Anzeige
Anzeige
News

Ariane 6 kurz vor dem Start: Warum die Rakete für Europa so wichtig ist

Nach Jahren der Verzögerung geht die Ariane 6 endlich an den Start. Der Hersteller spricht vom ultimativen Testflug, die Esa hofft auf ein gutes Gelingen und von einem Experten gibt es schon jetzt Kritik.

Quelle: dpa
3 Min.
Artikel merken
Anzeige
Anzeige
Bei dieser Ausgabe der Ariane 6 handelt es sich noch um ein Modell. Die echte Rakete soll bald abheben. (Foto: Picture Alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Zehn Jahre musste Europa auf sie warten. Nun soll die neue Trägerrakete Ariane 6 endlich in den Weltraum fliegen. Für Europa geht es dabei um nichts Geringeres als einen eigenen Zugang zum All – zumindest für Satelliten. Wenn die Ariane 6 am kommenden Dienstag ihren Jungfernflug absolviert, lässt der Kontinent die schwere Krise seines Trägerraketensektors hinter sich. Das zumindest ist das Versprechen der neuen Rakete, die kommerziell längst nicht mit allen Konkurrenten mithalten kann.

Anzeige
Anzeige

Ariane soll Europa wettbewerbsfähiger machen

Ziemlich genau vor einem Jahr hob die Ariane 5, die Vorgängerin der Ariane 6, ein letztes Mal ins All ab. Seitdem konnte Europa keinen einzigen Satelliten allein in den Weltraum befördern. Denn nach dem fehlgeschlagenen kommerziellen Start der Vega C Ende 2022 ist auch die für kleinere Satelliten konzipierte Rakete am Boden geblieben. Die Sojus-Rakete stand infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ebenfalls nicht mehr zur Verfügung. Die Europäische Raumfahrtbehörde (Esa) stützte sich teilweise auf die US-Firma SpaceX von Elon Musk.

Entsprechend wichtig ist nun ein erfolgreicher Erstflug der neuen Ariane, der am europäischen Weltraumbahnhof in Kourou in Französisch-Guayana startet. Vom Raketenbauer Ariane Group heißt es zwar, in gewisser Weise sei der erste Flug der ultimative Testflug. Doch der Raumtransport­direktor der Esa, Toni Tolker-Nielsen, ist überzeugt: „Es wurde alles getan, damit es ein Erfolg wird. Wenn es scheitert, wäre das wirklich schlimm.“

Anzeige
Anzeige

Für Esa-Chef Josef Aschbacher markiert die Ariane 6 eine neue Ära der autonomen und vielseitigen Raumfahrt. Die Rakete ist deutlich günstiger als ihre Vorgängerin und soll Europas Raumfahrt wettbewerbsfähiger machen. Sie kann Satelliten in verschiedene Orbits ausliefern und so auch Konstellationen in den Weltraum bringen. Die Rakete kann mit zwei oder vier Boostern ausgestattet werden und Satelliten mit bis zu 11,5 Tonnen Gewicht transportieren.

Gut ein Dutzend Länder waren am Bau der Ariane 6 beteiligt, die 56 Meter hoch und 540 Tonnen schwer ist. Die Oberstufe der Rakete wurde im Bremer Werk des Raumfahrtkonzerns Ariane Group montiert. Die Hauptstufe wird im französischen Ort Les Mureaux gebaut.

Anzeige
Anzeige

Fracht aus Deutschland beim Erstflug

Während Frankreich unter den Esa-Ländern den Mammutanteil an der Finanzierung der Ariane 6 trug, war Deutschland mit rund 20 Prozent unter den Ländern der zweitwichtigste Geldgeber. Und auch bei dem knapp dreistündigen Erstflug sind technische Passagiere aus Deutschland an Bord: unter anderem die Raumkapsel Nyx Bikini von The Exploration Company sowie die Satelliten OOV-Cube von Rapid Cubes und Curium One von Planetary Transportation Systems.

Doch wie modern ist die 2014 beschlossene Ariane 6 eigentlich, die ursprünglich bereits 2020 hätte starten sollen? Esa-Chef Aschbacher zufolge entspricht sie den aktuellen Herausforderungen und ist an die zukünftigen Ambitionen anpassbar. Fragt man hingegen den Raumfahrtexperten Martin Tajmar von der TU Dresden, ob die europäische Rakete auf der Höhe der Zeit ist, antwortet er: „Das kann man vergessen.“ Er verweist auf ein Produkt von SpaceX: „2015 ist das erste Mal die Falcon‑9-Rakete erfolgreich wieder gelandet und hat quasi das Zeitalter der wiederverwendbaren Raumfahrt begründet, wo natürlich alle anderen jetzt dann komplett alt ausschauen.“ Doch die langwierigen Entscheidungsprozesse bei der Esa könne man auch nicht mit der Arbeitsweise von SpaceX vergleichen.

Anzeige
Anzeige

Das Wichtigste an der Ariane 6 sei, dass sie den Zugang zum Weltall wiederherstelle, der ja auch einer der Uraufträge der europäischen Raumfahrt sei, meint Tajmar. Außerdem gehe es darum, eine Alternative anzubieten, auch wenn diese nicht die günstigste sei. „Es ist wirklich ein schwieriges Umfeld, in dem man sich da befindet.“ Selbst die Mitgliedsstaaten der Europäischen Agentur für meteorologische Satelliten (Eumetsat) entschieden sich noch wenige Tage vor dem Erstflug der Ariane 6, den Wettersatelliten Meteosat MTG-S1 nicht an Bord einer Ariane 6, sondern mit einer Falcon 9 ins All zu bringen.

Auch wenn die Ariane 6 dem Raumfahrtexperten zufolge vor allem für den europäischen Eigenbedarf gedacht ist, sind bereits Aufträge mit der neuen Rakete vermerkt, auch für den Internetriesen Amazon. Der erste kommerzielle Flug mit einer Ariane 6 soll noch vor Jahresende geschehen. „Wie wir mitspielen, ist wieder was anderes, aber wir können mitspielen und wir sind ein Partner. Das muss uns etwas wert sein“, sagte Tajmar.

16 atemberaubende Bilder der Erde aus dem Weltall

16 atemberaubende Bilder der Erde aus dem Weltall Quelle: NASA

Fast fertig!

Bitte klicke auf den Link in der Bestätigungsmail, um deine Anmeldung abzuschließen.

Du willst noch weitere Infos zum Newsletter? Jetzt mehr erfahren

Anzeige
Anzeige
Kommentare

Community-Richtlinien

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!
Hallo und herzlich willkommen bei t3n!

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team von mehr als 75 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Schon jetzt und im Namen der gesamten t3n-Crew: vielen Dank für deine Unterstützung! 🙌

Deine t3n-Crew

Anleitung zur Deaktivierung
Artikel merken

Bitte melde dich an, um diesen Artikel in deiner persönlichen Merkliste auf t3n zu speichern.

Jetzt registrieren und merken

Du hast schon einen t3n-Account? Hier anmelden

oder
Auf Mastodon teilen

Gib die URL deiner Mastodon-Instanz ein, um den Artikel zu teilen.

Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Kommentar abgeben

Melde dich an, um Kommentare schreiben und mit anderen Leser:innen und unseren Autor:innen diskutieren zu können.

Anmelden und kommentieren

Du hast noch keinen t3n-Account? Hier registrieren

Anzeige
Anzeige