Analyse

Apple versus Qualcomm: Das steckt hinter der öffentlichen Schlammschlacht

Chiphersteller Qualcomm hat seine Prognosen für das laufende Quartal gekappt. Grund dafür sei ein Lizenzstreit mit Apple. Doch was steckt hinter der öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht?

Mobilfunkchip-Patente im Visier: Apple verklagte Qualcomm

Der US-Chiphersteller Qualcomm steht seit Monaten wegen seiner Patentpraktiken im Visier internationaler Regulierungsbehörden. Im Januar hatte mit Apple der erste große Kunde des Konzerns Qualcomm direkt verklagt. Der iPhone-Hersteller setzt – wie viele andere Smartphoneproduzenten auch – Qualcomm-Funkchips in seinen Geräten ein.

Qualcomm-Chips: Lizenzzahlungen im Visier von Kartellbehörden und Apple. (Bild: Qualcomm)

Apples Vorwurf: Qualcomm habe Apple zustehende Rabattzahlungen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar zurückgehalten, weil Apple die südkoreanischen Behörden bei Ermittlungen gegen Qualcomm unterstützt habe. Zuvor hatte die US-Handelskommission (FTC) Klage gegen eine Vereinbarung zwischen Apple und Qualcomm eingereicht, laut der Apple exklusiv auf Qualcomm-Chips setzen sollte und dafür Ermäßigungen für die Lizenzzahlungen erhielt.

Eine direkte Lizenzvereinbarung zwischen Apple und Qualcomm existiert allerdings bisher nicht, die Verträge laufen zwischen den Auftragsfertigern, die neben iPhones auch Geräte für andere Handykonzerne herstellen. Apple will genau eine solche direkte Vereinbarung und findet die Preise, die Qualcomm für die Nutzung seiner Chippatente verlangt, zu hoch.

iPhone 7 Plus und iPhone 7: So bereitet Apple sich auf die Zukunft vor
Apples iPhone ist Gold wert. (Bild: Apple)

1 von 15

Qualcomm habe ein Monopol für Mobilfunkchips errichtet und Mitbewerber benachteiligt, kritisiert die FTC. Aus dem gleichen Grund hatte schon die südkoreanische Kartellbehörde Qualcomm zu einer Strafe in der Höhe von 890 Millionen US-Dollar verdonnert. Auch Behörden in der EU und Taiwan haben Ermittlungen gegen den Chiphersteller aufgenommen.

Nach Apple-Angriff: Qualcomm reduziert Prognose

Der Streit zwischen Apple und Qualcomm ist seitdem zunehmend eskaliert, die Schlammschlacht der beiden Tech-Schwergewichte wird in aller Öffentlichkeit ausgetragen. Nächster Akt in dem Konfliktdrama zwischen Qualcomm und Apple: Der Chiphersteller musste am Freitag seine erst in der vergangenen Woche aufgestellte Umsatzprognose für das laufende dritte Geschäftsquartal deutlich senken.

Als Grund gab der Konzern an, dass Apple Zahlungen an Auftragsfertiger zurückhalte, die eigentlich als Lizenzzahlungen für Qualcomm gedacht seien. Statt bisher erwarteter 5,3 bis 6,1 Milliarden US-Dollar Umsatz rechnet Qualcomm jetzt nur noch mit 4,8 bis 5,6 Milliarden US-Dollar. Die Gewinnerwartungen wurden auf 52 bis 62 US-Cent reduziert. Zuvor war das Unternehmen von 67 bis 92 US-Cent Gewinn ausgegangen.

Betroffen vom Zahlungsstopp seien Partner, die im vergangenen Quartal Lizenzverträge mit Qualcomm eingegangen sind, teilte der Chiphersteller mit. Apple wolle die Leistungen solange nicht begleichen, bis die Streitigkeiten zwischen den beiden Konzernen beigelegt seien.

Apple: „Qualcomms Forderungen sind unangemessen“

Apple habe seit mehr als fünf Jahren vergeblich versucht, eine entsprechende Lizenzvereinbarung mit Qualcomm zu erreichen. Aber Qualcomm habe sich geweigert, über faire Bedingungen zu verhandeln, heißt es von Apple in einem über US-Medien verbreiteten Statement. Und weiter: „Wie wir schon zuvor gesagt haben, Qualcomms Forderungen sind unangemessen, und sie haben höhere Preise aufgrund unserer Innovation, nicht ihrer, verlangt.“

Qualcomm-Anwalt Don Rosenberg widerspricht: Die Verträge, die Apple jetzt als inakzeptabel bezeichne, seien seit zehn Jahren unverändert. Das Störfeuer, das Apple gegen die Vereinbarungen von Qualcomm mit anderen Unternehmen richte, sei Teil der weltweiten Attacken auf Qualcomm.

Qualcomm-Chips stecken schon seit 2007 in Apples iPhones. (Foto: Apple)

Analystin Stacy Rasgon von Sanford C. Bernstein ergänzt, dass mit Apple Qualcomms größter Kunde den „totalen Krieg“ erklärt habe. Und weiter im Kriegsvokabular: Eine baldige Lösung werde es kaum geben, denn beide Parteien hätten sich in ihren Positionen verschanzt, zitiert die US-Nachrichtenagentur Bloomberg die Branchenbeobachterin.

Tech-Konzerne im Clinch: Keine Lösung in Sicht

Wie könnte eine Lösung aussehen? Wenn beide Parteien auf ihren extremen Standpunkten bestehen, wird wohl alles auf eine langwierige Auseinandersetzung vor Gericht hinauslaufen. Dort dürfte dann auch geklärt werden, inwieweit es sich bei den ausgehandelten Verträgen zwischen Qualcomm und den Handyherstellern und Auftragsfertigern tatsächlich um ein Monopol handelt, wie von Apple kritisiert.

Apple dürfte sich nur mit geringeren Lizenzzahlungen zufriedengeben. Neben der angeblich von Qualcomm zurückgehaltenen Milliarde US-Dollar an Rabatten will Apple zudem mehrere Milliarden von Qualcomm zurückbekommen, die der iPhone-Hersteller seiner Ansicht nach in den vergangenen Jahren zuviel gezahlt habe. Daran ist abzulesen, um welche Summen es in dem Streit geht.

Qualcomm wiederum ist natürlich daran interessiert, künftig keine deutlichen Einbußen bei seinem Geschäft mit den Mobilfunkchips und entsprechenden Lizenzzahlungen hinnehmen zu müssen. Der Chiphersteller steckt so viel wie kaum ein anderes Tech-Unternehmen in die Weiterentwicklung seiner Chips, was einer der Hauptgründe dafür sein dürfte, dass der Konzern führend auf dem Mobilfunksektor ist. Inwieweit andere Faktoren mitverantwortlich für die erreichte Vormachtstellung sind, muss wohl tatsächlich ein Gericht klären.

Mehr zum Thema:

Zur Startseite
Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung