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Auswärtiges Amt warnt vor Machtverschiebung durch Big Data und KI

Heiko Maas. (Foto: Alexandros Michailidis/Shutterstock.com)

In einem Strategiepapier warnt das Auswärtige Amt ungewöhnlich eindringlich vor einer Bedrohung durch den Aufstieg von IT-Autokratien und der steigenden Macht der IT-Industrie.

Das Auswärtige Amt ist normalerweise nicht für Alarmismus bekannt. Umso eindringlicher wirkt es, wenn die Behörde Warnungen ausspricht. In einem Strategiepapier malt das SPD-Minister Heiko Maas unterstehende Haus ein düsteres Bedrohungsszenario an die Wand. „Deutschland läuft Gefahr, in der globalen digitalen Wertschöpfung abgehängt zu werden“, heißt es darin. Die Bundesrepublik sei auf kommende wirtschaftliche und politische Umbrüche nicht vorbereitet, zitiert das Handelsblatt aus dem internen Schreiben.

Im Visier hat das Auswärtige Amt bei seiner Bestandsaufnahme und dem Ausblick etwa ganz allgemein die Digitalisierung, das Internet, Big Data und KI. Die Behörde kritisiert dabei die in Deutschland üblichen langen Entscheidungsprozesse, veraltete IT-Strukturen sowie „eine verbreitete Skepsis gegenüber Technologie“. Darüber hinaus investiere die Bundesregierung im internationalen Vergleich unzureichend in Zukunftstechnologien.

Digitale Technologien als „Doping für Diktaturen“

Ganz anders würden Autokratien die Möglichkeiten der neuen Technologien nutzen, wie Studienautor und Digitalbotschafter Hinrich Thölken betont. Die seien „Doping für Diktaturen“. Explizit erwähnt wird in dem Papier das sogenannte Social-Credit-System in China. Mit dieser Benotung des Verhaltens von Bürgern und Unternehmen werde der Überwachungsstaat der Zukunft errichtet, befürchten westliche Beobachter. Nützlich seien der chinesischen Regierung dabei Technologien wie Big Data und KI.

Entsprechend spiele sich derzeit zwischen den USA und China eine Art technologischer Kalter Krieg um die Vormachtstellung auf dem Gebiet der Zukunftstechnologien ab. Eines der Schlachtfelder ist etwa der Technologiekonzern Huawei. Gleichzeitig würden liberale Demokratien durch die in sozialen Netzwerken ausgespielten Fake-News-Kampagnen. Immer schwieriger werde es, so das Auswärtige Amt, zwischen wahr und unwahr zu unterscheiden. Auch Twitter-Bots und die Facebook-Währung Libra zählt die Behörde zu den Herausforderungen der Zukunft, auf die sich die deutsche Außenpolitik einstellen müsse.

Auswärtiges Amt: Ansprechpartner für Startups

Zu der vorgeschlagenen Digitalstrategie des Auswärtigen Amtes gehört daher, dass Europa und Deutschland als digitale Wirtschaftsstandorte gestärkt werden müssten. Die Behörde will laut dem Strategiepapier ihre Auslandsvertretungen öffnen, um „Ansprechpartner und Türöffner für Startups und digitale Plattformen“ zu werden, wie es im Handelsblatt heißt. Digitalbotschafter Thölken fordert, dass ein digitaler Ruck durch Deutschland gehen müsse und empfiehlt, dass Diplomaten für Prognose- und Analysezwecke auf KI-Technologien zurückgreifen müssten. Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) lobte den Vorstoß des Auswärtigen Amtes.

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3 Kommentare
Jupp Posipal
Jupp Posipal

Was muss(te) noch passieren, damit unsere Volksrepräsentanten endlich wach werden? Mit unseren Smartphone-Schmalspur-Know-How (wisch & weg) sowie Klicky-Bunti-Verhalten, zumeist am heimischen PC, wollten oder konnten wie (interlektuell) nicht mitbekommen, wo das Geld verdient wird.

Durch eine rückgradlose Verwendung/Installation auch noch der krudesten App (Taschenlampenfunktion mit Erlaubnis zum Durchstöbern des eMail-Archivs), oder Freeware (Spielen bis der Arzt kommt), war es nicht erforderlich (oder zu anstrengend; es geht ja auch ohne), sich mit Zukunftstechnologien und künftigen Geschäftsmodellüberlegungen zu beschäftigen.
Dieses träge Verhalten von Privatpersonen (legitim) übertrug sich leider zu einfach auf die eigene Arbeitsumgebung und dem jeweils kommerziellen Geschäftszweck. Warum denn über neue elektronische Kundenkontaktoptionen, virtuelle Servicechancen oder ganz neue Vertriebswege nachzudenken. Das Bewährte reicht doch bestimmt noch einige Zeit. die Generation FAZZEBUCH hat doch jegliche gebotene Distanz verloren, welche jetzt allerdings an die Schalthebel in längst überholte Firmenstrukturen kommen.

Bei Office-Software haben wir seit Jahrzehnten eine Monokultur, die derzeit gnadenlos von amerikanischen SW-Giganten ausgenutzt wird; um die verblödeten PC-Dummies in eine kostenpflichtige ABO-Kultur (pay-per-use) zu zwingen. Denn nichts anderes bedeutet das aktuelle Verschleudern von himmelblauen Cloud-Funktionen im Hintergrund. Auf was wir Anspruch haben, bestimmt der US-Anbieter ganz alleine; und zwar auch noch im Nachhinein (OST-Regularien, Evergreen-Palaver)).
Parallel wird ein Betriebssystemkonzept „aufgenötigt“, obwohl wir noch nicht einmal die Vor-vor-Versionen annähernd ausreizen konnten oder überhaupt jemals konnten.
Dies wird mit Sicherheitsmängeln einer Bananensoftware (reift beim Kunden) begründet, die durch zweifelhaft durchgedrückte SW-Standards (zur nachhaltigen Eigenvermarktung, sowie fragwürdige, nicht wirklich selbst abschaltbaren Funktionserweiterungen, etc.) erst richtig beschleunigt , statt dauerhaft abgestellt wurde. Verfügbarkeit, Stabilität und Datensouveränität ist doch nur was für Angsthasen. Die Cloud wird es fast kostenlos richten, allerdings auf Basis einer mehrfachen Abhängigkeit (ja von wem denn?) auch geschäftlicher Nutzer!

Nur so konnten weltweite Monopole entstehen, die jetzt beklagt werden, weil schräge Gesellschaftsmodell auch hier aufholen wollen. Nicht vergessen, zwei große amerikanische Provider hat man schon nachweisbar dabei erwischt, was jetzt anderen unterstellt wird (und dort genauso wahrscheinlich ist).
Außer Appellen, bzw. man müsste, man sollte oder man könnte; kommt wie gewöhnlich (wie bei Breitbanderschließung in der Fläche oder Ausbau mobil stabiler Erreichbarkeit) kaum was nachhaltiges heraus. Oder soll nur ein 5G-Komponentenmarkt für NOKIA-Komponenten erhalten bleiben, dessen Shareholder ja Winzigweich aus USA ist?

In Deutschland werden immer noch statt einer IT-Mittelstandsförderung (nachhaltiger als Start-Up-Initiativen ) üppige Steuergelder lieber in die Kohleförderung oder Dinosaurier-Industrie (Abwrackprämie, eVehikel-Zuschuss) gelenkt. Globalisierung heißt in der deutschen Parteienlandschaft aber auch, das die Kohle virtuell weiterhin außerhalb von Deutschland verdient wird. Dazu braucht es das Reich der Mitte nicht, das schaffen die bisherigen IT-Giganten ganz alleine. Oder sehen die dortigen US-Manager ihre Renditen jetzt durch einen global auftretenden Konkurrenten gefährdet?

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dennis
dennis

Lächerlich, denn Deutschland war und ist schon immer zu langsam bei allem gewesen. Jetzt brauchen wir auch nicht mehr rum zu heulen, dass ja alle viel weiter sind, als wir. Deutschland ist ein arrogantes Land, das meint ganz vorne mitzuspielen, was es aber nicht tut und leider von Leuten geführt wird, die die Notwendigkeit nicht sehen. Bis heute haben wir Regionen in Deutschland, die kein Breitbandinternet haben. So etwas einfaches wie das schaffen wir seit Jahren nicht und wenn ich dann diese lächerliche Diskussion über G5 verfolge… G4 ist auch nicht flächendeckend vorhanden. Aber immer gut, wenn man dann das wieder mal in andere Hände gibt. Lobbyisten wo man hin guckt.

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Niebeljung
Niebeljung

Es ist schon eine Tatsache, dass selbstlernende Systeme Unmengen Daten benötigen um zu lernen. Die bekommt man legal nur da wo es genügend Überwachung und keinen Datenschutz gibt. In dem Bereich kann ein Land nicht führend sein, wenn es ein freiheitliches Land ist. Aber sooo wichtig ist der Bereich auch wieder nicht, zumal die Ergebnisse, wenn auf Menschen angewendet, oft verfälscht und grundsätzlich nicht nachvollziehbar sind. Die Systeme sind trotzdem nützlich in der Industrie, aber nicht in der Gesellschaft. Gesellschaftsprognosen sind grundsätzlich fehlerhaft und führen zu Ungerechtigkeiten im Einzelfall, selbst wenn sie im Durchschnitt stimmen könnten. Die chinesische Führung muss sich fragen lassen, wie wohl Mao als Bürger eingestuft worden wäre wenn es damals schon das Social-Credit-System gegeben hätte. Ich glaube das wäre ein Grund mehr den langen Marsch anzutreten.

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