Interview

Atomico-Partner Siraj Khaliq: „Kreativ sein können auch Maschinen“

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Atomico-Partner Khaliq: „Das ist so, als müsste ich mein Lieblingskind benennen“

Wollen wir wirklich ein Bild im Wohnzimmer hängen haben, das von einer Maschine gemalt wurde? Oder ein Buch lesen, das ein Algorithmus erstellt hat?

Das ist eine andere Frage. Vielleicht wird diese Art der Kunst nicht sonderlich beliebt sein. Vielleicht wollen wir keine Bücher von Maschinen lesen, weil wir uns darin nicht wiederfinden, weil wir es nicht authentisch finden. Aber es gibt keinen Grund, warum Computer nicht auch kreativ sein könnten.

Eine berühmte Studie aus Oxford besagt, dass in den kommenden 25 Jahren jeder zweite Job mit Maschinen ersetzt wird. Einige Experten erwarten, dass das wirklich passieren wird. Andere glauben, dass die Maschinen uns dazu bringen werden, andere Jobs zu erledigen. Auf welcher Seite stehst du? 

Ich kenne die Studie und habe mit den Wissenschaftler gesprochen, die sie publiziert haben. Und sie finden, dass die Arbeit weitestgehend falsch wiedergegeben wurde. Die Erkenntnisse sind tatsächlich etwas differenzierter: Es gibt ein Potenzial, dass einige dieser Jobs wegfallen und durch Maschinen ersetzt werden, aber es steht nicht fest, dass so viele Jobs wegfallen.

Ich kenne die Kritik an der Studie. Aber die Frage, die die Untersuchung aufwirft, ist ja durchaus relevant: Werden uns Maschinen ersetzen oder werden sie uns helfen, unseren Job besser zu machen?

Meiner Meinung nach ist der Wegfall von Arbeitsplätzen nichts, was Menschen nicht in den Griff bekommen könnten. Gucken wir nur mal zurück an die frühen Tage des Telefons. Da gab es diese Räume voll von Telefonisten, die nichts anderes gemacht haben, als Drähte aus der Wand zu nehmen und in eine andere Leitung zu stecken. Das ist kein Beruf mehr, das geht mittlerweile einfacher. Aber die Leute haben trotzdem andere Arbeitsplätze gefunden.

Das macht es nicht einfacher. Wenn wir davon ausgehen, dass eine Menge Jobs wegfallen, müssen wir diese Leute in anderen Berufen unterbringen.

Versteh mich nicht falsch, ich will nicht abgestumpft klingen. Es ist nicht einfach, wenn eine große Anzahl an Jobs wegfällt. Die Gesellschaft muss das Problem am Kopf packen und sich überlegen, wie sie Leute umschulen kann – und was passiert, wenn es nicht möglich ist, jemanden umzuschulen. Gibt es dann eine Entschädigung? Ein Grundeinkommen?

Was wäre deine Präferenz?

Ich weiß es nicht. Nur eins ist klar: Nein zu Technologie zu sagen, ist nicht die Antwort. Wir müssen die Möglichkeiten ausnutzen und uns gleichzeitig der gesellschaftlichen Probleme bewusst sein, die dadurch entstehen. Nur so kommen wir voran.

Wenn man über künstliche Intelligenz redet, geht es schnell auch um Singularität, also den Punkt, an dem sich künstliche Intelligenz so rasant verbessert, dass die Zukunft nicht mehr vorhersehbar ist. Wann werden wir diesen Punkt erreichen?

„Singularität ist nette Science-Fiction.“

Das ist schwer vorherzusagen. Die Frage ist auch: Wenn wir diesen Punkt erreichen, wird es überhaupt so sein, wie wir es erwartet haben oder wie es jemand vorhergesagt hat? Können wir wirklich nicht mehr reagieren, nichts mehr umkehren? Ich glaube, dass das nette Science-Fiction ist. In der Realität müssen wir vielleicht darüber nachdenken, aber es ist noch lange hin, bevor sich die Singularität zu einem echten Problem entpuppt.

Dein Fokus bei Atomico liegt auf künstlicher Intelligenz. Wenn du ein Startup aus eurem Portfolio nennen solltest, das auf einem besonders guten Weg ist, welches wäre das?

Das ist ja so, als müsste ich mein Lieblingskind benennen. (lacht) Das ist nicht einfach. Ein KI-Unternehmen, das wir unter unserem Dach haben, ist Scandit aus der Schweiz. Das Startup nutzt maschinelles Sehen, um Strichcodes zu verstehen. Bisher gehen die Mitarbeiter von Logistikzentren ja umher und scannen die Boxen manuell. Scandit will es möglich machen, mit einem Scanner gleichzeitig Tausende von Strichcodes zu erfassen.

Was bringt das?

Der Lagerarbeiter muss nicht mehr nach einem bestimmten Paket suchen. Er hält den Scanner vor einer Wand mit Kartons hoch und sieht dadurch sehr genau, wo die Box mit Schuhen steht, die er gerade sucht. Das ist ein Riesenvorteil. Gleichzeitig zeigt das auch wieder, was ich schon vorhin sagte: Technologie kann uns in vielen Bereichen sehr helfen.

Siraj, danke für das Gespräch. 

 

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