Analyse

Apple Pays NFC-Sticker-Konzept wird eine Alternative zu Amazon Go

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Apple Pay als Amazon-Go-Alternative?

Dass die Bezahlung und die Übermittlung der Kundendaten in einem Schritt erfolgt und damit jede Registrierung und jeden Login überflüssig macht, ist schon das überzeugende Alleinstellungsmerkmal der Web-Zahlung mit Apple Pay. Jetzt hat Apple diesen USP auch in die Offline-Welt bewegt.

Abhängig von der Umsetzung beim Einzelhändler können mit diesem Verfahren Self-Service-Konzepte umgesetzt werden, die an Amazon Go erinnern. Ein Vorteil gegenüber der Implementierung der Amazon-Go-Technologie für den Einzelhändler besteht auch darin, dass das Verfahren gut in Ladengeschäften installiert werden kann und neben einer normalen Kasse für Barzahler bequem koexistiert. Die Aufkleber können einfach zusätzlich am Regal angebracht werden und die Kasse bleibt bestehen.

Wenn Apple Pay in einem normalen Laden eingesetzt wird, der Waren zur direkten Mitnahme verkauft, gibt es noch eine Schwierigkeit: Händler werden sicherstellen wollen, dass der Kunde nur bezahlte Waren mit nach Hause nimmt. Bei Bonobos ist das nicht der Fall – das Warensicherungsproblem ist damit erledigt. Für solche Ansätze ist Apple Pay prädestiniert. Letztlich sind das aber prozesstechnische Probleme, die auch vom Händler gelöst werden könnten. Mögliche Ansätze wären beispielsweise eine Warenausgabe in einer fertig gepackten Tüte oder ein Artikelabgleich des Apple-Pay-Warenkorbs mit den Artikeln im physischen Warenkorb beim Passieren von RFID-Schleusen am Ausgang.

Sollte die Erweiterung des Apple-Pay-Systems auch Schreibrechte für NFC-Sticker besitzen, wäre eventuell auch ein kombiniertes Bezahl-Warensicherungssystem denkbar, bei dem das iPhone die Warensicherung durch Apple Pay außer Kraft setzen kann, sobald bezahlt wurde. In dem Fall müssten die Sticker allerdings als Sicherung direkt an der Ware und nicht am Regal angebracht werden.

Wird der Apple-Pay-Sticker auch mit Google Pay oder anderen funktionieren?

Einzelhändler werden nicht einzig auf Apple Pay setzen können. Damit sich ein solches System auf einem Massenmarkt etabliert, müssten auch Kunden mit Android-Smartphones ein solches Offline-Bezahlverfahren unterstützen. Technisch ist das für Google kein Problem, die Frage ist dann lediglich, ob die Daten auf den Stickern auch von Android-Geräten genutzt werden könnten.

Theoretisch liest das iPhone Daten NDEF-Format aus, die auch von anderen NFC-fähigen Smartphones ausgelesen werden können. Es müsste also umsetzbar sein – falls Apple in den aus dem Tag ausgelesenen Daten direkt auf das Apple-Pay-Checkout verlinken sollte, müssten Händler eine Art Brücke mit einer eigenen Checkout-URL und einer Erkennung des Betriebssystems einbauen. Und so entweder auf Apple Pay oder auf Google Pay umleiten. Schlimmstenfalls wären sonst mehrere NFC-Sticker am Regal angebracht, einer für Apple Pay und einer für Google Pay.

Klar ist: Amazon Go ist immer noch einen Schritt „magischer“, denn der Kunde muss bei Amazon keine NFC-Sticker scannen. Mit deutlich geringeren Hardwarekosten als bei Amazon Go und seinen Nachahmern könnte der Handel so ein schnelles und einfaches Self-Checkout-System bekommen, das große Chancen auf einen Durchbruch im Massenmarkt hat. Ein entscheidender Faktor könnten Dienstleister sein, die sich früh darum bemühen müssten, Pakete aus iOS- und Android-kompatibler Technologie und den dazugehörigen Einzelhandelsprozessen zu schnüren.

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