Kommentar

Apple Pay und Co.: Warum mobiles Bezahlen in Deutschland vieles ändern könnte

Einfach im Vorbeigehen bezahlen: Mobile Payment setzt sich durch (Bild: Redpixel.pl / Shutterstock)

Mit Google und Apple sind zwei große Player für kontaktloses Bezahlen via Smartphone auf dem deutschen Markt. Insbesondere Apple Pay könnte der Durchbruch für Mobile Payment sein. Warum Deutschland hier wiederum einen Sonderweg gehen könnte.

Es ist praktisch und geht nachweislich schneller als Barzahlung („Warten Sie, ich hab’s passend …“) und es ist den Deutschen weniger suspekt als die klassische Kreditkarte: Kontaktloses Bezahlen könnte zu einer nachhaltigen Veränderung im Zahlungsverhalten der Deutschen führen – dahin, dass auch und gerade kleinere Beträge wie selbstverständlich nicht mehr bar gezahlt werden. Auch wenn Deutschland wohl nie so entspannt fast ohne Bargeld auskommen wird wie beispielsweise Schweden, könnte sich in Deutschland in den nächsten Jahren einiges im Bezahlverhalten verändern. Der IT-Branchenverband Bitkom erwartet insbesondere durch das Hinzukommen von Apple Pay einen Schub für mobiles Bezahlen in Deutschland: „Nach Google Pay sind mit dem Start von Apple Pay seit heute in Deutschland zwei internationale Player für das mobile Bezahlen auch im deutschen Markt aktiv“, sagt Julian Grigo, Bereichsleiter Digital Banking & Financial Services beim Digitalverband Bitkom. „Daneben gibt es auch bei Sparkassen und Banken eigene Initiativen. Und auch Startups und der Handel arbeiten an eigenen Lösungen.“ Er sieht gute Chancen dafür, dass sich mobiles Bezahlen in Deutschland durchsetzen kann.

Apple Pay funktioniert bereits mit zwei von drei Kassen-Terminals

Die Chancen stehen gut: Bis 2020 will die Wirtschaft nur noch NFC-fähige Terminals in den Geschäften anbieten und bereits heute sind zwei von drei Geräten in der Lage, kontaktlose Zahlungen zu verarbeiten. Der Kreis derjenigen, die über eine Girocard mit NFC-Funktion verfügen, hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 13 auf 29 Prozent mehr als verdoppelt – ohne Berücksichtigung der Befragten, die zwar eine solche Karte besitzen, dies aber gar nicht wissen und sie folglich auch nicht benutzen. Was zu erwarten war: Der Anteil der Befürworter von Mobile Payment ist insbesondere in den jungen Zielgruppen hoch – die Zahlen der Initiative Deutsche Zahlungssysteme, wonach auch Senioren auf NFC-Payment stehen, sind hier mit etwas Vorsicht zu genießen.

Dabei könnte Deutschland hier mal wieder einen Sonderweg gehen: Denn während die Bundesbürger im Vergleich zu anderen Gesellschaften echte Kreditkartenverweigerer sind, sieht das bei kontaktlosen Mobil-Bezahl-Verfahren anders aus. Die Chancen stehen gut, dass die Zahl derer, die ihre Kredit- oder Debit-Karte an das Terminal halten, bald kleiner ist als die Zahl der Nutzer von NFC-fähigen Smartphones, die einfach im Vorbeigehen zahlen. Insbesondere der Schritt Googles, mit Hilfe der mehr als 20 Millionen deutschen Paypal-Nutzer quasi an den Banken vorbei Google Pay mit Hilfe einer virtuellen Mastercard anzubieten, könnte sich auszahlen – auch wenn vielen Kunden die Existenz der Kreditkarte, deren Nummer sie ja nicht einmal kennen, gar nicht bewusst ist. Denn je mehr solche Verfahren Verbreitung finden, umso selbstverständlicher werden sie in Zukunft genutzt werden.

Bei Apple Pay sieht das Ganze etwas anders aus: Hier benötigen die Kunden zwar (noch) eine Kreditkarte, aber diese kommt dann einfach in physischer Form nicht zum Einsatz. Es könnte also sein, dass die Beliebtheit der Plastikkarte, die man in anderen Industrieländern sieht, sich bei den Deutschen nie finden wird, obwohl diese dann sehr wohl Kreditkarten verwenden.

Kontaktloses Bezahlen muss als zuverlässig und sicher bekannt sein

Wichtig ist dabei nicht nur, dass das Bezahlen per Kontaktlos-Verfahren zuverlässig funktioniert, sondern dass man insbesondere weniger digitalaffinen Nutzern auch die Sicherheitsbedenken nimmt – diese bestehen immerhin bei 61 Prozent der vom Bitkom befragten Deutschen. Immerhin drei von zehn Nutzern gaben an, das sei ihnen zu kompliziert. Ein Einwand, der sich dagegen relativ leicht zerstreuen lässt, sobald sämtliche Kassierer begriffen haben, dass es sich beim NFC-Smartphone um nichts anderes handelt als um einen (anders verbauten) NFC-Chip, wie ihn die Kunden seit Jahren auf den Kredit- und Girokarten einsetzen.

Dabei könnte auch den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, die abseits von Google Pay und Apple Pay ihr eigenes kontaktloses Süppchen kochen, die Popularität mobilen Bezahlens zugute kommen. Denn gerade jene Kunden, die mit der Girocard statt einer Kreditkarte arbeiten wollen, hat gerade Apple Pay nichts Passendes anzubieten. Doch die Banken wären froh, wäre das ihre einzige Baustelle: Sie werden gerade im kommenden Jahr durch die Umsetzung der PSD2-Verordnung noch einiges zu erledigen haben. Wenn sie dann ohnehin gerade beim Relaunch entsprechender Dienste sind, bietet sich die Implementierung mobiler Payment Services geradezu an.

Für Händler lohnen sich bargeldlose Bezahlverfahren gleich in zweierlei Hinsicht. Denn zum einen hat eine Nielsen-Studie nachgewiesen, dass Kunden mehr Geld ausgeben, wenn sie nicht mit Bargeld hantieren müssen. Zum anderen ist eine solche Strategie ein guter Weg, Warteschlangen zu verkürzen, weil man nicht umständlich mit Wechselgeld hantiert. Die Gegner bargeldlosen Bezahlens wird das alles nicht überzeugen: Sie werden gerade in Deutschland vehement weiter für vermeintlich mehr Privatsphäre kämpfen. Es wird sich aber zeigen, wie lange Datensparsamkeit vor Convenience geht. Einen Trost haben Kritiker aber: Es ist unwahrscheinlich, dass wir in den nächsten Jahrzehnten schwedische Verhältnisse schaffen, in denen Bargeld nur ungern oder gar nicht angenommen wird.

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