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Aufruf zu antidemokratischem Handeln: Jimdo löscht AfD-Meldeportal

Journalisten scheinen eines der Feindbilder der AfD zu sein. (Grafik: Shutterstock)

Der Hamburger Webseiten-Baukasten Jimdo hat eine von Bundestagsabgeordneten der AfD eingerichtete Website gelöscht. Darauf war zur Meldung von „lügenden“ und „manipulierenden“ Journalisten aufgerufen worden.

„Dokumentieren Sie mit uns die schlimmsten Lügen und Manipulationen der Haltungsredaktionen und schicken Sie sie – garantiert anonym und komplett vertraulich – an diese E-Mail-Adresse.“ Unter anderem diese Aufforderung findet sich auf dem Meldeportal der AfD-Bundestagsabgeordneten Petr Bystron, Uwe Schulz, Nicole Höchst und Udo Hemmelgarn.

Jimdo will keine Beihilfe leisten

Zunächst hatten die AfD-Abgeordneten die Website, die nicht viel mehr enthält als ein Kontaktformular, beim Hamburger Dienstleister Jimdo eingerichtet. Der entdeckte sie indes innerhalb eines Tages und zog umgehend den Stecker. Im Nachgang verbreitete Jimdo-Chef Matthias Henze dieses Statement über Twitter.

Offenbar sieht Henze in der Aufforderung zur gezielten und anonymen Meldung von Journalisten einen Verstoß gegen die Richtlinien des Unternehmens. So wolle er sich an einem Angriff auf die Pressefreiheit nicht beteiligen.

AfD-Bundestagsabgeordneter Bystron weist Vorwürfe von sich

Laut dpa teilte der Bundestagsabgeordnete Petr Bystron mit, dass von ihm und drei weiteren AfD-Abgeordneten initiierte Meldeportal sei für Journalisten, die „Fakenews, Manipulation und einseitige Berichterstattung satthaben“. Die Kritik Henzes weist Bystron zurück. Vor allem den Vorwurf „antidemokratischen Handelns“ sehe er nicht, das Gegenteil sei der Fall. Das „Aussteigerprogramm für Mainstream-Journalisten“ sei überdies inzwischen auf einen anderen Server ausgewichen.

Der Deutsche Journalisten-Verband DJV wertet das Meldeportal als Provokation gegen den kritischen Journalismus. „Der Versuch, Journalistinnen und Journalisten lächerlich zu machen, passt zum Kurs der Partei, kritische Berichterstatter zu beleidigen und zu diffamieren, wo es nur geht“, urteilt DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall und fügt hinzu: „Die Missachtung von Journalisten und permanente Verstöße gegen die Pressefreiheit gehören zur DNA dieser Partei.“

Passend dazu: Posts und Vorurteile: Dein Newsfeed kann nichts für die AfD

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5 Kommentare
Dr. Bennet Jäger

Ich finde, so eine Plattform sollte politisch unabhängig sein. Wir werden uns dann eben eine andere Plattform suchen, mit der wir das umsetzen.

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Dieter Petereit

Damit wird Jimdo kein Problem haben.

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Sören

Politische Unabhängigkeit ist das eine. Aber nichts ist wichtiger und bedeutender, als der Intoleranz und dem Faschismus entschlossen entgegenzutreten.

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BWelzel
BWelzel

Und Parteien in Deutschland sollten unsere freiheitlich rechtliche Grundordnung achten, für die universellen Menschenrechte eintreten und nicht von Faschisten angeführt werden die Hetze wie Umvolkung und Hass gegen alles was nicht christlich und Bio-Deutsch ist verbreiten. So sind wir also alle etwas enttäuscht.

Übrigens: ich denke der Hoster vom „The Daily Stormer“ hat noch etwas Platz für die nächsten Projekte der AfD.

Ich vermute mal: einem Meldeportal wo aufrechte Patrioten Menschen demunzieren können die Juden bei sich verstecken? Oder Mischehen mit „Kopftuchmädchen“ eingehen? Vielleicht auch der ganz große Wurf: das Melderegister für die Zeit nach der Machtergreifung, wo ich schon mal Online meinen Arierausweis beantragen kann?

Ganz ehrlich: was für eine Art Mensch muss man sein, um in einer Partei mit jemanden wie Björn Höcke aktiv gegen Freiheit und Menschenrechte zu kämpfen? (https://openjur.de/u/2180513.html). Meine Vermutung: ganz tief im Herzen genauso so ein Faschist. Und deswegen: Bravo an Jimdo! NOCH haben wir Meinungsfreiheit und NOCH sind die Faschisten nicht an der Macht.

Was ich ganz besonders traurig an der Situation finde: Wir brauchen in Deutschland wirklich eine Alternative zur bestehenden Politik. Die AfD könnte das immer noch werden, dafür müsste aber – um Björn Höcke zu zitieren – erst einmal mit dem eisernen Besen aufgeräumt werden und zwar in der AfD selbst. Das Kriterium? Wer gegen die freiheitlich rechtliche Grundordnung ist fliegt raus. Also z.B. Angriffe auf die Pressefreiheit, Hetze gegen Muslime, Hetze gegen Umweltschutz, Todeslisten für Andersdenkende und den ganzen identitären Mist. Und wer von Lügenpresse redet und darüber phantasiert das die Meinungsfreiheit in Deutschland eingeschränkt sei, nur weil es verboten ist den Holocaust zu leugnen. Vielleicht bleiben nach so einem Befreiungsschlag dann nicht mehr so viele von der „Führungsmanschaft“ übrig, aber einen neuen Führer brauchen wir sowieso nicht in Deutschland. Ich würde eine AfD ohne Faschisten jedoch sofort wählen.

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dennis
dennis

Sehr gute Reaktion von Jimdo.
Null-Tolleranz gegenüber Faschos und Demokratiegegnern.

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