „Facebook-Freunde“ ich tatsächlich Kontakt habe, können sie sich das gern anschauen. Ein realistisches Bild meiner Person und meines Lebens werden sie daraus nicht gewinnen.

Trotzdem muss ich sagen: Mir geht Facebook aus verschiedenen Gründen gehörig auf den Geist. Der sorglose Umgang mit meinen Daten gehört dazu. Eine Alternative wie Diaspora finde ich jederzeit unterstützenswert. Fragt sich nur, wie sich die dann am Ende finanzieren soll. Denn die Nutzer werden wohl kaum etwas bezahlen, um ihre Privatsphäre zu wahren...

Apple: „Geiselnahme der Kunden und darauf folgende Erpressung“

Ob iPad oder iPhone: Apple hat die Hand drauf, so weit es nur geht. Das bedeutet auch, dass das Unternehmen bestimmen kann, was mit den Daten der Nutzer geschieht.

Und hier die Begründung für Apple:

Ein weiterer Big Brother Award 2011 in der Kategorie „Kommunikation“ geht an die Apple GmbH in München für die Geiselnahme ihrer Kunden mittels teurer Hardware und die darauf folgende Erpressung, den firmeneigenen zweifelhaften Datenschutzbedingungen zuzustimmen. Wer sich für mehrere hundert Euro ein schickes neues iPhone gekauft hat, will es auch nutzen. Die Kunden haben quasi keine Wahl, den 117 iPhone-Display-Seiten mit Datenschutzbedingungen nicht zuzustimmen, denn sonst könnten sie ihr teures Gerät maximal zum Telefonieren nutzen. Insbesondere die Lokalisierungs- oder Standortdaten der Nutzer werden von App-Betreibern und Werbekunden gerne genutzt, um speziell zugeschnittene Werbung zu platzieren.

Auch hier gibt es eine ausführliche Begründung mit weiterführenden Quellen. Apple ist ebenso wie Facebook ein leichtes Opfer. Dass Apple sein System geschlossen hält und alles kontrollieren will, gehört zum Stammtisch-Grundwissen. Ob meine Daten tatsächlich besser geschützt sind, wenn ich die gleichen Apps auf einem anderen Smartphone-Betriebssystem benutze, sei mal dahingestellt.

Klar ist: Es wird in diesem Bereich nicht offen und ehrlich mit den Nutzern umgegangen. Immer wieder tauchen Apps auf, die ungefragt Daten erheben und speichern oder die viel mehr Daten abfragen, als sie eigentlich für ihre Funktion bräuchten. Anbieter von Apps sollten dazu verpflichtet sein, in einfachen und klar verständlichen Worten mitzuteilen, welche Daten die App wie und warum erhebt, wo sie gespeichert sind, ob sie weitergegeben werden etc.

Leider scheint hier keiner der Apple-Konkurrenten den Vorreiter machen zu wollen. Oder gibt es in irgendeinem der zahlreichen App-Store-Klone solche Hinweise? Werden die Apps gar unabhängig kontrolliert und bewertet? Mir ist das nicht bekannt.

Apple steht hier für mich stellvertretend für einen ganzen Industriezweig rund um Smartphones, Apps und das mobile Web. Apple treibt es dabei noch einmal auf die Spitze, weil sie beispielsweise offiziell nur den App Store für die Installation von Programmen zulassen. Nur ein „Jailbreak“ hilft, aus diesem goldenen, mit rosa Plüsch ausgeschlagenen Käfig zu entfliehen. Aber ich persönlich habe nicht den Eindruck, dass die Konkurrenz hier eine weiße Weste hätte.

Ob Sie wollen oder nicht... Selten wird mit Überwachung so erschlagend ehrlich umgegangen wie bei diesem Beispiel aus der Hamburger Hafencity.

Eure Meinung?

Wie seht Ihr die Wahl? Sind Facebook und Apple wirklich diese schlimmen Datenkraken oder hat man ihnen den Preis vor allem verliehen, weil sie so schön prominent und umstritten sind? Dem Stammtisch nach dem Munde zu reden, ist ja bekanntlich immer so angenehm einfach… Oder sind die beiden zu Recht am Pranger?

Weiterführende Quellen zum Thema:

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7 Reaktionen
dreckscheuder

nun, was facebook angeht, denke ich, das die schon eine ziemlich dreiste datenklauberei betreiben, hier gilt jedoch: die anmeldung erfolgt freiwillig und ebenso erfolgt das, was ich dort angebe freiwillig. wurde zuvor schon mehrfach gesagt.

was jedoch an unverschämtheit, dreistigkeit und frechheit nicht zu überbieten ist, ist die politik dieser faulen äpfel, die in der tat eine regelrechte geiselhaft des kunden praktizieren. ob dies bei anderen smartphone-anbietern ebenfalls der fall ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich mir blöderweise so ein mistding gekauft habe und jetzt quasi einer permanent-überwachung ausgesetzt bin.

herr orwell hätte seine helle freude an den dingern...
in diesem sinne!

Tobias

Schwierig, schwierig ...

Als Beispiel Twitter:
Dieses Unternehmen sagt von vornherein, dass alles öffentlich ist. Im Gegensatz dazu hat Facebook angeblich viele Datenschutz-Funktionen eingebaut, die aber nichts bringen. Facebook verkauft jedoch alle vollständigen Profile. Facebook will offenbar, dass viele Kunden, die entweder ihre AGB nicht durchgelesen haben oder sich nicht daran erinnern, viele private Details ausplaudern, weil die Kunden glauben, dass diese privaten Details nur die Freunde (oder aus technischen Gründen Facebook) lesen kann. Das ist von Facebook eigentlich Betrug.

Apple wiederum versucht sich auch nicht als Heiligen darzustellen. Es ist etwas wie Twitter und Google. Und bis jetzt ist mir nicht bekannt geworden, dass sie ihre Datensammlung von den Nutzern negativ für Nutzer verwendet worden wäre. Genauso ist bei Google glaube ich bis jetzt auch nichts wirklich Negatives aufgefallen (Ok, Einzelfälle gab es schon, aber sonst nichts Großes oder Generelles.). Und bei Apple weiß man ja, dass sie möglichst viel kontrollieren möchten.

Bei Facebook ist z.B. ein Problem, es laden erstaunlich Viele ihr Adressbuch zu Facebook hoch. Ein Einzelner denkt dann: Ok, im Adressbuch stehen sensitive oder schädliche Details über andere, aber über mich nicht, deshalb ist es mir egal, was aus diesen sensitiven Details wird.
Genau dasselbe denke andere Leute, die das Adressbuch hoch-laden.
=> In Facebook erscheinen dann viel mehr sensitive Details über einen selbst, obwohl man nicht in Facebook ist und sich raushält. Das ist das Schlimme an Facebook.
Stattdessen Apple und Google sind ungefähr gleich auf und machen bis jetzt nichts, was für die Nutzer dauerhaft schädlich ist.

Der gleiche Fall ist, wenn Nutzer Facebook benutzen: Dort reden sie vielleicht über andere schlecht, die noch nicht einmal in Facebook sind. Die/Den Nutzerin/Nutzer betrifft es ja selbst nicht. Aber der "schlecht gemachte" ist jetzt plötzlich in Facebook.

Das ist im Übrigens auch ein Problem im realen Leben: Es gibt viel zu viele Egoisten. Da entsteht sehr leicht sehr schnell Mobbing, ohne dass dies der Verursacher gewollt hatte.

Mike

Warum gehen nur immer alle wie selbstverständlich davon aus, dass es immer demokratische Regierungsformen geben wird?

H. Klein

Warum unternehmen unsere Staatsanwaltschaften nichts gegen dieses Piratentum?
" Ich denke, Geld regiert die Welt!"
Solange das Deutsche Regim daran partizipiert, wird es sich zurück halten!
ICh halte das für vorsätzlichen Betrug!

I Moeller

@Michael Schakulat
Aber man muss auch mal bedenken, dass weder Apple, noch Facebook oder Google Daten von mir bekommt, die ich nicht bewusst preisgebe

Leider Falsch,
mittels gefällt mir Button+Cookies und Co wird gespeichert wer welche Seiten besucht(auch ohne das ich bei FB angemeldet bin). Würde nicht behaupten dass ich das bewusst preisgebe.

Was das Speichern der Suchanfragen bei Google angeht so würde ich behaupten das kaum jemand überhaupt weiß das alle Suchanfragen plus IP monatelang gespeichert werden.

@Christoph Vollmann
Vorallem dachte ich immer, dass eine Geiselnahme eine unfreiwillige Angelegenheit ist. Wurde ich jetzt schon gezwungen ein iPhone zu kaufen?

Nein, aber wenn Du eins gekauft hast wirst Du gezwungen den Datenschutzbedingungen zuzustimmen andernfalls kannst Du dein Gerät nicht wirklich nutzen.Sicher, Geiselnahme ist sicher nicht das richtige Wort aber es ist definitiv kriminell.

Felix

Apple hat so ein Ding eigentlich nicht verdient.. jeder weiß wie es da steht.. bei Facebook ist es anders, weil da wissen es leider die meisten nicht, was dort für Daten rausgefischt werden.. oder einige wollens auch nciht glauben, weil sie technisch nicht so.. gebildet sind und deswegen hats Facebook verdient.. die Unwissenden einfach auszunutzen finde ich NICHT gut

onza

Die "Ehrung" geht schon in Ordnung, denn beide setzen nach dem, was allgemein so geschrieben wird, der Konkurrenz noch mal eins drauf. Trotzdem benutze ich beides...

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