Kolumne

Apple, Google und Co vs. NSA – Warum die Aktion der IT-Konzerne richtungsweisend ist [Kolumne]

US-Unternehmen fordern Reform der Internetüberwachung.

IT-Unternehmen wie Microsoft, Google und Co haben einen offenen Brief veröffentlicht, der eine Reform der Internetüberwachung fordert. Kritiker verhöhnen die Aktion. Doch: Sie ist ein wichtiges Zeichen – ohne die Wirtschaft sind wir kaum in der Lage Druck auf die Sicherheitsbehörden auszuüben. Die Aufgeweckt-Kolumne von Andreas Weck.

„Ändert etwas. Es reicht!“ – IT-Konzerne wettern gegen die Internetüberwachung von NSA und Co

US-Unternehmen fordern Reform der Internetüberwachung

US-Unternehmen fordern Reform der Internetüberwachung

Acht US-Unternehmen fordern in einem öffentlichen Brief die US-amerikanische Regierung auf, eine Reform der Internetüberwachung herbeizuführen. Die Rede ist von Microsoft, Google, Facebook, Yahoo, Apple, LinkedIn, Twitter und AOL. Das wirkt auf viele Menschen paradox, da man jedem der IT-Riesen eine Komplizenschaft unterstellen kann. Kritiker der Aktion meinen zu Recht, dass es deren erhobene Daten sind, die einen gehörigen Teil des Kuchens ausmachen, den die Schlapphüte rundum NSA und GCHQ tagtäglich vertilgen. Doch so einfach sollte man nicht urteilen, denn: Nicht jedes Unternehmen ist bereitwillig zum Komplizen geworden. Einige haben sich ernsthaft versucht zu wehren.

Nach all dem was Interessierte in den letzten Monaten gelesen haben, gab es Unternehmen, die sich durchaus aus eigenen Stücken heraus an dem Aufbau der Internetüberwachung beteiligt und die Schnittstellen zu Hintertürchen in die Datenleitungen gelegt haben – Vodafone ist beispielsweise so ein Kandidat, der scheinbar Liebe auf dem ersten Blick mit dem britischen Geheimdienst GCHQ gefeiert hat. Andere Marktteilnehmer wie Yahoo waren da schon passiver: Im Rahmen des PRISM-Programms, das quasi die Live-Überwachung der Nutzer im Netz ermöglicht, gaben IT-Riesen ihre Daten erst heraus, nachdem der US-amerikanische Geheimdienst NSA sie mithilfe eines richterlichen Beschluss dazu zwang.

Und auch in Sachen Transparenz haben die Unterzeichner einen Riegel vorgeschoben bekommen. Nicht nur, dass sie gezwungen wurden, den Weg auf die Server freizumachen; sie wurden auch zum Stillschweigen verdonnert: „Kein Wort nach Außen!“ Was es heißt, sich dennoch gegen die Staatsmacht zu stellen und die geheimen Vorgänge auszuplaudern, sehen wir nicht zuletzt an Whistleblower Edward Snowden. Die US-Regierung geht nicht gerade zimperlich mit ihren gebrandmarkten „Verrätern“ um. Ich bin mir sicher, dass die Snowden-Leaks auch mit einer befreienden Wirkung auf den ein oder anderen IT-Riesen einhergegangen ist.

Die Wirtschaft ist ein wichtiger Partner gegen den Überwachungswahn

Seit Bekanntwerden des Überwachungsskandals können Google, Apple und Co auf der einen Seite nun offener mit den Aktionen des NSA umgehen. Auf der anderen Seite fürchten sie auch um ihr Geschäft. Doch was wiegt derzeit schwerer? Was ist der tatsächliche Beweggrund, sich aktiver gegen die Spitzel zu stellen? Sicher ist, dass eine Vertrauenskrise unter der Nutzerschaft herrscht. Sicher ist auch, dass die IT-Konzerne dieses Vertrauen zurückgewinnen müssen. Ein Eigeninteresse an der Aktion ist also nicht von der Hand zu weisen und dennoch ist sie auch für uns Nutzer ein wichtiges Zeichen. Denn ohne die Wirtschaft sind wir kaum in der Lage, Druck auf die Sicherheitsbehörden auszuüben. Wir sollten die Aktion weniger kritisieren als sie zu unterstützen.

Laut dem Guardian ist die offene Aufforderung die bisher größte konzertierte Aktion der betroffenen Industrie gegen die Schlapphüte. Arbeiten wir gemeinsam daran, dass es nicht die letzte Aktion bleibt.

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