Analyse

Darum gefährden autonome Autos deutsche Zulieferer

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Hier müssten die Verantwortlichen „sehr genau überlegen“ was sie tun. Auf das falsche Pferd zu setzen, wie Berking es ausdrückt, könne fatale Folgen haben. Das wiederum führe dazu, dass die Zurückhaltung, etwas zu tun, sehr hoch sei – „denn es könnte ja falsch sein“, sagt der Experte aus Erfahrung.

Grundsätzlich, das lasse sich beobachten, gewinne die Notwendigkeit, mit anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten, „sehr an Bedeutung“. Denn durch eine solche Maßnahme könne auch ein kleines Unternehmen effektiv deutlich an Größe, Finanzkraft und Stabilität gewinnen. Ebensolche Kooperationen könne man bereits „über alle Ebenen“ beobachten, sagt Berking, also sowohl im Bereich der Branchenriesen als auch bei den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Bekannt sind vor allem die Joint Ventures von Automobilherstellern und Batterieherstellern oder solche im Leichtbau-Segment.

Stark spezialisierte Mittelständler vor Herausforderungen

Natürlich, sagt der Experte, würden sich die Großen der Branche in Sachen Zusammenarbeit besonders leicht tun, weil sie über ihre Zulieferlandschaft gut vernetzt seien. Bei den Kleinen sei das häufig ungleich schwieriger. Besonders all jene Mittelständler, die relativ stark spezialisiert seien und ihre strategische Ausrichtung plötzlich ändern wollten, stünden vor einer großen Herausforderung.

„Sie müssen jemanden finden, der etwas hat, mit dem sie gemeinsam angreifen können“ sagt Berking. Darüber hinaus müsse man sich der Tatsache bewusst sein, dass viele kleine Unternehmen im Gegensatz zu den Branchengrößten schlicht nicht gewohnt seien, zu kooperieren und Partnerschaften einzugehen.

Viele, insbesondere ganz kleine Firmen hingegen würden sich durch die Technik in ihrem Produkt differenzieren, seien hier möglicherweise sogar spezialisiert und hätten hierdurch einen Wettbewerbsvorteil. Ebendieser Fakt habe in vielen Fällen dazu geführt, dass man Kooperationen bisher nie gewollt habe.

Für solche Unternehmen, sagt Berking, sei ein Strategiewechsel als Reaktion auf Veränderungen am Markt natürlich besonders schwierig. Logischerweise könne sich ein hochspezialisiertes Unternehmen nicht über Nacht neu erfinden. Nicht selten müsse hier die Geschäftsführung ihr komplettes Mindset zum Thema Geschäftemachen umstellen, weiß der Experte aus Erfahrung.

Experte: Thema Kooperationen „unterentwickelt“

Thomas Schlick, Automobilexperte bei Roland Berger, ist der Auffassung, dass das Thema Kooperationen bei den Autozulieferern im Vergleich zu den Fahrzeugherstellern noch sehr unterentwickelt sei. Die Frage, die sich Zulieferer stellen müssten, laute: „Inwieweit bin ich offen für Kooperationen und somit offen, neue Wege zu gehen?“ Hier gebe es zurzeit „viele Diskussionen“, aber aus Schlicks Blickwinkel, wie er sagt, noch keine, die „wirklich gut geklappt hat“: „Da tut sich die Branche sehr schwer.“

Das Thema Kooperationen müsse allerdings dringend aufs Tapet, denn viele der einzelnen Betriebe könnten nicht weiterhin alles alleine machen. Sie könnten nicht alleine von Hardware auf Software umsteigen und weder einen weitreichenden Strategiewechsel alleine finanzieren, noch in der Kürze der Zeit einen solchen umsetzen.

Neben operativen Herausforderungen dürfte auch das Thema Unternehmenskultur eine tragende Rolle spielen. Allerdings seien, sagt Thomas Schlick, viele Firmen es nicht gewohnt, mit kulturellen Unterschieden umzugehen. Sie hätten über die Jahre lediglich gelernt, mit ihrer eigenen Unternehmenskultur erfolgreich zu sein.

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