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So könnte Deutschland digitaler werden

© courtneyk - iStock.com

In Deutschland geht es in Sachen Digitalisierung nur schleppend voran, attestiert die Bertelsmann-Stiftung – und gibt in Form eines Forderungskatalogs ein paar Tipps, wo Politik und Wirtschaft ansetzen könnten.

Deutschland müsse bei der Digitalisierung aufs Tempo drücken, lautet der eher wenig überraschende Tipp, den die Bertelmann-Stiftung Deutschland mit auf den Weg gibt. Immerhin: Anhand des sogenannten „Forderungskatalog für ein digitales Deutschland“ möchte man nun auf bestehende Missstände aufmerksam machen – und zeigen, „wo was getan werden muss, damit wir nicht international den Anschluss verlieren”.

„Kein netzpolitisches Papier”

Dieser wohl gut gemeinte Katalog vertiefe ausdrücklich nicht einzelne Handlungsfelder wie etwa „Industrie 4.0“ und sei auch kein netzpolitisches Papier. Im Mittelpunkt stehe vielmehr die „Ausgestaltung eines Ordnungsrahmens mit klaren digitalen Akzenten, durch den Deutschland sich zu einer erfolgreichen und international wettbewerbsfähigen Digitalnation entwickeln kann”. Gleichwohl seien diese Rahmensetzungen an der europäischen Perspektive auszurichten. Insbesondere bei den Themen Datensouveränität, Standardisierung und Daseinsvorsorge seien europäische Entwicklungen für Deutschland „von großer Relevanz”, heißt es im Forderungskatalog.

Überhaupt einen solchen zu publizieren, sei schon deshalb nötig, weil in Deutschland „so manche digitale Neuerung bereits durch schlechten WLAN-Empfang und bürokratische Hürden gestoppt” werde, sagt die Stiftung. „Recherchen” hätten ergeben, dass „wir im Vergleich zu anderen Staaten ein digitales Entwicklungsland sind”. Der Forderungskatalog soll deshalb auflisten, „wo in unserem Land welche Schwerpunkte gesetzt werden müssen, damit die Digitalisierung auch bei uns gelingt”. Er konzentriert sich dabei auf „vier zentrale Handlungsfelder”.

Verankerung von Zuständigkeiten auf Bundesebene

Im Bereich „Digitaler Rechts- und Organisationsrahmen” gehe es darum, Akteure und Rechtsinstrumente miteinander zu vernetzen und zu koordinieren. Da Digitalisierung als Querschnittsthema alle Lebens- und Politikbereiche erfasse, stelle sie die Gesellschaft vor umfassende Planungs-, Steuerungs- und Koordinierungsaufgaben, die „eine adäquate organisatorische Verankerung von Zuständigkeiten auf Bundesebene” erfordere. Daher, so der Vorschlag der Bertelsmann-Stiftung, sollten diese Aufgaben vor allem im Bundeskanzleramt, aber auch in den Staatskanzleien der Länder „als zentrale Steuerungsaufgabe” angesiedelt und „personell adäquat ausgestattet” werden.

Zudem sei es wichtig, endlich so etwas wie eine flächendeckende digitale Infrastruktur auszubauen, um auch wirklich alle Bürger von den neuen Technologien profitieren zu lassen. Diese Informations- und Kommunikationstechnik sicher zu machen, sei eine weitere wesentliche Aufgabe, die es zeitnah zu lösen gelte: „Nur wenn digitale Anwendungen sicher sind, werden die Bürger sie dauerhaft akzeptieren und ihnen vertrauen.”

„Lern- und Kommunikationsräume” gefordert

Nicht unwesentlich dürfte auch das letzte der definierten Handlungsfelder sein: der Ausbau der sogenannten digitalen Kompetenz. Um Technologien und Medien professionell nutzen zu können, müssten Bürger bereits frühzeitig lernen, wie man mit diesen sinnvoll und gewinnbringend umzugehen habe, heißt es. Im Rahmen einer anzupeilenden lebenslangen Lernstrategie seien beispielsweise Volkshochschulen und Bibliotheken „ein wesentlicher Baustein”: Diese von herkömmlichen Medienausleihorten zu „Lern- und Kommunikationsräumen” weiterzuentwickeln und ihre Angebote auch durchgehend digital verfügbar zu halten, sei ein wichtiger Schritt.

Ebenso, schlägt die Stiftung vor, sollte es Freiräume geben, und zwar „um sich spielerisch der Digitalisierung zu nähern”. Neben den formellen Bildungsmöglichkeiten müssten auch die bereits vorhandenen Angebote der Zivilgesellschaft wie Wikis oder digitale Werkstätten weiterentwickelt und gefördert werden.

Staat soll „konsequenter handeln”

Wenn all diese gesteckten Ziele in absehbarer Zeit erreicht werden sollen, müsse der Staat „konsequenter als bisher handeln”, schlägt die Bertelsmann-Stiftung vor: Bund, Länder und Kommunen müssten „noch mehr Hand in Hand arbeiten”. Immerhin: Know-how und Ressourcen seien „bei uns ausreichend vorhanden”, wie es heißt. Allerdings: „ Es bedarf dringend einer Gesamtstrategie, um die digitale Transformation zu gestalten – so wie es beispielsweise in Estland, Schweden oder Österreich erkennbar ist”, rät Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

6 Fragen, die sich jedes Unternehmen in der Digitalisierung stellen sollte

Nutze ich effiziente Software?

1. Haben meine Mitarbeiter mobil Zugriff auf wichtigste Unternehmensdaten wie CRM, ERP und Business Intelligence?

2. Gibt es ein Software-Tool wie Slack, mit dem die interne Kommunikation effizienter werden kann?

3. Für welche Dinge wird im Unternehmen Microsoft Excel eingesetzt? Gibt es eine bessere Software?

4. Gibt es On-Premise-Lösungen, die in eine Public Cloud ziehen könnten?

(Foto: © Rawpixel.com Adobe Stock)

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Konkret sei es wichtig, eine „Innovations- und Gründerkultur” zu fördern. Deutschland müsse zum digitalen Wirtschaftsstandort und digitalen Gründerland werden, heißt es. Deshalb seien alle bürokratischen Regelungen zu überprüfen, die das Entstehen von Innovationen, Gründungsprozessen und das erfolgreiche Agieren von Startups betreffen: „Weitere staatliche Anreize für Unternehmensgründung und -tätigkeit, etwa vorübergehende Steuererleichterungen oder steuerliche Förderungsmöglichkeiten, sind zu forcieren.”

„Perspektivwechsel” beim Internet-Ausbau

Beim Ausbau des schnellen Internets müsse Deutschland „umgehend einen Perspektivwechsel vornehmen” und brauche daher „eine nationale Glasfaserstrategie, die klare politische, rechtliche und investive Akzente setzt”: „Statt im internationalen Vergleich wenig ambitionierte Ziele zu formulieren, wie 50 Mbit/Sek etc., sollten das Infrastruktur-Versorgungsziel ‚Flächendeckende Breitbandversorgung (FTTX, FTTXB/H/C) bis 2025‘ und die beschleunigte Förderung des Mobilfunkstandards 5G politisch beschlossen werden.” Bestehende Breitbandförderrichtlinien sollten so weiterentwickelt werden, dass nicht technologieneutral gefördert, sondern perspektivisch ganz überwiegend in zukunftssichere Technologien (Glasfaserkabel) investiert werde.

Der „Forderungskatalog für ein digitales Deutschland” ist Teil der Forschung der Bertelsmann-Stiftung, die dem Thema „digitale Zukunft” auch den diesjährigen Reinhard-Mohn-Preis „Smart Country – Vernetzt. Intelligent. Digital.” widmet. Er wurde vorbereitet durch ein Online-Beteiligungsverfahren sowie zwei Expertenkommissionssitzungen.

Mehr zum Thema Digitalisierung: Was bedeutet digitale Transformation eigentlich konkret?

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