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Berliner Agenturen geben ihren Mitarbeitern Sonderurlaub – für die Demo in Chemnitz

Teilnehmer der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida versuchen ein in Chemnitz an das Karl-Marx-Denkmal angebrachte Plakat abzunehmen. (Foto:dpa)

Nach den Nazi-Aufmärschen in Chemnitz: Die Berliner Digital-Agentur TLGG und die Werbeagentur Scholz and Friends haben angekündigt, ihren Mitarbeitern Sonderurlaub zu geben – um zum Demonstrieren nach Chemnitz zu fahren.

In Chemnitz, so scheint es, ist momentan Ausnahmezustand: Nach den rechten Demonstrationen und Ausschreitungen Anfang der vergangenen Woche fanden am Wochenende wieder etliche Demonstrationen statt: Am Samstag zogen ca. 8.000 Menschen nach den Aufrufen der AfD und der rechten Gruppe Pro Chemnitz durch die Stadt. Am Samstag und Sonntag gab es Gegendemonstrationen mit 1.000 bis 3.000 Teilnehmern unter dem Motto „Herz statt Hetze“.

Nun wollen zwei große Werbeagenturen  ihrer Belegschaft frei geben – um am Montag zum Demonstrieren nach Chemnitz zu fahren. Dort findet heute ein Konzert gegen rechte Hetze unter dem Motto #WirSindMehr statt.

Für heute ist in Chemnitz auch wieder eine Großdemonstration angekündigt, und diesmal wollen auch Kreativagenturen aus Berlin und Hamburg mit dabei sein: Am Freitag der vergangenen Woche kündigte die Digitalagentur TLGG an, ihren Mitarbeitern am Montag Sonderurlaub zu gewähren. „Wenn eine Horde Schläger die Tötung eines jungen Mannes zum Vorwand nimmt, überregional gegen Menschen mobil zu machen, die irgendwie aussehen wie die mutmaßlichen Täter, dann haben wir nichts Besseres vor.“, so die Agentur in einem Statement auf Twitter. „Wenn ganz normale Bürger Hitlergrüße, ‚Ausländer raus‘ und besoffene Schläge zu Akten der Trauer verklären, dann twittern wir nicht clever #schämnitz. Dann zeigen wir Präsenz!“, so die Agentur.

In einer Pressemitteilung schrieb die Agentur TLGG am Freitag, es gäbe nicht nur Sonderurlaub für die Teams, auch die Anreise würde zusammen organisiert werden. „Jetzt ist nicht die Zeit, sich schweigend etwas auf seine Toleranz einzubilden“, sagt Fränzi Kühne, Mitgründerin der Agentur und Aufsichtsrätin bei Freenet.

Kühne und ihre Mitgründer Christoph Bornschein und Boontham Temaismithi planen dabei anscheinend eine Art der Mobilmachung der Agenturen gegen rechte Hetze. Die 180 Angestellten würden auch die „Kommunikation der Reise gemeinsam planen und gestalten“, heißt es in der Mitteilung. Simon Bölts, Projektmanager bei TLGG und einer der Initiatoren der Reise sagte: „Wir wollen neue Plattformen, Konzepte, Ansätze für den Dialog finden. Wir wollen einen gesellschaftlichen Diskurs jenseits der Tweet- und Kommentarreigen der Behauptungen, Statistikfragmente, sich selbst bestätigenden Quellen. Und dafür suchen wir Partner.“

Einen Partner scheinen sie dabei schon gefunden zu haben. Stefan Wegner, Partner bei der Agentur Scholz and Friends schrieb am Freitagabend auf Twitter, dass auch die Scholz-and-Friends-Mitarbeiter in Berlin freibekämen, um zur Demo nach Chemnitz zu fahren. Die Anreise, so Wegner, in einer Nachricht an t3n.de, würde aber nicht gemeinsam organisiert.

Abzuwarten bleibt, wer von den beiden Agenturen die kreativeren Schilder mit nach Chemnitz bringt.

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2 Kommentare
Anderer Max
Anderer Max

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Antworten
Helmut
Helmut

Ob Hetze besser ist als Hetze?
Für mich ist das mittlerweile eine Sosse: beide Seiten haben ihre Kampfparolen und sind vernunftresistent…
Samesame.
Fanatismus ist nie gut, ganz egal unter welchem Fähnchen.

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