Fundstück

Gründer trauert um Sohn: „Umarmt eure Kinder. Arbeitet nicht so lang.“

Das Leben besteht aus mehr als Arbeit. (Foto: Shutterstock)

Ein Gründer verliert seinen Sohn. Auf Linkedin erzählt der Trauernde, wie das seinen Blick auf die eigenen Karriere verändert hat – und was er bereut. Ein Fundstück, das zum Nachdenken anregt.

Arbeit ist nicht alles – so etwas sagt sich immer leicht dahin. Trotzdem gibt es ständig Situationen, in denen wir den Job über alles stellen. Und dann passieren manchmal Dinge, die Menschen abrupt aus ihrem beruflichen Alltag reißen und die eigene Karriere plötzlich unwichtig erscheinen lassen. So geschah es auch J.R. Storment, einem Gründer aus den USA. Seine Zwillinge wuchsen mit dem Unternehmen auf. Bis einer der Söhne starb. Auf Linkedin erzählt der trauernde Vater jetzt von seinem Verlust und bereut, nicht mehr Zeit mit seinem Sohn verbracht zu haben. Eine Tragödie, wie sie manche Eltern schon erlebt haben.

„Umarmt eure Kinder. Arbeitet nicht so lang.“

Trauernder Vater J.R. Storment schreibt: „Es ist später als ihr denkt.“ (Screenshot: Linkedin)

In seinem Beitrag, der noch immer tagtäglich zahlreiche Menschen bewegt, ruft er dazu auf, nicht dem Job, sondern vielmehr der Familie mehr Zeit zu widmen. Seine Söhne kamen im selben Monat zur Welt, in dem er sein Unternehmen gegründet habe. Und nur drei Monate, nachdem er dann den Exit wagte, starb auch sein Kind. Als er den Anruf von seiner Frau erhielt, so der Trauernde, saß er gerade in einer Konferenz, in der er noch verriet, dass er sich während der Gründerjahre nie mehr als eine Woche am Stück aus dem Startup herauszogen habe. Einen längeren Urlaub habe er sich niemals gönnen können beziehungsweise wollen.

„Verabredet ihr regelmäßig Termine mit euren Kindern?“

Sein Sohn sah in dem Vater ein Vorbild. Nicht nur, dass er später einmal heiraten wollte. Auch wollte er Unternehmer werden, wenn er alt genug ist. „An einem Tag war es ein Smoothie-Laden, am nächsten eine Galerie, dann ein VR-Headset-Unternehmen“, heißt es in dem Beitrag. Wie J.R. Storment schreibt, sei einer der schwierigen Momente des vergangenen Monats gewesen, die Sterbeurkunde des Kindes zu unterzeichnen. Bei „Familienstand“ hieß es: „Nicht verheiratet“. Bei „Beruf“: „Nie gearbeitet“. Jetzt bereue er so viel – vor allem aber, dass er seinem Sohn nicht die Zeit schenkte, die er verdient habe.

„Viele haben mich gefragt, wie sie helfen können“, schreibt der US-Amerikaner. „Umarmt eure Kinder. Arbeitet nicht so lang. Ich nehme an, in euren Kalendern stehen Vieraugengespräche mit vielen Menschen, mit denen ihr zusammenarbeitet. Aber verabredet ihr auch regelmäßig Termine mit euren Kindern?“ Seine Worte lesen sich eindringlich. Viele Menschen nehmen sie zudem zum Anlass über ihre eigenen Prioritäten nachzudenken. So schreibt eine berufstätige Mutter, dass sie oft nur so durch das Leben renne und gelegentlich daran erinnert werden müsse, sich auch ihren Lieben mehr zu widmen.

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4 Kommentare
Sebos
Sebos

Kann man nur unterschreiben. Zeit ist das einzige Gut, dass wir uns nicht einfach wieder beschaffen können. „Das kostet NUR etwas Zeit, sonst nix“ ist eine fatale Aussage. Ich hab deshalb die Reißleine gezogen und gehe nächstes Jahr für 8 Monate in Elternzeit, bevor ich den Job wechsle. Ich kann das jedem nur empfehlen. Das letzte Hemd hat keine Taschen, scheiß auf 500 Euro mehr im Jahr.

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Gerhard
Gerhard

Lesen. Nachdenken. Handeln. Es gibt nichts wichtigeres als die Familie: Partner, Kinder, Eltern, Geschwister, … und Freunde.

Sehr nachdenklich gemacht hat mich „I’m guessing you have 1:1 meetings on the books with a lot of people you work with. Do you have them regularly scheduled with your kids?“.

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Namehiereinfügen
Namehiereinfügen

Ich will ja nicht zynisch klingen und ich unterstreiche dass zwischenmenschliche Kontakte immer an erster Stelle stehen müssen….aber wenn man das als mündiger erwachsener Mensch erst lernt, wenn jemand stirbt, dann ist das wirklich bitter. Ich wette er ist derjenige, der vorher anderen Menschen das Leben schwer gemacht hat, wenn sie sich auf die Familie konzentrieren „mussten“ („saß er gerade in einer Konferenz, in der er noch verriet, dass er sich während der Gründerjahre nie mehr als eine Woche am Stück aus dem Startup herauszogen habe“) Das beweist ja auch eine unglaubliche Ignoranz gegenüber der eigenen Ehefrau und den Kindern…die man noch als (vielleicht unter Druck setztendes) Beispiel für andere in einer Konferenz hervorheben muss….
Allerdings bemerkenswert, dass man es dann doch noch bemerkt, besser spät als nie…aber um den toten Sohn tut es mir sehr leid (der durfte seinen Sinneswandel nicht erleben).

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Torsten
Torsten

Was nehmen Sie sich hier heraus? Frechheit!

Doch reichlich zynisch! Und traurig, dass wir das auf dem Rücken der Leidenden diskutieren müssen:

Zeigen Sie mir einen Partner oder Investor, dem nicht die Haare zu Berge stehen, wenn ein Mitarbeiter oder „sogar“ der Gründer ihm offen seine Priorität für die Familie erklärt!! Es ist offensichtlich, dass hier nur auf den Vater zu zeigen, zu kurz greift. Ich finde es allerdings normal, dass in den ersten Jahren der Großteil der Mühe in das berufliche Projekt fließt. Das hat nichts mit Ignoranz gegenüber der Ehefrau zu tun. Eher mit von jeher übernommener Denkweise und der Angst vor dem Scheitern!

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