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Kommentar

Trotz Elektromobilität: Warum wir die Abschaffung des Autos in Städten diskutieren müssen

Stau auf dem Berliner Ring. Wie sinnvoll ist das Auto im Privatbesitz in der Stadt? (Foto: dpa)

Kommt der Strom aus Sonne und Wind und wir fahren elektrisch, ist ökologisch alles geritzt, oder? Leider nein. In den Städten müssen wir daher über weniger Autos diskutieren. Dieser Kommentar ist Teil unserer Themenwoche „Zukunft der Mobilität“.

Die Ablösung von Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren im Straßenverkehr ist gut und richtig. Elektroautos führen zu weniger Lärm und Luftverschmutzung. Und, vorausgesetzt das Auto wird lange genug gefahren, auch zu weniger Co2-Ausstoß. Doch leider wird die Umstellung auf Elektromobilität gemeinsam mit einer – ohnehin schon in vielen Ländern der Welt stattfindenden – Energiewende in Richtung regenerativer Energiequellen nicht reichen.

Elektrofahrzeug: Das Model 3 von Tesla
Tesla: Auf das Model 3 folgt das Model Y – aber erst in zwei bis drei Jahren. (Foto: Tesla)

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Dabei klingt vieles erst mal so gut: Die erneuerbaren Energiequellen waren bei der Stromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2018 erstmals die wichtigste Energiequelle und haben Braun- und Kohlekraftwerke überholt. Schon 36 Prozent des Strombedarfs werden durch Solar-, Wind- und Wasserkraft gedeckt, Tendenz weiter steigend. Und je höher der Anteil der erneuerbaren Energien im Strommix wird, desto ökologischer fahren die E-Autos, die vor allem bei ihrer Produktion hohe Mengen Energie benötigen.

Also alles gut? Leider nicht, denn die Stromerzeugung für Unternehmen und Haushalte deckt nur einen Teil unseres Energiebedarfes. Dazu kommen der Bedarf fürs Heizen, der nur zu einem Bruchteil mit Strom gedeckt wird, und das Verbrennen von Gasen und Mineralöl in der industriellen Produktion. Ganze 30 Prozent unseres Gesamtenergiebedarfs macht laut Umweltbundesamt Verkehr aus – und nur 1,5 Prozent davon wird aktuell mit Strom betrieben, vor allem die Bahn und Teile des Nahverkehrs. Rund 95 Prozent des Energiebedarfs des Verkehrs machen derzeit noch Mineralölprodukte aus. Nicht nur Pkw und Lkw fahren noch mit Benzin und Diesel – auch Flugzeuge und Schiffe verbrennen Mineralölprodukte.

Der Stromanteil beim Gesamtenergieverbrauch muss steigen

Wenn wir auf ökologische Energieproduktion umsteigen wollen, muss in allen Sektoren der Anteil des Stroms steigen, denn nur dieser kann ökologisch nachhaltig produziert werden. Allein für Verkehr werden in Deutschland laut Umweltbundesamt rund 749 Terawattstunden Energie pro Jahr benötigt. Deutschlands Stromverbrauch liegt derzeit bei rund 500 Terawattstunden jährlich.

Elektromotoren haben einen deutlich besseren Wirkungsgrad von über 95 Prozent, während selbst moderne Verbrenner nur etwa 40 Prozent der eingesetzten Energie in Bewegung verwandeln können. Doch selbst wenn man das beachtet, verdeutlicht diese Rechnung die Dimension: Wollten wir sämtlichen heute für Mobilität in Deutschland benötigten Energiebedarf – inklusive Flug- und Schiffsverkehr – allein über Strom abdecken, benötigten wir wohl in etwa doppelt so viel Strom wie heute. Dass eine derartige Menge an Energie auf absehbare Zeit ökologisch nachhaltig produziert werden kann, davon gehen selbst die kühnsten Prognosen – trotz aller technischer Fortschritte auf diesem Gebiet – nicht aus.

Wende zur Elektromobilität reicht nicht

Statt also nur über eine Wende zur Elektromobilität zu diskutieren, müssen wir den Individualverkehr an sich in Frage stellen – zumindest für all diejenigen, die nicht auf ein eigenes Auto angewiesen sind. Für Alte und Gehbehinderte oder Bewohner des ländlichen Raums ergibt ein eigenes Auto Sinn. Doch in Anbetracht von Klimaerwärmung und Ressourcenverbrauch sollten wir uns fragen, ob wir das in Deutschland gefühlte Menschenrecht auf ein eigenes Auto zumindest für die gesunde Bevölkerung im urbanen Raum in Frage stellen und den für alle schädlichen Individualverkehr sehr teuer machen sollten.

Die Einnahmen aus einer Sondersteuer der Kommunen auf privaten Pkw-Besitz könnte zum Beispiel in den Ausbau von Fahrradwegen und den öffentlichen Personennahverkehr fließen. Anbieter neuer Mobilitätskonzepte wie Uber, Clevershuttle oder Moia sollten von den Kommunen endlich gefördert statt behindert werden, um die Abschaffung des eigenen Autos noch attraktiver zu machen. Und wer trotzdem unbedingt ein Auto punktuell braucht, kann in fast allen großen deutschen Städten schon Carsharing nutzen.

Das wäre ökologisch, sozial und würde in den gedrängten Städten wieder Raum schaffen und die Stadt für alle lebenswerter machen. Elektromobilität alleine wird das ökologische Grundproblem unseres heutigen Verkehrs nicht lösen.

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VW I.D. Buzz. (Bild:Volkswagen)

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8 Reaktionen
Annelies

Danke H30453, dass es hier auf der Website wenigstens einen gibt, der klar denken kann. Es scheint hier ja tatsächlich auch Leute zu geben, die in die Stadt ziehen, weil sie glauben, dort müssten Luftkurorte sein. Ich kann nicht nachvollziehen, warum alle 5 Minuten Städter (und andere) mit ihren Flugzeugen über das Land fliegen und dort ihren Dreck ablassen, aber wir vom Vorort nicht mehr normal in die Stadt zum Arbeiten fahren sollten. Jetzt fehlen nur noch Mauern und Stadttore ... In den Köpfen sind sie ja anscheinend schon.

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Lenin

Genau, es lebe der kommunismus!!

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Phill

Ich bin der Meinung, in ländlichen Regionen ist es schwer mit mit ÖPNV. Ich müsste, ohne Auto, früh um 5 Uhr aus dem Haus um 7Uhr aus Arbeit zu sein für nur rund 25km und Nachmittags um 1 Uhr Feierabend machen wenn ich noch nach Hause kommen will. Jede Woche müssen zudem noch Einkäufe erledigt werden und das würde mich, ohne Indivituelle Freiheit in den Wahnsinn treiben. Natürlich kann man mit dem Rad fahren wenn man, auf einer schmalen Landstraße mit Einkaufstüten und Wasserkisten unterwegs sein möchte.
In die nächste größere Stadt kann man mit dem Zug fahren, ist ja kein Problem, aber um an den Bahnhof zukommen ist eine andere Sache. Nochmal 15km zum Bahnhof und dann kommt nur jede Stunde ein Zug, der am Ende noch Verspätung hat, da kann ich die Restlichen 10km auch noch mit dem Auto fahren.
Busse sind meist komplett leer, wenn sie fahren, in Ferienzeiten kann man das komplett vergessen.
Also was soll ich ohne Auto machen, da lohnt sich nur
noch der Balken.

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heureka47

Das eigentliche, wahre, Problem ist, daß "Zivilisation" ein "Holzweg", eine "Sackgasse", ist - denn es handelt sich dabei hauptsächlich um (die) Symptomatik DER Krankheit, der schlimmsten überhaupt; um eine kollektive Neurose. Darunter verstehe ich den Zustand zwischen seelischer Verletzung / Traumatisierung und grundlegender, natürlicher, Heilung.

Die davon Betroffenen sind so wenig lebendig, daß man sie auch als "Tote" bezeichnet - wie z.B. die Autoren der Jesus- / Christus-Legenden, die ihren Helden u.a. sagen lassen: "Laß die Toten ihre Toten begraben...".

Die "zivilisierte Gesellschaft" ist von der eigentlich richtigen, der natürlichen, wahrhaft kulturellen, Lebensweise weitestgehend entfremdet. Wir leiden an / unter Kulturverlust. Der wichtigste Aspekt wahrer, wahrhaft menschlicher, Kultur ist uns verloren gegangen: Der "Kult der wahren Menschwerdung" - regelhaft durchzuführen in der Pubertät. Nach entsprechender Aufklärung durch die wahrhaft erwachsenen Eltern oder anderen Mitmenschen und nachdem den Kindern / Jugendlichen das wahre Leben / Sein praktisch vorgelebt wurde.
DAS findet kaum noch irgendwo statt...

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Sebastian Jokisch

Der ganze Transport, ob nun von Waren oder von Menschen, muss auf neue Beine gestellt werden. Es darf nicht sein, dass wir unsere Umwelt verheizen nur um mobil oder flexibel zu sein! Die ganze Fahrerei ist pure Energie und Zeitverschwendung und strengt alle beteiligten Personen und Materialien völlig unnötig über die Gebühr an. Die ganzen Verkehrswege versperren der Tierwelt ihre Lebensräume und bringen auch Menschen in Gefahr. Wir müssen aufhören eigenbrötlerisch zu denken und zu handeln! Neuerdings ist der Trend in die Lüfte zu steigen, wie im Fünften Element. So frei sein wie ein Vogel,...leider aber auch viel dämmlicher als diese.

Anstatt mit noch mehr Energie und Risiko in die Lüfte zu gehen, sollte man sich lieber in den Untergrund begeben. Der ganze Warentransport könnte unterirdisch geschehen. Der Aufwand ist enorm das zu bewerkstelligen, aber es ist allemal einfacher ein Loch in die Erde zu graben als Ikarus zu spielen, zumal uns der Schrott nicht auf die Köpfe fallen würde. Ebenfalls könnte man unter Erde Vakuumröhren schaffen und so den Energieverlust durch Luftreibung gänzlich vermeiden. Diebstahl wäre so gut wie ausgeschlossen und Unfälle würden kaum Schaden anrichten. Und der ganze Platz erst. Man sollte ersteinmal die Ballungszentren untertunneln, dann hätte man den größten Wirkungsgrad (für die Menschen) schoneinmal erledigt und von Stadt zu Stadt wären die Kosten dann geringer.
Das ist Zukunftsmusik wie die U-Bahnen, die großen Bergtunnel oder die Kanäle. Und man muss noch nichtmal auf eine Erfindung warten! Man kann gleich loslegen!

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H30453

Und wieder mal. In ermüdender Regelmäßigkeit kommen Kommentare wie dieser. Kommentare in denen uns gesagt wird, daß der moderne Mensch ja eigentlich gar kein eigenes Auto braucht weil...
Vorzugsweise kommen diese Kommentare von Leuten, deren eigene, ganz persönliche Lebenssituation es ihnen wohl tatsächlich ermöglicht, auf einen fahrbaren Untersatz zu verzichten. Zumeist, weil sie in einer der wenigen Städte in Deutschland leben, in denen der ÖPNV ganz gut funktioniert. Und besonders weil sie in der beneidenswerten Lage sind, aus beruflichen und/oder familiären Gründen nicht auf einen Wagen angewiesen zu sein. (Nun, manchmal reden sie sich das auch nur ein, und ihre Kollegen oder Verwandten sind eigentlich der Meinung, daß sie sich doch sehr wohl mal motorisieren sollten. Um z.B. etwas flexibler bei den Arbeitszeiten zu werden oder auch mal bei der Betreuung der demenzkranken Tante mithelfen zu können. Aber diese Fälle lassen wir hier außen vor.)
Interessant finde ich dabei, daß es anscheinend sehr viele Menschen geben muß, die ihre gesamte Lebenszeit in einer Großstadt verbringen sowie andere, die sich niemals dorthin begeben. Nach meiner Erfahrung sind solche Fälle aber nur selten. Ich selbst wohne in einer Stadt mit mehr als 500k Einwohnern, fahre aber im Schnitt mehrmals pro Woche in kleinere Orte in einem Umkreis von etwa 50 km, wo mir der ÖPNV dann gar nichts mehr nutzt. Ja, ich nehme dabei ein Auto. So gut bin ich mit 56 Jahren auf dem Rad nicht mehr unterwegs.
Viele andere, die ich kenne, kommen in die Stadt hinein. Aber nicht unbedingt ins Zentrum, wo man mit der Bahn ganz gut hin kommt, sondern häufig in andere Stadtteile, die meistens keine oder nur sehr schlechte Querverbindung per Bahn und Bus haben.
Es mag ja sein, daß der Autor dieses Artikels da recht gut versorgt ist. Wenn sich das gesamte Leben nur zwischen Berlin Mitte, Kreuzberg und Steglitz abspielt, baucht man dank U-Bahn vermutlich kein Auto. Aber schon in Hannover, daß Stephan Dörner ja auch etwas bekannt sein sollte, wird es da in den Randbereichen schon etwas dünn und diese Stadt ist eben nicht so groß, daß sich alles nur im Zentrum abspielt.
Ja, es stimmt: Es gibt kein Menschenrecht auf ein eigens Auto. Es gibt aber auch keines auf einen Luftkurort im Stadtzentrum. Die meisten Leute haben ihren Wagen nicht deshalb weil sie zu dumm und zu faul sind, sondern weil sie ihn ganz dringend brauchen um ihr tägliches Leben zu bewältigen. Individuelle Mobilität ist eine große Errungenschaft unserer Zivilisation, die ich nicht infrage stellen möchte. Also bitte nicht aus der eigenen Situation heraus für andere Menschen mitentscheiden wollen. Das kommt ganz schlecht an.

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kettenfett

Ich zähle morgens wenn ich von meiner Stadt in die nächste über den Rhein fahre die Autos die da im Stau stehen. Es sind im Schnitt 90 Autos. In diesen 90 Autos sitzen dann 94 Personen. Jeder hat noch einen Sessel dabei und ein Sofa auch Rückbank genannt. Er transportiert also im Schnitt 1,2 Tonnen um sein 80 kg zu transportieren. Wirkungsgrad, 2 %?
Ein E-Bike das vllt. 25 kg wiegt und 80 kg transportiert, holla, das sieht schon ganz anders aus.
Und ja es werden immer mehr Radler auch aus dem ländlichen Raum in die City und zurück. E-Bikes machen es möglich.
Viele dieser Pendler die eben für die legendären 5 km mit dem Auto fahren sind einfach zu bequem oder zu weichlappig. Mit Sitzheizung und Klimaanlage. Ich sehe Leute um die 60 die täglich mit dem E-Bike pendeln. Oder eben zur ÖPNV mit dem Faltrad fahren und umsteigen. Würden das mehr Leute machen, würde sich die Situation auch verbessern. Der größte Teil aller Autofahrten mit dem Privat PKW sind unter 5 km.
Komisch bei den Holländern geht das? Warum nur? Sind dort 10 km weniger als bei uns? Oder hat man eine andere Infrastruktur aber da würde der dauernörgelnde Autofahrer in Deutschland in Tränen ausbrechen. Nach drei Wochen in der Bretagne erkannte ich das mich fast nur deutsche Autos zu eng überholen und der Franzose hinterm Rad bleibt bis er sieht was nach der Kurve kommt. Ja, sogar wenn es drei Minuten dauert. Der deutsche Fahrer dreht schon nach 2 Sekunden durch und setzt mein Leben aufs Spiel, auch wenn ich Kinder dabei habe.

Jaja, manchen brauchen das Auto ganz dringend. Oh ja um Sonntags die Brötchen zu holen mit laufendem Motor. Die gleichen Leute die jammern das es im Winter zu kalt wäre, jammern auch im Sommer das es zu heiß wäre zum radeln. Bewegung würde mal gut tun, aber da müsste man ja mal über den Tellerrand schauen können, aber die erkennen nicht mal den Tellerrand.
Das Auto ist vorbei und ja, ein Stadt darf ein Luftkurort sein. Aber das Häuschen bauen 30km vor der Stadt und dann jammern das man nicht weiß wie man überleben soll. Das alte Gejammer, da ist es wieder. Lieber die Bewohner die deshalb in der Stadt wohnen weil sie intelligenter sind bei ihrer Arbeit zu wohnen als dumm darstellen.
Mein Leben spielt sich zwischen zwei Städten gar zwischen zwei Bundesländern ab. Ich beobachte fröhlich wie viele leute es gibt, die täglich den halben Vormittag arbeiten nur um sich ihren Stau zu leisten. Am Handy spielend und völlig verpeilt. Mit der Outdoorjacke im klimagekühlten Fahrzeug. Das ist krank.
Car is Over

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