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Warum Deutschland bei der kommenden großen digitalen Plattform eine Chance hat

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Womit verbringen wir unsere Zeit im Auto, wenn wir nicht mehr fahren müssen?

„Beim Thema autonomes Fahren sind die Prozessorhersteller extrem wichtig, weil künftig Terrabytes an Daten berechnet werden müssen. Das andere große Segment sind hochpräzise ortsbezogene Daten – da spielen wir eine zentrale Rolle“, sagt Peter Kürpick, Executive Vice President und Chief Platform Officer von Here.

Aktuell gehe die Diskussion unter Autobauern vor allem darum, wie sich Sensordaten am besten nutzen lassen und welche neuen Services und Produkte man daraus generieren kann, sagt der Here-Manager. „Dabei spielt das Thema hochpräzise ortsbezogene Daten eine zentrale Rolle. Denn gerade in einer künftigen autonomen Welt ist die exakte Position einer Person oder eines Objektes von entscheidender Bedeutung.“

„Für Firmen wie Netflix wird es definitiv interessant, sobald Level 4 und 5 beim autonomen Fahren angeboten wird“

Insbesondere bei Informationen speziell zum Straßenverkehr gelten die Daten von Here auch als besonders gut – bei anderen Gebieten wie der Abdeckung von Läden und anderen interessanten Orten hat Google die Nase vorn. „Wir arbeiten mit Firmen wie Facebook und anderen zusammen, und die stetige Erweiterung unserer Datenbank für Points-of-Interest ist ein zentrales Thema für uns“, sagt Here-Manager Kürpick.

Doch warum ist das Auto überhaupt so interessant für die Tech-Branche? Prophezeien nicht selbst Autohersteller wie Daimler den Rückgang von Autos im Privatbesitz für urbane Räume? Werden wir nicht allein aus ökologischen und verkehrsplanerischen Gründen in den wachsenden globalen Metropolen immer stärker auf ÖPNV, Carsharing und andere Alternativen zum Privat-Pkw wie autonom und elektrisch fahrende Taxis setzen müssen?

All das ist richtig – doch der Individualverkehr wird mit seiner Bequemlichkeit nicht verschwinden. Autonomes Fahren und Elektromobilität könnten sogar individuelle Taxis für deutlich mehr Menschen finanzierbar machen. Und wenn immer mehr Menschen in autonomen Autos fahren, ohne selbst ans Steuer zu müssen, stellt sich die Frage, was diese dann die ganze Zeit machen. „Hier kommen dann Consumer-Dienste wie Netflix und Spotify ins Spiel“, sagt Kürpick.

Das Auto könnte damit neben dem Smartphone zur wichtigsten digitalen Plattform werden, auf der Menschen ähnlich viel Zeit verbringen wie am PC im Büro oder dem Fernseher im Wohnzimmer. „Für Firmen wie Netflix wird es definitiv interessant, sobald Level 4 und 5 beim autonomen Fahren angeboten wird. Dann hat man Zeit, sich berieseln zu lassen. Das wird definitiv ein neues Geschäftsfeld“, sagt Kades von Alixpartners. „Es gibt eine enorme Transformation in der Automobilindustrie in Richtung Connectivity – also vom Blech hin zur Software“, sagt Here-Manager Kürpick. „Damit kommen natürlich viele neue Player ins Spiel – wie zum Beispiel Intel, die ja auch an Here beteiligt sind. Schon deshalb wird es noch eine ganze Weile sehr dynamisch bleiben.“

„Fahr mich zur besten Pizzeria“ – das Auto als Google für die reale Welt

Doch das Auto ist noch mehr als nur ein Fernseher auf Rädern – es bewegt sich auch und wird damit zu einer Art Google für die physische Welt. Egal ob ein Nutzer einen Film schauen will, ein Restaurant sucht oder zum Shoppen fahren will – die Chancen stehen in Zukunft gut, dass er danach ein autonom fahrendes Auto fragen wird.

„Es gibt eine enorme Transformation in der Automobilindustrie in Richtung Connectivity – also vom Blech hin zur Software.“

Der Satz „Fahre mich zur besten Pizzeria in der Nähe“ könnte künftig häufiger in einem Auto zu hören sein. Eine Frage, die die Branche noch nicht beantwortet hat, lautet: Wird daran jemand verdienen? Und wenn ja, wer? Dafür müssen nur noch die passenden Geschäftsmodelle gefunden werden. „Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, wie man diese Daten monetarisiert. Eine Option könnte zum Beispiel sein, dass es den Automobilherstellern wichtig ist, einen derartigen Dienst anbieten zu können“, sagt Kürpick von Here. Letztlich ginge es bei den Daten-basierten Geschäftsmodellen aber auch noch um viel mehr. „Es geht beispielsweise um Dienste, die mithilfe von aggregierten Sensordaten die Sicherheit auf unseren Straßen verbessern. Aber auch um neue Formen des Parkens – es sind nicht nur klassische Consumer-Szenarien.“

„Die Automobilhersteller haben schon einen sehr hohen Anspruch, diese Schlacht nicht zu verlieren.“

Doch werden die Nutzer wirklich das Auto fragen oder nicht doch eher wie bisher ihr Smartphone, das technologisch weiter ist? Sind die Autobauer in der Lage, Software zu entwickeln, die zu dem aufschließt, was Nutzer durch Google und Apple auf ihren Smartphones gewohnt sind? Andernfalls könnten kleinere Autohersteller, die den Aufwand scheuen, eigene Systeme zu entwickeln und dies lieber gleich Google oder Apple überlassen, künftige eine bessere User Experience bieten als teure Luxuskarossen.

Mit SAP gibt es nur ein einziges großes Software-Unternehmen aus Deutschland, das außerdem inzwischen zu großen Teilen amerikanisch geprägt ist – und SAP stellt reine Unternehmens-Software her, keine Software für Konsumenten. Die Infotainment-Systeme in Autos hinken der Entwicklung bei Smartphones seit Jahren hinterher: Sie sind weniger intuitiv und weniger ansehnlich als das, was Nutzer von ihren Mobiltelefonen gewohnt sind. „Die Automobilhersteller haben schon einen sehr hohen Anspruch, diese Schlacht nicht zu verlieren. Wenn Sie ein Auto haben, das 40.000 oder 50.000 Euro kostet, dann wollen Sie am Ende doch nicht ihr Smartphone mit einem Saugnapf an die Windschutzscheibe kleben – das kann man machen, aber cool ist das nicht“, sagt Kürpick von Here.

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