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Embargo gegen Huawei: US-Chiphersteller umgehen Sanktionen

(Foto: dpa)

US-Konzerne wie Intel oder Micron haben zuerst verschreckt auf das Embargo gegen Huawei reagiert. Nun haben sie herausgefunden, wie ein großer Teil der Geschäfte weiterläuft, notfalls mit Verlagerungen aus den USA.

US-amerikanische Chiphersteller verkaufen weiter Produkte im Wert von Hunderten Millionen US-Dollar an Huawei, obwohl die Trump-Regierung den chinesischen Konzern mit einem Embargo belegt hat. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf Insider. Intel oder Micron hätten Wege gefunden, die Kennzeichnung von Waren als „Made in USA“ zu vermeiden. Chips, die von US-Konzernen im Ausland hergestellt werden, fallen nicht immer darunter.

Eine große Menge von Komponenten seien vor ungefähr drei Wochen an Huawei gegangen, berichten die Quellen. Dies werde Huawei helfen, weiterhin Produkte wie Smartphones und Server herzustellen.

Mit einem am 15. Mai 2019 erlassenen Dekret hatte US-Präsident Donald Trump den nationalen Notstand für die Telekommunikation erklärt. Das US-Handelsministerium begann zugleich, alle Geschäfte zu unterbinden, die „ein Risiko für die USA darstellen“ und setzte Huawei auf die sogenannte Entity-Liste. Belege für die vermeintliche Sicherheitsbedrohung wurden nicht vorgelegt.

Huawei-Embargo führte zuerst zu Schockstarre

Dies löste Verwirrung bei vielen US-Zulieferern von Huawei aus. Vielen Führungskräften fehlten laut New York Times fundierte Kenntnisse mit Handelsembargos, weshalb sie zuerst die Lieferungen an Huawei einstellten, bis ihre Anwälte herausfanden, welche Produkte weiter gehandelt werden können.

Nach Angaben der New York Times weiß die Trump-Regierung von den Verkäufen, ist aber uneins darüber, wie sie reagieren soll. Einige Vertreter waren der Ansicht, dass die Verkäufe gegen den Geist des Gesetzes und die Bemühungen der Regierung verstoßen, Huawei unter Druck zu setzen. Andere sind eher aufgeschlossen, weil so die Folgen des Embargos für US-Konzerne abgemindert werden. Huawei kauft nach eigenen Angaben jedes Jahr Technologie im Wert von rund elf Milliarden Dollar von US-Unternehmen. Intel und Micron lehnten eine Stellungnahme an die New York Times ab.

„Durch Gespräche mit der US-Regierung ist jetzt geklärt, dass einige Artikel an Huawei geliefert werden können, die mit der Entity-Liste und den geltenden Vorschriften vereinbar sind“, schrieb John Neuffer, Präsident der Branchenorganisation Semiconductor Industry Association.

US-Firmen wollen zum Schutz auslagern

Micron-Chef Sanjay Mehrotra sagte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass das Unternehmen die Lieferungen an Huawei zuerst gestoppt habe. Vor ungefähr zwei Wochen sei der Verkauf wieder aufgenommen worden, nachdem Micron die Entity-List-Regeln überprüft und festgestellt habe, dass „wir den Versand einer Teilmenge von Produkten rechtmäßig wieder aufnehmen können“. Es gebe jedoch weiterhin erhebliche Unsicherheiten in Bezug auf die Huawei-Situation.

Kevin Wolf, ein ehemaliger Vertreter des Handelsministeriums und nun Partner der Anwaltskanzlei Akin Gump, sagte, mehrere Unternehmen hätten sich bemüht, den Verkauf an Huawei fortzusetzen. Einige würden in Erwägung ziehen, die Herstellung und den Service einiger Produkte nach Übersee zu verlagern. Der eskalierende Handelskampf zwischen den USA und China „veranlasst Unternehmen, ihre Lieferketten grundlegend zu überdenken“, fügte er hinzu.

Wolf hat mehrere US-Technologieunternehmen beraten, die Huawei beliefern. Er sagte den Führungskräften, dass Huawei weiter mit Produkten beliefert werden könne, solange die Waren und Dienstleistungen nicht aus den USA kämen.

Autor des Artikels ist Achim Sawall.

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