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Gadgets & Lifestyle

Apples goldener Käfig: Wie der Konzern iOS-Nutzer an OS X kettet

Apple wartet auf neue Nutzer. (Bild: © Nailia Schwarz - Fotolia.com Montage: t3n)

Apple rückt iOS und OS X näher zusammen: optisch wie funktional. Vordergründig um das Nutzererlebnis zu verbessern. Hintergründig führt das den Nutzer tief in das Labyrinth des Apple-Ökosystems – in der Hoffnung, dass der es nie wieder verlässt.

Apples Transformation vom nischigen IT-Hersteller für Kreative und Nerds zum Mainstream ist längst vollzogen. Antriebsmotor für den gewaltigen Anschub des dahinsiechenden IT-Urgesteins waren anfänglich hauptsächlich iPod und iTunes: Steve Jobs’ erster großer Wurf, der iMac, brachte zwar den Glanz der Marke wieder zurück und schob Apple wieder weit in die Gewinnzone – der iPod brachte jedoch Millionen von Menschen zu Apple, die zuvor noch nie mit der Marke Apple in Berührung gekommen waren. Die Marke gewann an Strahlkraft und im Zuge des Revivals der Marke griffen auch mehr und mehr Nutzer zum Mac. An diesem Punkt der Entwicklung war das mehr oder weniger ein geplanter Nebeneffekt. Nach der gestrigen Präsentation auf der WWDC ist eines klar: Apple setzt nicht auf einen geplanten Nebeneffekt, sondern baut offensiv auf die Konvertierung der iOS-Only-Nutzer in Apple-Nutzer: mit einer goldenen Spur an Körnern versucht Apple, die iOS-only-Nutzer in den ebenso goldenen Käfig zu locken.

Apple WWDC 2014: iOS und OS X rücken immer näher. (Screenshot: Apple)

Apples Kundenpotenzial für 2014: 130 Millionen neue iPhone-Nutzer

Die veröffentlichte Zahl von 130 Millionen Nutzern, die im letzten Jahr erstmals über das iPhone zu Apple fanden, zeigt, welchen Kundenzuwachs das Smartphone ermöglicht. Im Vergleich dazu verkauft Apple nur zwischen 4 und 5 Millionen Macs im Quartal, also etwa 15-20 Millionen jährlich. Diese Zahlen unterstreichen die Vermutung, dass es  wesentlich anspruchsvoller ist, einen Kunden zu einem neuen Betriebssystem zu bewegen als zu einem neuen Smartphone. Der Umkehrschluss ist aber auch, dass Smartphone-Nutzer auch schneller wieder weg sind – aufgrund der größeren Bereitschaft zu wechseln. Es gilt also, die Smartphone-Nutzer zu halten und in das Apple-Ökosystem zu führen, um einen möglichst nachhaltigen Kundenzugewinn zu generieren. Wie will Apple das schaffen?

iOS hat Apple 130 Millionen neue Kunden in diesem Jahr gebracht, die noch keine Berührung mit Apple hatten. (Screenshot: Apple)

Apple: Anfixen mit dem iPhone, süchtig machen mit dem Mac

Endkunden, die in einem großen Elektromarkt oder im Fachhandel nach einem Tablet suchen, bekommen nicht selten die Frage nach dem Smartphone gestellt. Nicht unberechtigt, von wegen Synergieeffekte: Man hat einfach mehr von seinem Tablet, wenn es auf dem selben OS basiert wie das Smartphone. Diesen Vorteilsgewinn analog auf iOS und OS X zu übertragen ist die Hauptaufgabe von Apple, um iOS-only-Nutzer zu einem vollständig „eingefangenen“ iOS-Nutzer zu machen. Dazu ist es nötig, Nutzung von OS X immer schmackhafter gemacht wird. Und indem die beiden Systeme auch optisch angeglichen werden: Eine bekannte Oberfläche minimiert schließlich Berührungsängste.

„Ich fühle mich wohl in meinem goldenen Käfig.“

Diese Strategie funktioniert ab einem gewissen Punkt aus allen Richtungen und in alle Richtungen: Mein Einstieg in die Apple-Welt war vor einigen Jahren ein iPad. Das Tablet wurde einige Zeit noch parallel zu einem Android-Smartphone, damals ein Samsung Galaxy-S-i9000, betrieben. Das permanente Umdenken zwischen zwei Bedienungskonzepten und ein paar übergreifende Features wie die iCloud führten schließlich zu meinem ersten iPhone. Heute wird mein Haushalt bevölkert von Apple TV, einer Timecapsule, zwei Mac Book Pro, einem Mac Book Air, zwei iPads, einem iPhone und: einem Sony Ericsson Smartphone auf Android-Basis. Wie lange das wohl noch einsam die Stellung hält? Achso: Menschen leben da auch noch – in dem Haushalt. Na selber Schuld, was lässt du dich auch so „verappeln“ könnte jetzt die schallende Entgegnung lauten. Das Schlimme an der Angelegenheit: Ich fühle mich wohl in meinem goldenen Käfig. Die Zeiten der Konfiguration und des Herumprobierens sind vorbei. Das Plug-and-Play Versprechen von Windows hat Apple in seinem Ökosystem eingelöst. Und füttert mich dort mit einem hervorragenden Nutzererlebnis, auf dass ich zufrieden in meinem goldenen Käfig sitzen bleiben möge.

(Bild: © Nailia Schwarz - Fotolia.com Montage: t3n)
(Bild: © Nailia Schwarz - Fotolia.com Montage: t3n)

Apple iOS und OS X werden immer näher rücken

Ein weiteres goldenes Korn auf dem Weg in Richtung goldener Käfig.

Auch wenn einige altgediente Apple-Fans das nicht begrüßen werden, es wird so kommen: OS X wird iOS immer ähnlicher werden. Und beide Systeme werden immer tiefer verzahnt. Die Einführung des neuen Flat Designs und des Notifcation Centers in Yosemite und die starke Betonung des Faktors Kontinuität auf der WWDC belegen das bereits heute. Features wie Hand Off für das geräteübergreifende Bearbeiten von Dateien verzahnen iOS und OS X enger und unterstreichen, wieso der Nutzer lieber einen Mac mit iCloud Drive statt einen PC mit iCloud Drive nutzen sollte. Die sanfte Öffnung zu Windows, die schon mit der ersten Windows-iTunes-Version begann und jetzt in iCloud Drive für Windows mündet, erleichtert die Entscheidung für die „Einstiegsdroge“ iOS-Gerät, bietet aber nicht denselben Komfort, wie ihn der Mac bietet. Das ist also keine „Aufweichung“ der Strategie, sondern nur geschicktes Taktieren. Gerade soweit öffnen, dass eine potentielle Migration erleichtert wird, aber nicht soviel, dass die Gründe wegfallen, die für den Mac sprechen könnten.

Jedes Feature, das zu einer besseren und einfacheren Zusammenabeit zwischen iOS und Mac beiträgt, wie Hand Off, Instant Hotspot oder die übergreifende Spotlight-Suche, ist ein weiteres goldenes Korn auf dem Weg in Richtung goldener Käfig.

Ich bin dann mal beim restlichen Federvieh.

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19 Reaktionen
Tron

@irgendeinem Spinner

Natürlich können andere Programme auf die iTunes-Bibliothek zugreifen, wenn der Entwickler diese Schnittstelle in seinem Programm integriert hat. Ich habe locker 5 Programme auf dem Mac, die auf die iTunes-Bibliothek zugreifen können (davon 2 DJ-Programme). Das Exportieren von Fotos aus iPhoto ist ebenfalls ein Kinderspiel. Man kann ganz einfach ein oder mehrere Fotos gleichzeitig exportieren. Und zwar im Originalformat oder eben in ein anderes zu jedem beliebigen Ort.

Auch in iOS kann man einen Browser seiner Wahl verwenden. Ich benutze auf dem iPad z.B. Opera und Chrome. Es gibt aber noch einige mehr, die man aus dem AppStore installieren kann.

Wenn Du mit iPhoto nicht klar kommst, benutze doch einfach ein Foto-Verwaltungsprogramm Deiner Wahl. Niemand zwingt Dich unter Mac OS die von Apple mitgelieferten Programme zu benutzen. Du hast die freie Wahl. Dir gefällt z.B. das Apple Mail-Programm nicht? Installiere ein anderes usw.

———

Der Mac ist kein Käfig, ganz im Gegenteil. Ich habe die Freiheit jedes beliebige Programm, von jedem beliebigen Mac Entwickler zu installieren, aus jeder beliebiger Quelle. Ich kann ausserdem zusätzlich Linux und/oder Windows installieren.
Ich habe alle drei Betriebssysteme auf meinem Mac. Ich sehe den Mac eher als „Schweizer Taschenmesser“.

Niemand zwingt mich iPhoto oder sonstige Apple Programme zu benutzen. Auch hier habe ich die Wahl, es gibt jede Menge Alternativprogramme von Drittanbietern.
Und es werden immer mehr.

Die sonstigen „verschlossenen Käfigtüren“ über die Du in Mac OS so stolperst, würden mich auch noch interessieren. :o)

Natürlich ist auch bei Mac OS X nicht alles Gold was glänzt. Auch hier gibt es Baustellen und manchmal frage ich mich auch, was sich Apple bei dem ein oder anderen gedacht hat. Aber unterm Strich ist es ein solides Betriebssystem. Es macht Spaß mit einem Mac zu arbeiten. Es ist kein Käfig!

Meine größte Kritik war bisher, das iOS und Mac OS X nicht wirklich gut miteinander harmonierten. Das wird sich in Zukunft ändern. Hat auch lange genug gedauert. Apple ist auf einem guten Weg.

iOS ist im Gegensatz zu Mac OS in der Tat ein Käfig. Und ja, wenigstens ein goldener. ;o) Das hat Vorteile und einige Nachteile. In Zukunft wird auch iOS, zumindest ein kleinwenig, offener. Auch das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Letztendlich muss jeder für sich entscheiden, welches System von welchem Hersteller er benutzen möchte. Ich kenne einige Mac-User die ein Android Smartphone oder Android Tablett benutzen und mit beiden Welten sehr zufrieden sind. Jeder so wie er mag.

Schöne Pfingsten!

Antworten
irgendeinem Spinner

@para_neujahr

Zeige bitte wie man die iTunes-Bibliothek mit anderen Programmen nutzen kann, oder die Fotos aus iPhoto sauber exportieren kann. Oder auf iOS einen Browser meiner Wahl nutzen.

Das sind nur ein paar Beispiele. Klar hält sich Apple in einigen Bereichen an offene Standards für den Datenaustausch, aber leider nur da, wo sie nicht anders können (ohne Nutzer zu vergraulen). Vieles ist sehr restriktiv geregelt, vor allem für iOS.

Ich halte es da wie Andreas und lege viel Wert auf Freiheit, daher kommt für mich privat aktuell nur Debian in Frage. Auf der Arbeit nutze ich OS X, da stolper ich immer wieder über verschlossene Käfigtüren.

Antworten
Chris

Mir geht es sehr ähnlich wie dem Author dieses Textes.
Bin selber IT Spezialist und habe es eigentlich ganz gern, wenn ich bestimmte Dinge am PC noch selber entscheiden kann. Allerdings ist die Welt die einem Apple anbietet sehr reizvoll und einfach und deshalb funktioniert sie auch fast immer. Aber was zum Teufel denkt sich Apple dabei, wenn sie vom iPad aus den User nur mit dem passenden Drucker drucken lassen und keine Netzwerkdrucker unterstützen. AirPrint ist eine Geissel die ich nicht akzeptieren kann! Ich weiß auch von den Workarounds, aber genau das ist es, was Apple "Neukunden" eben nicht haben wollen.
Solange es solche Kuriositäten bei Apple gibt, kann ich Leuten, die mich fragen, Apple als Stand Alone Lösung einfach nicht empfehlen.

Antworten
para_neujahr

@Jochen

Danke Jochen, kein Problem mit dem was Du schreibst. Letztendlich weiss ich auch was Du sagen willst.
Grundsätzlich setzt aber doch jeder Hersteller, egal in welchem Bereich, darauf die Kunden an sich zu binden. Von daher empfinde ich immer die Betonung eines "Käfigs" als etwas das sich über das übliche Verhalten am Markt hinaus hervor tut. Und das kann ich bei Apple heute nicht mehr erkennen. In den 90er Jahren war das ganz anders. Da waren Macs und die Produkte von Apple sicherlich ein eigenes Universum und stellten einen "Käfig" dar. Nicht, aber auch gar nichts war da mit dem restlichen PC-Markt kompatibel. Diese wurde erst mit dem ersten iMac durchbrochen, der plötzlich auf einen (damals noch wenig in der PC-Branche verwendeten) Standard setzte, der als USB bekannt ist und von Intel kam.

Letztendlich sehe ich für mich in meinem Alltag (der zu 75% aus MacOS/iOS bestimmt ist) schon so etwas wie einen "goldenen Käfig", der aber nicht so wie Du es schreibst durch Apple und die Verzahnung ihrer Produkte erzeugt wird. Für mich ergibt sich dieser Käfig dadurch, dass es am Markt keine Alternative was Hardware+OS betrifft gibt, die mir auch nur annähernd die Möglichkeiten bietet, die ich mit MacOS/iOS habe. Ich arbeite nicht wie Du angemerkt hattest als "Coder", sondern im IT-Management, das von ein paar anderen Unternehmen kontrolliert wird. Von daher kenne ich die "wirklichen" goldenen Käfige, die zudem mit Brillanten besetzt sind und dem Kunden keinerlei Spielraum und Alternativen ermöglichen, nur zu gut.

Diese Art von Käfig kann ich bei Apple heute aber nicht erkennen, denn sie Stellen zu ihren Geräten/Produkten jeweils eine Reihe von "sorglos Lösungen" (kostenlos) zur Verfügung, lassen dem User aber auch die Möglichkeit in vielen Bereichen Alternativen zu nutzen. Sicherlich setzen sie hier auch Grenzen und lassen nicht alles zu. Das empfinde ich aber zu 99% als hilfreich. Viele fühlen sich aus ihrer Sicht des einfachen Users hier gegängelt. Sicherlich aus der Sicht zurecht. Nur versteht ein einfacher User eben nicht, was es bedeuten kann wenn z.B. eine App die Kontrolle über die Systemtastatur überlässt, sodass die App eigene Tastaturfunktionalitäten bereit stellt. Android hat hier in der Vergangenheit schon vielfach gezeigt, dass es Apps gibt, die dabei sämtliche Tastatureingaben mitschneiden und an nach Hause funken. Und so landen dann Usernamen, Passwörter, Kontodaten, PINs millionenfach in dunklen Kanälen. Das Problem ist dass dies der einfache Nutzer gar nicht mitbekommt. Von daher wird eine Beschränkung wie sie Apple vollzieht gerne als Käfig empfunden, weil auf der anderen Seite die "Regellosigkeit" eine Freiheit suggeriert. Aber auch hier versucht Apple den Entwicklern Wege zu bieten solche Funktionalität dem User zu geben. Von daher sehe ich schon eine grundsätzliche Offenheit, allerdings ohne dass sie ihre grundsätzliche Sicherheitsstruktur aufgeben.

Zurück zu "deinem" Käfig. Ich kann heute schon innerhalb von 10 min alle relevanten Daten (Photos, Termine, Kontakte) von einem iPhone auf eine 100% non-Apple-Struktur unter Windows übertragen. Von daher kann ich nicht erkennen, dass es ein Problem wäre wie du schreibst "Mal ein cooles Android-Handy schnappen, aufgrund einer toller Kamera" zu schnappen und somit die Plattform zu wechseln. Ein Wechsel dauert hier auch nicht länger und erfordert mehr Aufwand als ein Wechsel zu einem neuen iPhone. Er erfordert aber ein Wissen darum, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht. Aber auch hier hilft Apple einem User, im Unterschied zu MS bei denen mir nicht bekannt ist, dass sie einem erklären wie man unter Windows ein iPhone oder ein Android-Gerät mit dem Computer synchronisiert.

http://www.apple.com/de/icloud/setup/pc.html

Antworten
Andreas Zeller

Da musste ich doch auch mal schmunzeln, als ich diesesn Artikel las. "Ich fühle mich wohl in meinem goldenen Käfig". Mit Sätzen wie "Das ist der Anfang vom Ende!" um die Ecke zu kommen, wäre sicherlich ein wenig überzogen, aber dennoch würde es meiner (vielleicht etwas zu weitsichtigen Sicht) entsprechen.

Vorab: Ich denke, dass Apple (mal weg von iPod/Pad/Phone) großartige Hardware baut, habe selbst ein MBP im Haushalt, war oftmals dazu geneigt, mir einen iMac zu kaufen, bleibe aber an Debian kleben, weil ich meine Freiheiten einfach zu sehr liebe.

Wer sich mal GPG auf dem Mac einrichten wollte, weiß, was das für ein Eiertanz ist. Die Apple-eigenen Produkte sind voll-integriert, aber es ist so anstrengend, mit manch einem dieser Produkte zu arbeiten, wenn man sich einfach "frei" bewegen möchte.

iTunes ist ein gutes Beispiel dafür. Ich habe schon Diskussionen im Netz gelesen, ob iTunes auf einem Android-Telefon auch gut laufen würde. Warum sollte ich mich mit so einer Krücke bedienen und mich vom Transferformat an irgendeinen proprietären Mist ketten, wenn ich doch die Möglichkeit habe, direkt auf diese Daten zuzugreifen? Eine Bibliotheksverwaltung oben drauf zu bügeln ist nach wie vor möglich.

Aber hier widerspreche ich natürlich dem Verkaufskonzept für den iTunes-Store. Ich WILL ja als Apple, dass meine Nutzer dazu gezwungen sind, ihre Musik dort zu kaufen ("kaufen..." - bitte mal AGB zu Käufen im iTunes Store lesen), damit sich das alles fein integriert und hübsch ist.

Es ist schön, dass Apple sein eigenes, voll-integriertes Süppchen kocht. Ich finde auch, dass es für die gängigsten Bereiche völlig ausreicht. Aber mitgelieferte Software auf dem Mac ist meist recht feature-arm - was nichts schlechtes heißen muss. Oft ist einem nervige Konfiguration aus der Hand genommen, manchmal braucht man aber die Möglichkeiten, so etwas konfigurieren zu können.

Man muss das immer aus Nutzer-Blickwinkel sehen. Was möchte ich mit meinem Computer machen? Reicht mir ein ChromeBook? Brauche (!) ich den Mac? Ich würde es begrüßen, wenn Apple sich nicht mehr und mehr zu Microsoft entwickeln würde. Ich meide Windows seit den späten 90ern und vermisse dort nichts. Wenn mal für irgendetwas Windows gebraucht wird, gibt's die VM.

Lustigerweise kam ich noch nie in die Verlegenheit, den Mac zu "brauchen". Es ist nett, dass versucht wird, in einem mobilen Zeitalter die Nutzer zu den Workstations von Apple zu konvertieren.

Mich allerdings überzeugen sie nur, wenn mehr offene Standards genutzt werden, und gängige Apple-Software direkt mit einem "Expertenmodus" versehen wird, wo ich aus Safari einen Firefox machen kann, aus AppleMail einen Thunderbird und aus iTunes IRGENDWAS, das nicht iTunes ist :)

Ich bin kein Fanboy von irgendwas, ich bin nur der Feind jeglicher restriktiver Politik dieser Form. Ich bin froh, dass Leute mittlerweile etwas offener sind, was das Betriebssystem auf dem Rechner anbelangt und sich nicht nur auf Windows beschränken, weil sie schlichtweg nichts anderes kennen.

Verantwortlich dafür ist zu großen Teilen Apple, von daher will ich dieses Unternehmen gar nicht so verteufeln. Ich möchte nur nicht, dass in 20 Jahren Apple das neue Windows ist, und Menschen sich wieder und wieder an proprietären Müll binden und aus ihren Gewohnheiten nicht mehr heraus kommen.

Andreas

Antworten
Jochen G. Fuchs

@para_neujahr
Wir beide sind eigentlich nicht unterschiedlicher Meinung, wir sprechen nur von unterschiedlichen Dingen. Du von Standards und ich nicht. Ich spreche nur von der Unternehmens- und Produktstrategie aus einer eher marketing-lastigen Perspektive. ;-)

Nicht vergessen: Ich bin hier in der Redaktion als Wirtschaftsjournalist eher der E-Commerce-, Sales- und Marketing-Fuzzi, als der Coder.

Bei dem Jobs-Zitat vertraue ich mal darauf dass es vom autorisierten Biografen korrekt widergegeben wurde. Falsch kann das nicht sein. Es bezieht sich nur nicht auf Standards. (Den Kontext habe ich aber auch nicht hergestellt.)

Und um auf das Thema Standards einzugehen: Da hast du schon recht, aber offene Standards in einem geschlossenen System zu pflegen widerspricht sich ja nicht. Und für mich verlässt niemand das goldene Haus, sondern brüllt nur durch die offenen Türen und Fenster.

Aber vielleicht sollten wir jetzt wirklich das Metaphern-Karussell bremsen, bevor noch wer von seinem Karussell-Pferdchen kippt. ;-)

Antworten
para_neujahr

@Jochen
...ich muss dir nochmal widersprechen: Apple hat schon seit Ende der 90er für offene Standards gekämpft und z.B. im Bereich Video den Kampf gegen Microsoft erfolgreich gewonnen. Hätte MS hier obsiegt, hätten wir heute einen goldenen Käfig namens WMV (bzw. WMA bei Musik). Hier stimmt dein Jobs-zitat nicht, den Jobs hat sich seit seiner Rückkehr zu Apple massiv für die Verwendung (und Entwicklung) offener Standards eingesetzt. Ohne Apple hätten wir heute kein MPEG (in den verschiednen Formaten) oder html5 als die zentralen Standards in ihren Bereichen.

Ich gebe dir dahingehend Recht, dass Apple versucht seine User über kostenlose und für den einfachen User sehr gute Software in ihrem Universum zu halten. Trotzdem arbeiten sie dabei mit offenen Standards und haben in den meisten Fällen in ihren Programmen Schnittstellen für die Anbindung anderer Programme.

Und gerade in Bezug auf die von dir angesprochenen "neueren iOS-Entwicklungen", schau dir die Keynote vielleicht nochmal an. An allen Stellen, wo es um die iCloud-Funktionen ging, war auch immer ein Menü eingeblendet auf dem auch die eingebundenen Alternativen wie dropbox, skydrive u.ä. zu sehen war. Und auch schon heute habe ich in iOS zahlreiche mögliche Alternativen zu einzelnen Funktionen. Meine Photos müssen nicht in den iCloud-stream gehen, sondern können genauso sofort in die Dropbox geschoben werden.

https://www.dropbox.com/s/zd4nrdn1zrmrzwh/Screenshot%202014-06-03%2000.47.05.png

Es ist eben kein goldener Käfig, sondern ein goldenes Haus in dem Apple einen wohnen lässt. Man hat aber jederzeit die Möglichkeit je nach Zweck dieses Haus durch offene Türen und Fenster zu verlassen. Dieses allerdings innerhalb des durch das Prinzip der sandbox gegebenen Sicherheitskonzept. Natürlich möchte Apple dass man in "ihrem" goldenen Haus wohnt, denn so verdienen sie ihr Geld an der Hardware. Und mal ehrlich, wer will nicht lieber in einem goldenen Haus anstatt in dem verlausten Haus nebenan wohnen? ;)

Antworten
Jochen G. Fuchs

@ben
Hehe. Mit dem Wort Kommentar eiere ich hier auch schon rum. Denn jetzt kommentiere ich gerade deinen Kommentar zu meinem als Gattung „Kommentar“ erschienen Artikel. Was für ein Wortsalat. ;-)

Ansonsten: Hast du recht. In beiden Kommentaren. ;-)

Antworten
Jochen G. Fuchs

@Werner und Roland
Eigentlich muss ich jetzt gerade etwas schmunzeln. Ich will auch sofort verraten wieso:

Hier versuchen gerade von Apple überzeugte Nutzer (ich unterstelle das einfach mal aufgrund der Tonalität der Kommentare, bitte sonst widersprechen. ) einen Apple-Fanboy von den Vorteilen des goldenen Käfigs zu überzeugen. (Ein Blick auf meinen Beschreibungstext im Autorenprofil „enttarnt“ mich schnell: https://t3n.de/profile/JGFuchs).

Ich muss nicht überzeugt werden. Wie oben im Kommentar zu lesen ist, bin ich vollends glücklich in Apples Ökosystem, möchte es nicht verlassen und betone auch wörtlich dass daraus resultierende hervorragende Nutzererlebnis.

Mein Kommentar, also der Artikel beschreibt schlicht die Tatsache, dass Apple mit den neueren iOS-Entwicklungen Kunden zu OS X migrieren will und das ambivalente Verhältnis des Mac-Nutzers (sprich ich selbst) zum goldenen Käfig – denn obwohl ich mich sau wohl fühle in meinem goldenen Käfig, weiß ich dass ich in einem goldenen Käfig sitze. Mal ein cooles Android-Handy schnappen, aufgrund einer toller Kamera, ist halt nicht mehr drin. Zuviel Hassle.

Nur weil ich gerne im goldenen Käfig sitze, muss ich mir ja nicht in die Tasche lügen und den Käfig leugnen. Es ist nun mal ein geschlossenes System, das hat Vorteile aber eben auch Nachteile. Und ob ich das jetzt als geschlossenes System bezeichne oder bildhaft als goldenen Käfig - das halte ich persönlich für nebensächlich. Negativ konnotiert sind beide Begriffe. Aber das ist nur meine Meinung.

Was mein Kommentar definitiv nicht sagt: Apples goldener Käfig ist Mist und die Kundenbindung die Apple damit betreibt ist Mist. Das wirkt auf mich etwas aus dem Zusammenhang gerissen und berücksichtigt nicht die im Artikel ersichtlichen postiven Aspekte.

Sagt ihr jetzt: „Doch, genau das sagt der Kommentar.“ Dann bitte gerne mit dem Finger drauf zeigen, dann bessere ich nach. ;-)

Liebe Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Antworten
ben_

@Jochen: Also ne, nicht direkt. Als Autor des Artikels, ist ja schon jeder Kommentar auch irgendwie an Dich gerichtet, aber dieser nicht direkt, nee. Es ist halt mehr so … ein Kommentar, im eigentlichen Wortsinn. :D

Antworten
Ronald Hofmann

Ja und Herr Fuchs?
Ist Ihnen möglicherweise entgangen, das jede Firma, die irgendetwas produziert und erfolgreich sein will versucht mit ihren Produkten eine Kundenbindung herzustellen und den zufriedenen Kunden dazu zu bewegen auch andere Produkte des Unternehmens zu kaufen.

Das ist wie mit Ihren Kommentaren. Sie versuchen tolle Kommentare zu schreiben und den Leser zu veranlassen wieder zu kommen.

In diesem Falle leider nicht ganz gelungen.

Antworten
Werner

Hallo Jochen.
Bei jedem System gibt es gewisse Einschränkungen.
Ich will einfach in Ruhe meinen Job machen können, ohne mich um ein zickiges oder kryptische OS kümmern zu müssen und um drei Ecken denken/klicken zu müssen um etwas zu erreichen. Plug and Play, so wie du es beschrieben hast.

Dazu kommen angenehme Äußerlichkeiten bei OSX, IOS und Hardware, die aber für mein Wohlbefinden wichtig sind, schliesslich arbeite ich täglich damit.
Das als goldenen Käfig zu bezeichnen empfinde ich als Klischee. Mir fehlt nichts an Freiheit. 2o Jahre M$ habe ich hinter mir. Das reicht.

Antworten
Snuffy_

Einerseits stimmt es, dass Apple gewisse Möglichkeiten aussperrt, aber andererseits unterstützt Apple auch alle gängigen Standart usw. Ich merke aber, dass durch den Druck der Konkurrenz und durch den Tod von Steve Jobs Apple jedes Jahr etwas offener wird (Beispiel IOS 8).

Antworten
Jochen G. Fuchs

@ben
Der Kommentar ist jetzt wahrscheinlich nicht an mich gerichtet?

Antworten
Jochen G. Fuchs

@para_neujahr
Das verwundert mich jetzt ehrlich gesagt sehr, dass der Begriff „Goldener Käfig“ von dir moniert wird. Das ist für mich schlicht ein Synonym für Apples Strategie des geschlossenen Systems.

Aber vielleicht ist das ja ein Missverständnis, denn dein Kommentar liest sich für mich so, als hätte ich mit dem goldenen Käfig iCloud gemeint – was ja nicht zutreffend wäre.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Apple und eines der Dogmen, die Jobs zeitlebens propagierte ist die Kontrolle des Benutzererlebnisses. Und die erfordert ein geschlossenes System. Und Apple fährt als Produktstrategie nunmal ein geschlossenes Ökosystem.

Ich zitiere mal aus Jobs Biografie:

„Es war eine persönliche Philosophie, die mit Jobs’ Kontrollsucht einherging. Seiner Ansicht nach musste ein wirklich guter Computer Hard- und Software eng miteinander verzahnen. Wenn auf einem Rechner auch andere Software liefe, würde er einen Teil seiner Funktionstüchtigkeit verlieren. Die besten Produkte, so Jobs, seien abgeschlossene, durchgestaltete Systeme, deren Software maßgeschneidert auf die Hardware abgestimmt war und umgekehrt.“

Walther Isaacson, Steve Jobs: Die autorisierte Biografie, C. Bertelsmann Verlag, München 2011.

An dieser Einstellung hat sich nicht viel geändert.

Das man aus einem geschlossenen System nach außen kommunizieren kann, macht aus einem geschlossenen System doch noch lange kein offenes System?

Liebe Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Antworten
ben_

Ich muss ja sagen, dass ich überrascht bin, dass es bisher so gewesen sein soll, dass man als iOS-User NICHT hin zu Macintosh-Rechnern getrieben wird. Seit ich Apple kenne und mit einem Mac arbeite und das mache, was man in der Freizeit mit Computer macht, hatte ich nie den Hauch eines Zweifels, dass Apple die Strategie des goldenen Käfigs fährt. Schon das aller grundlegendste Grundkonzept von Appel, Hardware und Software nur aus einer Hand zu verkaufen ist doch schon ein goldener Über-Käfig.

Den Windows-Rechner-Nutzern-und-iPhone-Besitzern mag das seltsam vorkommen, aber wer mehr als ein paar Tage an einem Mac gearbeitet hat, weiß, und sei es nur unbewußt, dass er sich in einem goldenen Käfig befindet. Und das ist ja gar nicht sofort negativ gemeint. Den Macintosh halte ich derzeit GENAU DESWEGEN für konkurenzlos als Arbeitsplattform.

Und … da ist Apple ja auch wahrlich nicht alleine. Das ist etablierte Konzerstrategie. Zur Vertiefung empfehle ich Jaron Laniers "Global Local Flip", bei The Edge:
http://edge.org/conversation/the-local-global-flip

Antworten
para_neujahr

So ganz richtig ist der Artikel/Kommentar allerdings nicht. Auch wenn er ein oft gern wiederholtes Image trägt.

Im iOS und MacOS sind alles andere als ein "Käfig", denn alle gängigen Standards funktionieren einwandfrei und gerade offen Standards sind ein Kern beider Systeme.

Sicherlich ist die iCloud mit den immer mehr werdenden Diensten ein zentrales Element in beiden Systemen. Wer darin einen Käfig sieht, der unterschlägt, dass es auch für Windows eine Software von Apple gibt, die die iCloud-dienste unterstützt. Sicherlich nicht in der gesamten Breite, wohl aber in den zentralen Diensten bei Photos, bookmark und emails/Kontakte/Kalender.

Zudem wurde für iOS 8 ja deutlich gezeigt, dass alle vergleichbaren Produkte zur iCloud, in dem kommenden iOS so ansprechbar sein können, dass sie eine gleichwertige Alternative zur iCloud sein können.

Antworten
Jochen G. Fuchs

@Lakusko
Die Metapher fand ich eigentlich recht eingängig und verständlich. Aber ich kann mich ja auch täuschen. ;-)

Gemeint ist:
Vogelkäfig, Federvieh – pickt Körner und landet dabei im Käfig. Wie Eingangs ja etwas ausführlicher beschrieben. Goldene Körner passend zum goldenen Käfig.

Liebe Grüße aus der Redaktion,
Jochen

Antworten
laskuso

"Ein weiteres goldenes Korn auf dem Weg in Richtung goldener Käfig."

Aus der Reihe: Wenn Metaphern keinen Sinn ergeben.

Antworten

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