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Apples Wandel zum Entertainment-Streaming-Dienstleister: Ein Service, sie alle zu knechten – oder anzutreiben?

(Foto: dpa)

Apples jüngste Ankündigung der Apple Services ist der Beginn einer neuen Ära für den Tech-Giganten. Sie beschreibt den Übergang von einer Consumer-Tech-Hardware-Firma zu einem umfassenden Streaming-Dienstleister für Unterhaltung.

Bei seiner letzten Ankündigung gab das Tech-Unternehmen bekannt, dass es seine eigene Saat in genau den Industrien ausbringt, die es durch die Ausbreitung der Smartphones geschaffen hat: ein geschickter Schachzug. Apple soll 1,4 Milliarden aktive Geräte weltweit zu verzeichnen haben, wovon 900 Millionen iPhones sind. Der Boom der mobilen Apps folgte auf die rasante Verbreitung von Smartphones auf der ganzen Welt und 2018 war ein weiteres rekordverdächtiges Jahr. Die Rede ist von 194 Milliarden App-Downloads, erstaunliche 101 Milliarden US-Dollar wurden global von Verbraucher für mobile Anwendungen ausgegeben und der durchschnittliche Nutzer verbringt nun bis zu drei Stunden täglich mit den Apps.

Zahlungsbereitschaft für In-App-Streaming enorm

Mobile Anwendungen sind so dicht mit unserem täglichen Leben verwoben, dass die jährlichen Top-Apps-Charts wie ein zeitgeistiger stroboskopischer Zylinder sehr zutreffend aufzeigen, wie sich die Gewohnheiten der Verbraucher verändert haben. Wenn man die neuesten Trends betrachtet, wird klar, dass Apple mit seinem letzten Schritt in die Abo-Industrie strategisch vorgeht. Leihe-es-dir-jetzt ist die neue Kaufe-es-dir-jetzt-Generation, die die 112 Milliarden schwere Wirtschaft mit Apps vorantreibt. Obwohl dieses Vorgehen für Apple sinnvoll sein dürfte, bleibt die Frage, welchen Einfluss der Schritt des Tech-Koloss auf andere Branchen haben wird. Wird das Bündeln von Nachrichtendiensten Marken verwässern oder Verlegern eine Rettungsleine vor dem Untergang des Prints und dem rasanten Wachstum der Adblocker online bieten? Wenn mobile Spiele schon durch Abonnements finanziert werden, ergibt dann ein Gaming-Streaming-Dienst für Verleger Sinn? Wird Apple unter den Rahmenbedingungen der zunehmenden Fragmentierung des Video-Streaming erfolgreich sein in seinem Versuch, Nutzer zurück auf eine einzige Plattform zu ziehen und kann es mit den schon existierenden Giganten auf diesem Gebiet konkurrieren?

Apple Arcade als Antwort auf beliebte Gaming-Abos – kann das funktionieren?

Spiele-Apps, die auf einem Abo-Modell basieren, bieten individuell mit jedem Monat mehr Wert, indem neue Inhalte und Herausforderungen hinzugefügt werden – in anderen Worten, Anreize um weiterzuzahlen. Apple Arcade hingegen bietet komplett neue Spiele jeden Monat. Es klingt nach einer kleinen Veränderung und einem guten Angebot für Gamer, aber die Herausforderung hier liegt darin, wie Verleger sich etablieren können. Die Mehrheit des Umsatzes in der Gaming-Branche (mehr als 95 Prozent) wird durch In-App-Käufe gemacht. Spieler können ein Spiel umsonst herunterladen und spielen, aber zahlen innerhalb des Spiels, um zusätzliche Bonus-Levels, neue Waffen, Hinweise und Co. zu bekommen, die ihnen helfen, im Spiel voranzukommen. Mit so vielen Gratis-Spielen, die jeden Monat zum Download zur Verfügung stehen, wird Apple einen großen Anreiz setzen müssen, um Leute auf seine eigene, gebührenpflichtige Plattform zu lenken. Auf gewisse Art und Weise hängt der Erfolg von Apple Arcade ebenso wie bei Apple TV+ vom Wert seiner Inhalte ab. Nachdem Spiele von Lego schon auf der Plattform vorhanden sind, wird Apple riesige Marketing-Kampagnen durchführen müssen, um Leute auf der Basis des Rufs von individuellen Spielen ködern zu können (genau wie Apple TV+ sich auf den Ruf seiner selbstproduzierten Shows und großen Namen stützen muss).

Wodurch wurde Apples Schritt in die Fintech-Branche hervorgerufen?

Die Apple Card bietet mehr potenzielle Interchange-Einnahmen als andere Apple-Pay-Transaktionen. Apple lernt von den Top-Fintech-Apps, aber will die Fintech-Landschaft nicht aufrütteln. Stattdessen nimmt es für sich eine weitere Beteiligung an dem Dienstleistungsmarkt in Anspruch. Globale Downloads von Finanz-Apps knackten im Jahr 2018 die 3,7-Milliarden-Dollar-Marke, ein Wachstum um 90 Prozent im Vergleich zu 2016. Der durchschnittliche Nutzer aus Großbritannien überprüfte 2018 seinen Kontostand per Smartphone dabei beinahe täglich, was eine Steigerung um 25 Prozent im Vergleich zu 2016 ausmacht. Apple übernahm die besten Anwendungsbeispiele und Funktionen von den besten mobilen Banking-Apps und versuchte, seinen eigenen, einzigartigen Anspruch klar zu machen.

Kein leichter Markt: Wie kann Apple TV+ überzeugen?

Der Erfolg von Apple TV+ wird von der Mund-zu-Mund-Propaganda und dem Prestige, das durch Award-Shows generiert wird, abhängen. Was Streaming betrifft, ist die Kehrseite die Sättigung des Marktes. Wie überzeugt man Menschen, die schon drei Abos bei drei Video-Streaming-Dienstleistern abgeschlossen haben, davon noch ein viertes abzuschließen? Durch Apples Investition in die großen Namen Hollywoods zeigte das Unternehmen, dass ihm sehr wohl klar ist, dass es mit Inhalten und dem Dialog, der durch besagte Investitionen entsteht, überzeugen muss und nimmt sich ein Beispiel an den Konkurrenten Netflix (das aktuell die Spitzenposition in der Kategorie der umsatzstärksten Apps weltweit einnimmt), Hulu und Amazon. Darüber hinaus funktioniert Video-Streaming hervorragend auf mobilen Geräten und wächst weiterhin stark. Tatsächlich werden zehn Minuten von jeder Stunde, die mit dem Konsum von Medien jedweder Form verbracht wird – sei es im Internet oder Fernsehen –, im Jahr 2019 durch Video-Streaming von mobilen Geräten kommen. Sich fest in dieser Branche zu etablieren, ist extrem wichtig für Apple.

Fazit: Der wahre Gewinner ist der Kunde

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die zunehmende Fragmentierung von Streaming-Diensten kumuliert und einen Wendepunkt erreicht, an dem wir quasi zurück an den Ursprung mit einer Plattform, die eine Vielzahl von Content-Produzenten hostet, geht. Interessanterweise scheint die Video-Streaming-Industrie sich selbst durch die derzeit greifenden Entwicklungstendenzen in Richtung des Wendepunkts zu treiben. Apple-TV-Channels ist der einzige Ort, an dem aller Inhalt aus den verschiedenen Abo-Diensten friedlich nebeneinander existieren kann. Vielleicht wird Apple seinen Investitions-Rausch mit dem Aufkaufen eines anderen Streaming-Dienstes und/oder dessen Inhalten krönen.

Klar ist, dass der wahre Gewinner – in echter Apple-Manier – der Kunde ist. Wir werden nicht nur mehr originale Inhalte und neue Spiele sehen, sondern mehr Wettbewerb und Innovation, die zwangsläufig zu mehr Wahlmöglichkeiten für Endverbraucher führt.

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