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Porträt

Frisch und Luft: Skurriles Berliner Bio-Startup trocknet deine Wäsche an frischer Landluft

Frisch und Luft will den Wäscheständer aus den eigenen vier Wänden verbannen. (Foto: Shutterstock-PhotoElite)

Frisch und Luft heißt ein Berliner Startup, das die Wäsche der Großstädter auf Brandenburger Leinen bringt. Die Abholung und Lieferung sind inklusive – und natürlich ist alles Bio.

Es gibt Ideen, die passieren vor ihrer Zeit. Ideen, die genau richtig kommen. Und Ideen, die egal wann, zum Scheitern verurteilt sind. Wo sich „Frisch und Luft“ einordnet, bleibt noch abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass das Unternehmen schon jetzt Anspruch auf den Titel eines der skurrilsten deutschen Startups erheben kann. Dabei will die Gründerin Juliana Bardolim-Vorontsov eigentlich nur ein Problem vieler Berliner lösen. „Das Leben in der Hauptstadt hat neben den Vorteilen auch Nachteile“, erklärt sie und meint damit, dass Großstädter zum einen zu wenig Zeit zum Waschen aber auch zu wenig Platz haben, um die eigene Wäsche in der Wohnung zu trocknen. „Wir wollen unsere Kunden vom Waschen befreien und ihnen dadurch mehr Freizeit und Raum in der Wohnung geben.“

Den Wäscheständer aus der Wohnung verbannen

Das Startup hat es sich zum Auftrag gemacht, den Wäscheständer aus den eigenen vier Wänden zu verbannen. Und dabei noch ganz nebenbei für ländlichen Frischeduft darin zu sorgen: Die Macher holen die Wäsche zahlungswilliger Berliner nämlich nicht nur ab, waschen sie, trocknen sie und bringen sie anschließend zurück zu den Eigentümern. Das Trocknen der Sachen passiert sogar auf einem brandenburgischen Hof. An der Landluft. Und als wäre das nicht schon besonders, passiert das alles sogar unter Bio-Kriterien. Denn auch beim Waschmittel achtet die Gründerin auf hohe Qualität. Die Idee zur Biowäscherei entstand im Übrigen aus dem Eigenbedarf heraus. Bardolim-Vorontsov, die zusammen mit ihrem Mann, den zwei Kindern und einem Hund in Friedrichshain lebt, wollte große Wäschestücke aus ihrer Wohnung haben und sie an ein geeignetes Unternehmen geben.

Juliana Bardolim-Vorontsov: „Die Idee scheint nur skurril zu sein.“ (Foto: Privat)

Da es die Traum-Wäscherei jedoch weit und breit nicht gab, hat die Familie sie selbst eröffnet. Die meisten Dienstleister haben sich auf Berufskleidung spezialisiert. Andere große Unternehmen trocknen die Textilien wiederum nicht an der Luft. „Wir waschen grundsätzlich nur große Wäschestücke wie Bettlaken, Decken, Bezüge und so weiter“, erklärt Juliana Bardolim-Vorontsov. Aus der Lücke heraus resultierte flott das Konzept für ein Startup, das bereits erste Kunden gewinnen konnte. Die Gründer legten Werbebroschüren in Biosupermärkten aus. Auf knapp 150 Haushalte und einige Geschäftskunden sei der Kundenstamm inzwischen angewachsen. Interessenten können online ihre Postleitzahl angeben und schauen, ob „Frisch und Luft“ die Nachbarschaft anfährt. Wie bei einer Lieferando-Bestellung kommt dann der Bote an die Haustür.

Ein guter, wichtiger und hilfreicher Service

Inmitten von Kiefernwäldern und in der Nähe eines Sees, ganz am Rande eines Naturschutzgebiets, wäscht, bügelt und trocknet Bardolim-Vorontsov zusammen mit ihrem Mann bereits seit einigen Monaten die Laken, Handtücher und Vorhänge der Hauptstädter. Pro Wäschekorb kommen immerhin 15 Euro in die Kasse. Davon leben kann die Familie aber nicht, verrät die Gründerin. Noch schreibe man rote Zahlen. Bislang wurde alles aus eigener Tasche bezahlt. Jedoch ist erst kürzlich ein Kredit bewilligt worden, mit dem die Unternehmer ihre Ausstattung vergrößern wollen – geplant seien neue Waschmaschinen, eine Bügelmaschine, Wäscheleinen und ein Lieferwagen. Auch, wenn die Nachfrage bislang noch nicht hoch genug sei, die junge Frau glaubt an den eigenen Erfolg.

Auf den Einwurf hin, dass das ganze Konzept von Außen etwas extravagant wirke, reagiert Juliana Bardolim-Vorontsov entschieden. „Die Idee scheint nur skurril zu sein. In Wirklichkeit geht es um einen guten, wichtigen und hilfreichen Service, der das Leben erleichtert.“ Für die Gründerin scheint das Geschäft damit zur Herzensangelegenheit geworden zu sein. Die frische Wäsche mache glücklich und das Angebot unterscheide sich deutlich von den städtischen Wäschereien, die zudem viel teurer seien. Einziges Problem ist, dass viele Berliner noch nichts von „Frisch und Luft“ gehört haben. Ein gehöriger Teil der Kunden ist vor allem über Mundpropaganda auf das Angebot aufmerksam geworden. Doch auch medial bekommt das Startup zunehmend Aufmerksamkeit. Man darf gespannt sein, was langfristig davon übrig bleibt.

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4 Reaktionen
Matthias

Die Idee ist natürlich sehr abwegig. Aber wenn die Gründerin nicht ein paar gravierende Fehler gemacht hätte, dann hätte das vielleicht Erfolg haben können.

1. Klassiker: Skalierung. Momentan steht sie und ihr man da an den Maschinen und sie waschen und bügeln auf Teufel komm raus selber. Abgesehen davon, dass das so ziemlich die müßigste Tätigkeit ist, die man sich aussuchen kann (meine Meinung), wie soll das skalieren, wenn das Erfolg hat? Mitarbeiter einstellen, klar. Aber bei 9 Euro Mindestlohn ist nix mehr mit 15 Euro pro Wäschekorb. Irgendwann braucht man eine bessere Software / Logistik, Buchhaltung, "unproduktives" Personal für Verwaltung und Kundenbetreuung (Overhead). Hier kann man aber kaum Skaleneffekte nutzen. Aufwand und Kosten pro Wäschekorb bleiben auch bei steigender Auftragslage identisch. Vielleicht gibt s Mengenrabatt beim Waschmittel.
Und der Platzbedarf. Was ist teurer als Raum in Deutschland?

2. Der Preis. 15 Euro pro Wäschekorb ist wahrscheinlich schon zu teuer für mindestes 80% der Bevölkerung im Zielgebiet. Das wohlhabende Personen ihre Luxus-Designer-Kleidung einer normalen Waschmaschine (Haftung? Was passiert, wenn das Chanel-Top oder die Cavalli Jeans einläuft?) mit Lufttrocknung (Sicherheit? Wird das bewacht?) anvertrauen darf bezweifelt werden.
Bleibt als Rest so eine hipsterige Mittelschicht, die die 15 Euro pro Wäschekorb löhnen würde, damit ihre Klamotten in Bio-Luft hängen. Ob das zum Überleben reicht...

3. Und wenn es regnet? Was geht im Herbst? Im Winter? Wie viele Tage soll die Wäschen denn zum Trocken draußen hängen, bei 5°C?

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Mann kann rechnen

Nachtrag: Welche Bank vergibt für so ein Geschäftsmodell einen Kredit? Die sollten eigentlich mit Geld rechnen können.

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Mann kann rechnen

Falls Juliana Bardolim-Vorontsovs Mann auch nur ein klein wenig rechnen kann, tut der mir echt leid, mit so einer "tollen" Unternehmerin verheiratet zu sein. Die Unternehmung kann eigentlich nur scheitern.

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Insomnia

Die Leute die keinen Platz für nen Wäscheständer haben, haben erfahrungsgemäß einen Trockner. Da ich keinen einzigen kenne, der dieses Problem hat, glaube ich, dass diese Idee scheitern wird. Also ein paar extravagante Kunden wird es sicher geben aber nicht genug, dass das auf lange Sicht funktioniert.

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