Interview

Apple, Tesla und Wirecard: Sind die Tech-Aktien wirklich ihre Rekordpreise wert?

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Wetten auf fallende Börsenkurse sind für jedes Unternehmen schlecht. Das bedeutet, jemand sagt: „Ihr Unternehmen ist überbewertet.“ Sie stellen dann auf der Roadshow ein tolles neues Konzept vor. Aber auf der anderen Seite wettet jemand Milliarden dagegen. Dann haben sie Schlagzeilen wie: „Großer Hedgefonds wettet gegen Konzept der Lufthansa!“. Dann ist es schwieriger, neue Deals und Kredite zu bekommen oder neue Aktien auszugeben. Es wird teurer, an Geld heranzukommen. Andere würden allerdings sagen, Shortseller sind insgesamt gut. Weil die unterschiedlichen Ansichten zum Preis dann besser ausgedrückt werden können.

t3n.de: Wenn Märkte effizient sind, würde es also keinen Sinn ergeben, einzelne Aktien zu kaufen und zu hoffen, dass sie steigen. Alle realen Chancen wären ja eh schon eingepreist.

Viele Privatanleger machen Fehler. Die Aussage „Märkte sind effizient“ ist ungefähr so richtig, wie die Aussage „Die Erde ist eine Kugel“. Das stimmt im Groben, auch wenn das Himalaja-Gebirge etwas heraussticht. Selbst wenn man Anomalien auf dem Aktienmarkt entdeckt, heißt das nicht, dass man davon profitieren kann. Wie gesagt, shortselling geht nicht immer.

t3n.de: Also, Aktien sind einfach so viel wert, wie sie eben am Markt gerade wert sind?

Das ist unsere beste Schätzung. Es gibt Unsicherheiten. Aber eben keine systematische Verzerrung, nichts wird systematisch unter- oder überbewertet. Wenn sie wüssten, Tesla wäre überbewertet, würde das Geld für Hedgefonds-Manager auf der Straße liegen. Wenn da Geld liegen würde, würden sie es aufheben. Und das ist ja nicht der Fall. Wahrscheinlich hat der Markt dann doch recht.

t3n.de: Bei vielen Aktienkursen wie Apple denke ich heute: „War ja klar. Hätte ich mal kaufen sollen.“ Aber das ist dann wohl Quatsch.

In der Wissenschaft wird das „Hindsight bias“ (Rückschaufehler) genannt. Das ist als „I knew it all along“-Effekt definiert („Ich wusste es die ganze Zeit“-Effekt). Nachdem ein unwahrscheinliches Ereignis eingetreten ist, denkt man, dass es die ganze Zeit klar war. Aber das war es eben nicht. Sie arbeiten mit Informationen, die sie damals nicht hatten. Und man schätzt auch die Wahrscheinlichkeiten falsch ein. Der zweite Fehler, den Privatanleger machen, ist, hektisch hin und her kaufen. Im Durchschnitt gilt: Je mehr man handelt, desto geringer die Rendite. Also am besten lang halten. Und breit streuen. Wer auf eine Aktie setzt und nachher sagt, er wusste es, hatte einfach nur Glück. Übrigens: Leute reden mehr über ihre Gewinne als ihre Verluste. Gut möglich, dass der frühe Apple-Käufer noch andere Aktien hatte, über die er jetzt nicht spricht. Also: so breit wie möglich streuen und genau so lassen. Das sagen Finanzinvestoren und auch Warren Buffet. Nicht auf Einzeltitel zu wetten.

t3n.de: Den großen Gewinn mache ich damit aber nicht.

Zu den besten gehören wirst sdz damit nie. Aber du wirst auch nicht zu denen gehören, die ganz unten sind. Übrigens: Reine Rendite ist wenig aussagekräftig. Es geht immer um das Verhältnis Rendite zu Risiko. Die, die es nach oben geschafft haben, waren ex ante sehr riskante Aktien. Einzelne Aktien sind ein unnötiges Risiko. Wenn es nach oben oder unten geht, hat man entweder Glück gehabt oder es hängt mit dem Gesamtmarkt zusammen. Aber man sollte nicht davon ausgehen, dass es persönliches Können war.

t3n.de: Also statt Bitcoin einfach alle Krypto-Währungen kaufen? Oder es lieber gleich lassen, es sei denn, man arbeitet in der Szene und hat Insiderwissen?

Nur weil man in der Szene arbeitet, heißt es nicht, dass man mehr weiß. Leute neigen dazu, Aktien aus der eigenen Branche zu kaufen, und sind damit in der Regel genauso schlecht wie Aktien aus anderen Branchen. Und Krypto ist wirklich schwierig. Zu Aktien hat man 100 bis 200 Jahre Daten. Bei Krypto hingegen ist es gut möglich, dass es substanzlos ist.

t3n.de: Danke für das Gespräch.

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Ein Kommentar
Norbert Heinze
Norbert Heinze

Ich denke diese Sichtweise, dass die Unternehmen an er Börse korrekt bewertet werden, ist ziemlich naiv.
Sie würde dann stimmen, wenn alle Marktteilnehmer versuchen würden den Wert des Unternehmens richtig einzuschätzen.
Dies ist aber nicht korrekt. Die Markteilnehmer wollen einen guten Gewinn erzielen.
D.h. auch wenn ein Unternehmen schon überbewertet ist, aber die Kurse noch steigen, macht es Sinn die Aktien zu kaufen, wenn man in der Lage ist, schnell zu verkaufen, wenn die Stimmung kippt.
Dies trifft natürlich auf professionielle Händler zu, die ständig aktionsbereit am Rechner sitzen und gut über die Stimmung und Gerüchte informiert sind.
Der Feierabendanleger reagiert natürlich zu spät und bezahlt die Zeche.

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