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Karriere

Design-Hacker und Einhörner: Warum wir neue Berufsbezeichnungen brauchen

(Bild: Shutterstock)

Ein Growth-Hacker ist ein Vermarkter, der auch für die Ergebnisse seiner Arbeit Verantwortung trägt. Doch was ist mit Designern? Entwicklern? Ein Plädoyer für neue Berufsbezeichnungen.

Ich liebe die Berufsbezeichnung „Growth Hacker“. Sie ist wie eine Anklageschrift gegen das gesamte Umfeld des Marketing.

Wie viele Vermarkter mussten erst vergessen, wie sie ihren Job richtig machen, bevor wir eine neue Bezeichnung erfinden mussten, um sie an den Bereich Wachstum zu erinnern?

„Also denkt dran, wir wollen, dass diese Anzeigen lustig sind UND AUSSERDEM, das ist der Teil, den wir letzten Monat ausgelassen haben, die Leute dazu bringen, unser Produkt auszuprobieren.“

Ein Growth-Hacker ist ein Vermarkter, der auch für die Ergebnisse seiner Arbeit Verantwortung trägt.

Das Thema, das neue Berufsbezeichnung schafft, ist: Verantwortung.

Leute beginnen die Formulierung „Full Stack Engineer“ zu verwenden. Normalerweise denken sie bei „Stack“ an mehrere technische Ebenen, was meint, dass der Programmierer weiß, wie man Code schreibt und ihn auf dem Server installiert.

Ich hoffe, dass der Full Stack Engineer dazu führt, dass einige nichttechnische Ebenen mit einbezogen werden. Was wäre, wenn du Code schreibst und dann überprüfst, ob Leute ihn auch nutzen?

Tatsächlich gibt es schon ein Wort für diese Art Techniker: Hacker. Ein Hacker schreibt gerade genug Code, um die Wirkung zu erzielen, nach der er sucht.

Hacker ist die einzige Berufsbezeichnung, die konsequent die Verantwortung für das Ergebnis mit einschließt.

Ich habe noch von keiner neuen Berufsbezeichnung für Designer gehört, obwohl ich glaube, dass sie eine brauchen. Wenn du Produkte designst, die für den Gebrauch bestimmt sind, bist du dann ein Design-Hacker?

Das ist verrückt. Aber wie bezeichnet man das Designen für Dribble und das Designen für Produkte, die von den Fortune 500 verkauft werden? Du stellst nur auf Hochglanz polierte und hübsche Sachen auf Dribble, aber bei den echten Produkten bist du im raschen Überarbeitungsmodus, weil jeder Kontakt mit der Wirklichkeit dich lehrt, dass du gar nichts weißt. Das ist Design-Hacking.

Ist das Handwerkskunst? (Foto: Shutterstock)
Ist das Handwerkskunst? (Foto: Shutterstock)

Eine der von mir am wenigsten geliebten Charakteristiken innerhalb einer Berufsbezeichnung ist „Handwerkskunst“. Damit sagt eine Person fast eindeutig, dass die Qualität einer Arbeit durch die ästhetischen Werte der Fachkollegen definiert wird, anstatt an der Zufriedenheit der Endkunden.

Hacking und Handwerkskunst werden als Gegensätze dargestellt. Es ist wie Googles Kultur vs. Facebooks Kultur.

Aber manchmal finden Handwerkskunst und Hacking zusammen als etwas, das sowohl gut gemacht als auch beliebt ist. Unglücklicherweise haben wir kein Wort dafür, das das widerspruchsfrei ausdrückt.

Ich würde es gern „Professional“ nennen. Ein professioneller Programmierer sollte Verantwortung dafür übernehmen, dass sein Code sorgfältig geschrieben ist und funktioniert. Aber wenn ich sage, dass ich jemand Professionelles zur Anstellung suche, melden sich ein paar Programmierer, die besessen davon sind, Unit-Tests zu schreiben.

Ein anderes Wort für diese Kombination von Fähigkeiten ist Einhorn, als ob das ein extrem seltener und schwieriger Standard ist. Einer meiner Mitarbeiter, ein Techniker, Designer, Gründer, Näher und öffentlicher Redner, das heißt offenbar ein Einhorn, nennt Techniker mit einem Gespür für Produktdesign „Die Geheimwaffe von Startups“.

Aber ich hasse das Wort Einhorn, weil es aussagt, dass die Fähigkeit, ein Projekt von der Idee über die Durchführung bis hin zum Launch zu führen, eine Art magisches Kunststück ist.

Yo, wir reden seit Jahren darüber, wie man Startups viel einfacher und billiger macht. Was aber sind die Schlussfolgerungen für die berufliche Entwicklung?

Wenn du dich innerhalb eines Sommers per Cut & Paste von Stack Overflow in einen Softwareentwickler verwandeln kannst, dann kannst du innerhalb von zwei Sommern zum Einhorn werden.

In anderen Worten: Einhorn könnte eine normale Karrierelaufbahn sein.

Nun, ich habe einen Freund, der an selbstfahrenden Autos arbeitet. Ich denke, daran sind ein paar schwierige Computerwissenschaften beteiligt. Dieser Freund könnte ein Software-Engineer-Spezialist sein. Das wäre für mich okay.

Aber jeder andere? Warum fordert man nicht besonders in der Startup-Welt, dass jede einzelne Person in deiner Firma zum Dreifach-Einhorn wird? Design > Konstruktion > Vermarktung.

Du wirst wahnsinnigen Gegenwind bekommen von Leuten, die ihre Identität darauf stützen, ein Spezialist zu sein.

„Yo, ich bin ein 24 Jahre alter Experte in dieser Technologie, die erst vor vier Monaten rausgekommen ist.“ – Junior Developer

Aber in Wahrheit macht das Arbeiten in drei Bereichen – Design, Konstruktion und Marketing – die Kernkompetenzen stärker.

„Ja, vielleicht wäre eine Map ein guter Weg, auf dem Leute zu unseren Produkten surfen können. Lass mich das heute Nachmittag herausfinden.“ – Senior Developer

Ich denke über einen anderen Coworker nach, einen Erst-Vermarkter. Diese Person ist verantwortlich für ungefähr die Hälfte unserer Erträge – also eine sehr starke Job-Performance. Sie bearbeitet auch Quellcode direkt auf GitHub (meistens kopiert), zieht Performance-Reports direkt aus der Datenbank (via Rails-Konsole, die mit einer Replica-Datenbank verbunden ist), und design-hackt Marketing-Überarbeitungen basierend auf A/B-Daten.

So sehen frischgebackene Einhörner aus. All das haben sie „on the job“ gelernt.

Um das mal festzuhalten: Ich bin ein eingerosteter, mittelguter Programmierer mit einer schrägen Vorliebe für Reguläre Ausdrücke, Designer mit geringem Einfühlungsvermögen von halb nützlichen, schlecht angepassten Produkten in komischen Farben, Social-Media-Growth-Hacker mit nur einem Trick, stark bei Verkaufsabschlüssen und schwach beim Gefühl für Geld, PR-Hacker, technischer Leiter eines kleinen Teams und gelegentlicher CFO. Mit anderen Worten: Ich bin ein Startup-CEO.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Medium.com. Übersetzung: Anja Braun.

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