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Digitale Gesellschaft

„Surfen, hier nur noch mit Visum!“ – Wird das Schlandnet kommen?

Das Schlandnet. (Bild: Bruno Kramm / Twitter)

Im Rahmen des Spähskandals spielen Provider und Regierungen mit dem Gedanken, nationale Netze wie das deutsche Schlandnet zu realisieren. Wie wahrscheinlich ist die Balkanisierung des Internets? Die Aufgeweckt-Kolumne von Andreas Weck.

Das deutsche Schlandnet nach chinesischem und nordkoreanischem Vorbild

Internet-Meme: You are now leaving the #schlandnet-sector. (Bild: Bruno Kramm / Twitter)
Internet-Meme: You are now leaving the Schlandnet-sector. (Bild: Bruno Kramm / Twitter)

„Surfen, hier nur noch mit Visum!“ – was irgendwie absurd klingt, steht als mögliche Folge des NSA-Skandals im Raum und wird von Nutzern und Staaten immer stärker als Alternativlösung in Betracht gezogen, um sich vor missbräuchlicher Überwachung zu schützen. Das Ende des freien, offenen und weltumspannenden Internets wäre damit besiegelt. Zementieren tut sich das bereits seit Jahren – schon vor dem NSA-Skandal – in immer größerem Ausmaß: Zum einen wachsen die sogenannten Dark-Nets, die vom Rest des Internets abgeschottet, eine Art digitale Parallelwelt darstellen. Zum anderen wandern die Nutzer immer mehr in sogenannte Privatchats à la WhatsApp ab, wo sie in einer Art „Walled Garden“ unter sich kommunizieren. Das derzeit viel größere Problem stellt allerdings das Gebaren einiger Staaten dar, die eine Fragmentierung des uns bekannten Internets immer mehr in Betracht ziehen – und mithilfe von kommerziellen Unternehmen bereits erste Baupläne skizzieren.

„Surfen, hier nur noch mit Visum!“ – das Schlandnet könnte kommen.

In Deutschland treibt die Deutsche Telekom AG beispielsweise seit Monaten das sogenannte „Schlandnet“ voran und übt auf die Bundesregierung immer stärkeren Einfluss aus. Geplant ist, dass Datenpakete in Zukunft nur noch über deutsche Datenleitungen verschickt werden, wenn sie einen lokalen Absender und Empfänger aufweisen. Ausländische Eindringlinge müssten sich eindeutig identifizieren, um sich im deutschen Internet bewegen zu können – wer das nicht tut, bleibt von der nationalen Datenautobahn ausgeschlossen. Notwendig sind im Grunde nur noch entsprechende Datenpunkte, die den Verkehr unter sich regeln und einen Zugang zu anderen Netzen bei Bedarf unterbinden oder eben gewährleisten. Netze dieser Art sind uns übrigens vielerorts schon bekannt: Beispielsweise in China, Bahrain, Nordkorea oder Iran.

Kampf der alten Ordnung gegen die neue Welt: „Die Balkanisierung des Internets wird kommen“

Entsprechende Modelle, die wir vornehmlich aus Diktaturen und repressiven Staaten kennen und die wir über Jahre zu Recht kritisierten, scheinen nun auch in Demokratien, die westliche Werte verbinden, diskutiert zu werden. Gott gegeben ist der freie Datenverkehr ohnehin nicht. Wie Tim Berners-Lee einmal sagte, ist das freie Internet per se eher eine gesellschaftliche als eine technische Entwicklung. In Anbetracht dieser Aussage und der jüngsten Geschehnisse rundum den internationalen Spähskandal und seinen tiefgreifenden Folgen, erschien das Internet nie mehr in Gefahr als heute. Erkannt haben das auch die US-amerikanischen IT-Konzerne, die vor einigen Wochen einen offenen Brief ins Netz stellten und die „Vermeidung von Konflikten zwischen Regierungen und nationalen Gesetzgebungen“ sowie die „Respektierung des internationalen Datenverkehrs“ forderten – unterzeichnet von Microsoft, Google, Facebook, Yahoo, Apple, LinkedIn, Twitter und AOL.

US-Unternehmen fordern Reform der Internetüberwachung
US-Unternehmen fordern Reform der Internetüberwachung

Das Szenario einer möglichen Zerstückelung des Internets ist keineswegs Mumpitz, wie es der ein oder andere Leser nun vermutlich denken wird. Der Vorstoß der großen Netz-Giganten, sich in Form einer strategischen Allianz gegen derartige Pläne zu behaupten, spricht Bände. Doch auch Experten, die keinem kommerziellen Druck ausgesetzt sind, äußern sich immer häufiger zu dem Thema. Der Überwachungsforscher Steve Wright, der einst das US-Spionageprogramm Echolon aufgedeckt hat, attestiert dem zukünftigen Netz im t3n-Interview: „Es wird zu einer Balkanisierung des Internets kommen“.

Die Staaten wollen die Kontrolle zurück. Was wir derzeit erleben, ist der Kampf der alten Ordnung gegen die neue Welt. „Surfen, hier nur noch mit Visum!“, könnte bald Realität werden.

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Eine Reaktion
Astrid Radtke

Einfach gruselig. Gerade der internationale Austausch bringt die Völker und Menschen näher und hilft so sicher auch Kriege zu verhindern. Die Regierungen wollen nicht kontrolliert werden, sie möchten nur das Volk kontrollieren.

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