Kommentar

Berlin ein Failed State? Warum Paul Ziemiak Recht hat

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Die lange Liste des Berliner Scheiterns

Diese Liste hört nicht in Behörden auf: Unausgegorene Meldungen wie der Mietendeckel (oder eher der Bedarf eines Nieten-Deckels, wie es der SPD’ler und ehemalige Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky sagt), wirtschaftsfeindliches Verhalten wie im Falle des geplanten Siemens Campus, Untätigkeit wie auf der Friedrichstraße und bei der möglichen Abwanderung der Galleries Lafayette, die arrogante Ablehung von Entwicklungschancen (Karstadt am Herrmansplatz), die schlechte Behandlung von Berliner Szene-Institutionen wie dem Holzmarkt, die unsägliche Geldverschwendung mit den gepunkteten Straßen und den ungenutzten Sitzecken („Begegnungszonen“), der Flughafen, die Kündigung der Toilettenwerbung am Ku’damm (der zu fehlenden Toiletten führt) – zu jedem dieser Punkte könnte man Absätze schreiben, die den Rahmen jedes Artikels sprengen würden. Aber alle führen zu dem selben Resultat: Diese Stadt wird schlecht regiert und ist einer Hauptstadt, die zur Weltstadt wird, nicht würdig. Nicht umsonst ist keine Bevölkerung in Deutschland so unzufrieden mit ihrer Landesregierung wie die Berliner.

Die Kreativ-Szene ist trotz des Senats in Berlin, nicht deswegen

Berlin ist nicht dank des Senats lebenswert, sondern trotz des Senats. Berlin ist nicht dank des Senats Sitz der Kreativ- und Startup-Szene, sondern trotz des Senats. Berlin ist nicht dank des Senats Weltstadt, sondern trotz des Senats.

Auf das wesentliche konzentrieren: Stadt am Laufen halten!

Man mag sich gar nicht ausmalen, wie diese Stadt gedeihen könnte, wenn der Senat sich mal auf das Wesentliche konzentrieren würde – nämlich, diese Stadt einfach am Laufen zu halten. Wenn der Maschinenraum läuft und alles funktioniert, kann man sich bei anderen „sanften“ Themen auch eine gewisse Liberalität erlauben und Schwerpunkt auf Themen setzen, die nicht im Rahmen des täglichen Lebens liegen. Siehe Kopenhagen, Stockholm, Amsterdam und viele andere Städte.

Berlin geht sehr in Richtung „Failed State“

Wenn aber selbst der Maschinenraum hoffnungslos kaputt ist, dann sollte man ihn vielleicht zuerst reparieren, bevor man sich Sorglosigkeit erlaubt. Darum wird Berlin nicht gut regiert – und das geht dann (wenn auch sehr extrem formuliert) sehr in die Richtung eines „Failed States“.

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9 Kommentare
Werner .
Werner .

Dem kann ich nur zustimmen.
Allerdings, zum Tango gehören 2.
Scheinbar gefällt den Bewohnern dieser Zustand. Eine entsprechende Regierung wurde gewählt.
So lange diese Tanzveranstaltung aus dem Süden der Republik zwangsfinanziert werden muss, wird sie auch weitergehen..

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Der Süden hat absolut nichts zum Erfolg der dortigen Wirtschaft beigetragen. Gar nichts. Null, Nada. Niente. Es ist schlicht Zufall dass dort Kinder gezeugt wurden, deren Unternhemen viele Jahrzehnte später Produkte in alle Welt exportieren. Die Politik hat dazu nichts beigetragen. Und sie wird auch nicht den Untergang aufhalten und die Massenarbeitslosigkeit beenden, die auf die Regionen mit Dinosauriertechnik zukommt.

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Werner .
Werner .

ach die Welt ist so schlecht..willkommen in der Welt der Opfer..

Titus von Unhold
Titus von Unhold

Sag das Finn, der den Jammertext geschrieben hat.

Jörg
Jörg

Tja, und wer hält die Maschinen am Laufen, wer sind die Maschinisten? Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer, Behördenmitarbeiter, Krankenschwestern, … Und was wurde in den letzten 20 Jahren vom Berliner Senat kaputtgespart? Der Öffentliche Dienst! Wenn man Maschinisten entläßt, niemand die Maschinen schmiert, man sie verrotten läßt, dann hektisch Hilfsmaschinisten einstellt, die von „tuten und blasen“ keine Ahnung haben, muß man sich nicht wundern!
Beispiel Berliner Feuerwehr: Es ist die größte und älteste Feuerwehr des Landes. Darauf ist man stolz.
Es ist aber auch die Feuerwehr mit der höchsten Belastung (Einsätze pro Mitarbeiter) und der schlechtesten Bezahlung! Und miesen Arbeitsbedingungen! Also rennen die Leute weg und neue kommen nicht.
Das alles weiß der Senat, bzw. er könnte es wissen! Aber anstatt ausreichend Maschinisten mit korrekter Bezahlung anzuwerben, die alten Maschinisten anzuhören, weil sie die Maschine kennen, werden Ölläppchen ausgeteilt …
Wer mehr wissen will:
https://berlinbrennt.info

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Arne Klocks
Arne Klocks

Cool , dieser CDU-Vogel macht jetzt in „Cannabis-startup“ , weil „Movinga“ dann irgendwie doch nicht
so der Hit war, wie fast alle Firmen die er „gross“ gemacht hat. Grosse Klappe, so gar nichts dahinter. Man kann im Internet lesen, dass seine grösste Schwäche das „Aufschieben“ ist, da wundert es einen nicht, dass er nicht in der Lage ist wie andere Termine bei Bürgerämtern innerhalb weniger Tage oder gar am gleichen Tag zu bekommen. Sprich einer der vielen Dummquatscher ohne den diese Stadt nicht ärmer ist.

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Finn Age Hänsel
Finn Age Hänsel

Hallo Arne (auch wenn Du wahrscheinlich nicht so heißt). Schöne Grüße vom CDU-Vogel an den armen Internet-Troll, der scheinbar kein anderes Hobby hat, als unsachlich Leute zu beleidigen. Normalerweise reagiere ich auf solche Wutbürger-Posts nicht – aber vielleicht bringt es ja was und Du guckst einfach mal in den Spiegel und fragst Dich, woher Deine Wut eigentlich kommt …

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e862b3fb43ff3028
e862b3fb43ff3028

Kann dem Beitrag leider nur zustimmen. Schwierig wird es nur sein, eine Balance herzustellen zwischen Liberalität und einer funktionierenden Verwaltung.

Bei den Bürgerbüros hat es meiner Meinung nach auch viel mit Organisation und Kultur zu tun, das ist nicht nur eine Finanzierungs- und Ausstattungsfrage. Wenn im Bürgerbüro Charlottenburg von 6 Sachbearbeiterinnen 3 Solitär spielen, weil die Termine nicht wahrgenommen werden, dann liegt es nicht an veralteten Rechnern. Ich habe es selbst gesehen.

@Titus von Unhold: Ist das ernst gemeint? Stichworte sind Länderfinanzausgleich, aber eben auch zahlreiche Bundeshilfen für Berlin (für Einzelprojekte, wie Humboldt Forum). Und im Süden, das muss man neidisch anerkennen, hat die Politik sehr wohl viel richtig gemacht, weil sie damals Unternehmen ansiedeln ließ, die im Ruhrgebiet mehr oder weniger abgewiesen wurden.

Wenn ich mir z.B. die Wirtschaftsförderung und Initiativen zur Ansiedlung von asiatischen Unternehmen in einer Stadt wie Düsseldorf anschaue, ist Berlin davon Lichtjahre entfernt: Politik ist relevant.

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Titus von Unhold
Titus von Unhold

Nein, die Wirtschaftszweige die in BW und BY das Geld bringen (Maschinenbau, Pharma und Chemie, sowie Medizintechnik), haben sich dort bereits zu Kaiserzeiten angesiedelt. Damals hat es den politischen Förderalismus der eine Ansiedlung hätte möglich machen oder verhindern können noch nicht gegeben. Es war schlicht Zufall und Glück dass die Betriebe trotz Versailles und Zwangsarbeit zweimal nicht enteignet wurden. Diese Früchte hat die Politik geerntet, das war es aber auch an Leistung.

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