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Barrierefreiheit: Kann man die Teilhabe von Behinderten als unzumutbar ansehen?

Ist Barrierefreiheit wirklich  noch eine unzumutbare Herausforderung für Unternehmen? (Foto: Brunopui / Shutterstock)

Die Pizza-Kette Domino’s soll in den USA für einen barrierefreien digitalen Zugang sorgen. Doch Barrierefreiheit koste zu viel, argumentiert das Unternehmen. Jetzt entscheidet der Supreme Court. 

Anfang 2019 hat ein US-Gericht die Pizzakette Domino’s dazu verurteilt, dass sie ihre Website behindertengerecht und barrierefrei für Blinde gestalten müsse. Grundlage hierfür ist der Americans with Disabilities Act (ADA). Ein Blinder hatte 2016 mehrfach versucht, eine Pizza via App und Web mit zusätzlichen Zutaten zu bestellen, und war hieran gescheitert. Auch Rabatt-Vouchers ließen sich dabei nicht nutzen, was offenbar mit der nicht korrekten Gestaltung der App und der Anordnung der Grafikelemente zusammenhängt.

Die Behindertengesetze gelten hier schon deutlich länger als in einigen europäischen Ländern – und sehen vor, dass auch größere Unternehmen dazu verpflichtet sind, Blinden und Sehbehinderten barrierefreien Zugang und Teilhabe anzubieten. Das bedeutet in der Tat, dass zahlreiche Konzerne bei ihren Websites und Apps, insbesondere eben im Mobile-Umfeld, nachbessern müssten. Daher ist der Rechtsstreit, der inzwischen ein Fall für den Supreme Court ist, auch ein Streitfall, der in den USA für ein Grundsatzurteil sorgen könnte.

Barrierefreiheit – auch und gerade im Internet wichtig

Die Pizza-Kette argumentiert dagegen, dass sich das Behinderten-Teilhabe-Gesetz von 1990, auf das sich die Kläger beziehen, eben nicht direkt auf Websites und insbesondere Mobile Apps beziehen könne, die seinerzeit noch nicht Thema und existent waren. Gegenüber dem obersten Gericht der USA versucht Domino’s plausibel zu machen, dass die Kosten für die Barrierefreiheit in die Millionen gehen würden – und es deswegen dem Unternehmen nicht zumutbar sei. Zwar hätten Unternehmen grundsätzlich kein Interesse daran, Kundengruppen auszugrenzen und zu diskriminieren, ein derartiger Aufwand stehe aber in keinem vernünftigen Verhältnis, heißt es in einem 35-seitigen Papier, das Domino’s eingereicht hat. Die Anwälte des Klägers sehen das naturgemäß anders.

In den USA ist die digitale Barrierefreiheit aktuell ein Thema für zahlreiche Unternehmen. Laut CNBC stieg die Zahl der Klagen über nicht behindertengerecht zugängliche Websites im vergangenen Jahr um 58 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Initiiert wird vieles offenbar von einer kleineren Zahl an Anwaltskanzleien, die über die Vielzahl an Fällen möglicherweise den Druck auf den Supreme Court und die Gesetzgebung erhöhen wollen.

t3n meint: Es ist nicht zu viel verlangt, wenn Behindertenverbände einfordern, dass Websites barrierefrei sein sollen. Denn vieles, was in diesem Kontext programmiert wird, kommt, wenn die Programmierer ordentlich arbeiten, auch anderen Nutzern zugute. Und sich um eine ordentlich strukturierte Website zu kümmern, hat noch keinem Unternehmen geschadet. Das Thema ist nun wirklich nichts Neues mehr – und angesichts der gar nicht so seltenen Relaunchs von Websites beileibe keine Zumutung. Tobias Weidemann

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17 Kommentare
Bide

Schwieriges Thema aber ich sehe hier eigentlich eher die jeweiligen Staaten in der Pflicht eine entsprechende Anpassung zu bezuschussen, da es sich hierbei eindeutig nicht um gewerbliches oder unternehmensspezifisches sondern grundlegend um öffentliches Interesse handelt.

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Lästerschwester

Und – ist eure Webseite denn barrierefrei ?!

Nö !!!!

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Elena
Elena

Dachte genau das gleiche! Sorry, t3n, aber das Stetement am Schluss ist ein wenig peinlich…

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dennis
dennis

Das Statement am Ende ist sogar ziemlich herablassend: „wenn die Programmierer ordentlich arbeiten“.
Bedeutet nichts anderes, dass eine Website, die nicht Barrierefrei ist, von nicht ordentlich arbeitenden Programmierern entwickelt worden ist. Schade für die Entwickler von t3n, sehr schade, dass ihr so öffentlich eure eigenen Arbeiten herabsetzt.

Benutzer
Benutzer

Sowas könnte man doch auch als Universal-Plugin für jede Webseite identisch einpflegen.

Ein Behinderter muss nicht das Anrecht haben, auf die gesamte Medienvielfalt eines Dienstes zurückzugreifen, für ihn aber sowas wie eine Light-Version anzubieten sollte doch möglich sein.

Ohne CSS oder Grafik, stupide Formularkataloge mit Frage – Antwort Spiel auf eine Subdomain gepackt, der Name der Subdomain könnte dann sogar Standarisiert werden: disabled.example.com.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

„Ein Behinderter muss nicht das Anrecht haben, auf die gesamte Medienvielfalt eines Dienstes zurückzugreifen,“

Doch, weil Grundgesetz.

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Benutzer
Benutzer

Und wie willst du ihm das sehen dann beibringen?

Kiezkickerde
Kiezkickerde

Man muss nicht sehen können, um eine Webseite nutzen zu können. und die dort enthaltenen Informationen zu erhalten. Sofern die Webseite gut gemacht ist….

Lästerschwester

Nur weil ‚Mutti‘ ‚behindert‘ ist müssen WIR Barrieren beseitigen:

Mutti ist schwarz, nicht farbig, nicht braun, grün, rot (darf man dass sagen ?) !

Mutti mag braun nicht leiden obwohl sie schwarz ist (ist doch ’ne ähnliche Farbe).

Grün gefällt ihr schon eher, obwohl nicht wirklich und rot, nur manchmal aber eigentlich nur schwarz.

Mutti mag nur ihre Farbe leiden, voll behindert von Mutti, Mutti möchte immer das WIR was für Mutti tun aber Mutti tut nix für uns.

Mutti sieht alles schwarz, Mutti muß weg.

Tobias

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Und dennoch werden tagtäglich Menschen auch und gerade wegen ihrer politischen Meinung benachteiligt – oder schlimmeres.

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Lästerschwester

Ich glaube das die Geschlechtsteile nach dem Tod weiterleben.

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Lästerschwester

Wenn man eine große Lüge erzählt und sie oft genug wiederholt, dann werden die Leute sie am Ende glauben. Man kann die Lüge so lange behaupten, wie es dem Staat gelingt, die Menschen von den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Konsequenzen der Lüge abzuschirmen. Deshalb ist es von lebenswichtiger Bedeutung für den Staat, seine gesamte Macht für die Unterdrückung abweichender Meinungen einzusetzen. Die Wahrheit ist der Todfeind der Lüge und daher ist die Wahrheit der größte Feind des Staates.

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Benutzer
Benutzer

Yay, wir gestalten Netflix und Youtube für Blinde barrierefrei. Und als Bonus machen wir mit Youporn und den ganzen Pornos weiter.

Keine Frage, die Dienste barrierefrei zu gestalten, die auch verwendet werden, aber meist wird eine Behinderung nicht das gesamtge Angebot einer Webseite betreffen.

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Lästerschwester

Bei YouPorn mit Audiodiskription: Er steckt ihn rein, er zieht ihn raus, er steckt ihn rein, … !

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Matthias
Matthias

Wie schön, dass ihr z.T. so viel Ahnung von Barrierefreiheit habt. Das ist insgesamt sehr traurig inkl. T3n. Der Kommentar von T3n ist richtig, aber eben peinlich, da sie ihre eigene Seite nicht Barrierefrei gebaut haben. Die anderen Kommentare sind mitunter extrem dämlich und diskriminierend. Gruselig.

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Lästerschwester

Wenn plötzlich 2 Kommentare fehlen dann war’s T3nsur (frei nach Intention von Zensursula).

Hoch lebe die Meinungsfreiheit ihr HuSö.

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Daniel Seitz
Daniel Seitz

Hi, vielleicht interessiert auch der Kommentar eines Blinden dazu, er sieht die Klage von Domino’s als weitreichend und mit langfristigen Folgen https://www.netz-barrierefrei.de/wordpress/newsletter-digitale-barrierefreiheit/neuigkeiten-zur-barrierefreiheit-im-september-2019/#Der_Fall_Domino8217s

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