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Kommentar

ARD/ZDF-Studie: Warum der Begriff „online“ inzwischen Unsinn ist

Dank Smartphone sind wir immer online. (Foto: Shutterstock/Imyanis)

Die aktuelle ARD/ZDF-Onlinestudie 2018 versucht, die Welt in online und offline aufzuteilen. Diese Trennung hat sich im Smartphone-Zeitalter längst überlebt und zeigt ein altertümliches Verständnis vom Internet.

Was waren das für Zeiten: Quietschende Modem-Geräusche und niemand konnte telefonieren – wir saßen vor dicken Röhrenmonitoren, warteten geduldig auf den Seitenaufbau unseres Browsers und waren in diesem Moment ganz und gar: online. Das Internet hatte unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, jede Minute wurde abgerechnet. Das waren die Zeiten, in denen die Begriffe online und offline noch Sinn ergaben.

Seit 1997 versuchen ARD und ZDF, mit der damaligen Definition des Onlineseins die Zeit der Menschen in Deutschland in einer jährlichen, repräsentativen Studie in online und offline aufzuteilen – so auch wieder in der am Mittwoch veröffentlichten ARD/ZDF-Onlinestudie 2018.

ARD/ZDF-Onlinestudie 2018: 47 Minuten länger online

Und natürlich stellt sie auch 2018 eine rasant steigende Nutzung des Internets fest: Deutlich gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer um 47 Minuten auf drei Stunden und 16 Minuten. Die Jüngeren unter 30 Jahren sind der Untersuchung zufolge im Schnitt knapp sechs Stunden am Tag online (5:53 Stunden). Die Älteren ab 70 Jahre nutzen im Mittel das Internet weniger als eine Stunde.

Doch die Aufteilung der Zeit in online und offline passt in die heutige Always-on-Welt der Smartphones so wenig wie noch nie. Wenn ich beispielsweise morgens den Deutschlandfunk über die Smartphone-App höre, bin ich dann „online“, obwohl ich auf keinen Bildschirm schaue? Wäre ich offline, wenn ich exakt dasselbe Programm über einen UKW-Radio-Empfänger in meinem Handy hören würde? Höre ich Podcasts oder Musik über einen Streaming-Dienst, gilt das als Online-Zeit – heruntergeladene Songs dagegen sind offline? Und was ist mit Songs und Filmen, die ich in Streaming-Apps wie Spotify und Netflix heruntergeladen habe und offline nutzen kann?

Der Begriff online gehört in die Mottenkiste

Kauft jemand einen Film auf Blu-Ray und schaut ihn, ist er offline. Gilt das Streamen eines Films über Netflix oder Amazon Prime als Online-Nutzung? Und wenn ja, warum soll das alles einen Unterschied machen? IP ist heute einfach eine verbreitete Übertragungstechnik für Inhalte. Wir verbringen wie vor dem Internet unsere Zeit vor Bildschirmen, mit Musik hören, Filme schauen und Kommunikation – schriftlich wie mündlich. Unser Smartphone ist immer online und jederzeit empfangsbereit für die nächste Whatsapp-Nachricht, die viele binnen Sekunden lesen, wenn wir den Ping vom Handy bekommen.

Es ist daher Zeit, sich vom Begriff „online“ zu trennen. Er gehört in dieselbe Mottenkiste wie die nostalgischen Gefühle, die ein Modem-Geräusch in manchen von uns auslöst. Zur aktuellen, soziologisch sauber fassbaren Kategorie eignet sich der Begriff nicht.

Zum Weiterlesen: Die wichtigsten Erkenntnisse aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2018

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7 Reaktionen
Peter Brülls

Offensichtlich besteht zwischen. Beiden Arten Musik zu hören ein Unterschied: wer streamt, ist online. Lässt den Anbieterinhalter genau wissen, welche Musik er nun hört. Das gilt natürlich auch für gecachte Inhalte von Netflix und co.

Offline wird es erst, wenn die Daten auf dem dem Gerät bleiben. Also wenn man DRM-freies Material auf dem Gerät hat und es in Programmen nutzt, die das nicht irgendwo hinsenden.

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Andreas Rautenberg

Na, dann gehört mein frisch upgedateter Thunderbird auch in die Mottenkiste!
Der bietet mir nämlich nach wie vor "offline arbeiten" an.

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...äh, nein.
zupfst du das kabel oder deaktivierst du die leitung, bist du offline. macht das ein virus oder höhere gewalt für dich, ebenso.
ich würde, wenn sie schon nach neuen modebegriffen suchen, eher zwischen aktiv passiv unterscheiden.
die meisten sind passiv. sie liefern außer ihren socialmediamüll nichts, und meistens auch nichts bereicherndes für das netz im allgemeinen.
das sind konsumenten, und ja, die sind immer "online".
....wollen, wie sie ja sagen, keine noch so unsinnige wa-msg verpassen.
es geht aber tatsächlich auch offline, einfach mal aus dem büro raus in die natur, eine runde wandern, smartphone abschalten und ihr " beitrag" hier ist widerlegt.
würde ihnen sicher auch mal gut tun.
MfG

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nk

So viele Fragen! Ich habe auch eine: Wenn Euch das so brennend interessiert, warum tut Ihrs nicht mal wie Journalisten und fragt bei ARD-ZDF nach, statt hier nur rumzuranten und auf dem Problem rumzureiten?

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Chris

Schätze, weil's so wichtig dann auch wieder nicht ist.

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Phillip

Kann ich nicht ganz nachvollziehen. In der oben verlinkten Pressemitteilung stehen die Antworten auf die Fragen schon teilweise drin.
"Konstant 14 Prozent hören Radioprogramme live über das im Internet, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 20 Prozent. Die On-demand-Nutzung von Radiosendungen und Audio-Podcasts liegt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres: 4 bzw. 3 Prozent der Menschen nutzen diese Angebote mindestens einmal pro Woche."
On-Demand-Nutzung bedeutet in dem Kontext download. Damit wäre diese Frage also schon beantwortet ;)

Allgemein betrachtet ist es doch einfach nur eine Analyse wie ihr und jeder anderen Seitenbetreiber mit kommerziellen Gedanken auch tut. In Google Analytics interessiert es mich auch WIE meine Inhalte konsumiert werden. Auf dem Tablet? Den Desktop? Dem Smartphone? Wie oft werden meine Download buttons geklickt? Wie oft werden meine Inhalte live abgerufen. Genau das fragt sich die ARD/ZDF und dabei ist es schon sinnvoll zwischen offline und online zu trennen. Es gibt seit einer Weile den Trend (ja, Trend, es ist also aktuell), seine Online-Inhalte auch offline bereitzustellen (durch technische Maßnahmen).

Also nein, die Online-Offline Differenzierung gehört NICHT in die Mottenkiste ;)

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Jenson Schmidt

Danke, ihr habt den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen! Das Mindset ist bei den öffentlich rechtlichen Sendern genau so antiquiert wie in der Politik!

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