Analyse

Studie: Wie sich die Autobranche bis 2030 verändern wird

Seite 2 / 2

Druck zur Senkung der Produktkosten

„Die Produktivitätsanforderungen an die Unternehmen werden entsprechend anspruchsvoller, Hersteller und Zulieferer werden darauf in ihrer Produkt- und Wertschöpfungsstrategie reagieren. Der Druck zur weiteren Senkung der Produktkosten wird in der gesamten Wertschöpfungskette erkennbar sein, also auch bei den Zulieferern“, sagt Johannes Berking, Principal bei Oliver Wyman. Den Takt, heißt es, würden die Hersteller vorgeben. 

Sie werden Entwicklung, Produktion und auch die Lieferantenbasis in Zukunft vermutlich noch stärker in den wachsenden Absatzmärkten, also etwa in Asien, positionieren. Von Zulieferern wird erwartet, dass sie diesen Weg mitgehen. „Dies setzt vor allem kleine und mittelständische Zulieferer bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz unter Zugzwang, die eigene Internationalisierung voranzutreiben“, sagt Berking. 

Elektrofahrzeug: Das Model 3 von Tesla

1 von 9

Rund 90 Prozent der deutschen Zulieferindustrie sind solche kleinen und mittleren Unternehmen. Doch auch die größeren Supplier richteten sich auf die Veränderung ein, schreiben die Studienautoren. Der Hochlauf der Elektromobilität mache die „Spielräume für das traditionelle Geschäft enger“. 

Weltweit produzierte Fahrzeuge nach Antriebstechnologie (Grafik: Oliver Wyman)

Weltweit produzierte Fahrzeuge nach Antriebstechnologie. (Grafik: Oliver Wyman)

Im Jahr 2030 werden laut der Studie Elektroautos (BEV) rund ein Viertel des Pkw-Weltmarkts ausmachen. Der Anteil der Hybrid-Fahrzeuge steige auf 37 Prozent. Nicht nur der technische Wandel sorge für Druck: „Lokale Beschaffungsquoten bis zu 80 oder 90 Prozent je nach Hersteller sowie globale Plattformen erfordern von den deutschen Automobilzulieferern ein noch stärkeres Engagement im Ausland, damit sie auch weiterhin im Geschäft sind“, sagt Berking.

Wertschöpfung: Schwellenländer holen auf

Die Autoren gehen davon aus, dass sich die Wertschöpfung der globalen Automobilindustrie erheblich zugunsten der Schwellenländer verschieben könnte. Bis 2030 werden laut Studie Nordamerika, Europa, Japan und Korea zusammen zehn Prozentpunkte Wertschöpfungsanteil an Schwellenländer verlieren. 

Schon in den Jahren 2012 bis 2016 konnte beispielsweise China die Zahl der OEM-Werke im Land um rund ein Drittel von 32 auf 42 steigern. „China wird in der Produktion bald Europa von der Spitzenposition verdrängen“, prognostiziert Buss.

Automobile Wertschöpfung des Premiumsegments (Grafik: Oliver Wyman)

Automobile Wertschöpfung des Premiumsegments. (Grafik: Oliver Wyman)

Der Studie zufolge wird Europa im Jahr 2030 mit immer noch 50 Prozent der gesamten Wertschöpfung zwar weiter das Premiumsegment dominieren (2017: 56 Prozent), der Anteil Chinas werde allerdings von 13 Prozent auf 20 Prozent steigen. Die sogenannte Glokalisierung der eigenen Wertschöpfung, also die globale Gestaltung der eigenen Produkte und Prozesse, werde für die Zulieferer mehr und mehr wettbewerbsentscheidend, sagt Berking. 

Hinzu komme, dass sich die Fahrzeuge und damit ihre Komponenten inhaltlich stark verändern, ergänzt er: „Bereits heute entwickeln Automobilzulieferer ein neues Produktverständnis, weil sie am Markt für vernetzte Fahrzeuge teilhaben wollen. Immer wichtiger werden digitale Dienste und Anwendungen für das Fahrzeug, die auf Softwarelösungen basieren.“

Rolle des digitalen Integrators

Gute Aussichten auf margenstarkes Wachstum etwa bietet laut Studie in Zukunft die Rolle des digitalen Integrators. Dieser werde dank hoher Fähigkeiten etwa bei der Integration von Software und der Digitalisierung von Produkten sowie eines globalen Produktions- und Entwicklungsnetzwerks für Hersteller unverzichtbar. 

Sogenannte Tier-0,5-Zulieferer dagegen könnten sich zwischen OEM und Premiumlieferanten (Tier 1) schieben. Sie bieten noch komplexere Systeme an, etwa komplette Fahrgestell-„Skateboards“ für E-Autos oder Gesamtsysteme für autonomes Fahren. Am anderen Ende der Wertschöpfungskette werden sich Online- und direkte Aftermarket-Geschäfte stark entwickeln und Zulieferer herausfordern.

Viele Unternehmen würden sich schon auf die „stürmischen Zeiten“ vorbereiten, schreiben die Studienautoren. Die Handlungsfelder seien vielfältig und reichten von schnellerem Launch-Management über Wachstums- und Investitionsfinanzierung in einem anspruchsvolleren Zinsumfeld bis hin zur Gewinnung neuer Talente. 

Ein wichtiges Erfolgskriterium gerade für kleine und mittlere Zulieferer bestehe darin, ob es ihnen gelinge, hoch qualifizierte und motivierte junge Mitarbeiter im globalen Talentwettbewerb an sich zu binden, sagt Buss: Re-Innovation in einer Zeit der Disruption werde in einer durch Konsolidierung und Neuordnung bestimmten Zuliefererlandschaft zur Überlebensstrategie, an die sich auch die Hersteller anpassen müssten.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

Schreib den ersten Kommentar!

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.