Kolumne

Eine Bestellung, irrsinnige sechs Pakete: Das Marktplatz-Lieferdilemma

Marktplätze verursachen ein Paketchaos beim Endkunden. Das muss besser werden. (Foto: Frank Gaertner / Shutterstock.com)

Die Marktplatz-Ökonomie wird als Zukunft des E-Commerce betrachtet, bei Amazon liefern heute schon größtenteils Dritthändler. Es kann allerdings nicht so weitergehen wie bisher. 

Es ist wieder Freitag, der 19. Der Horror naht. Die monatlichen Amazon-Bestellungen aus den Spar-Abos trudeln an diesem Stichtag ein, zusammen mit ein paar Bestellungen von gestern. Ich pendle zwischen Haustür und Schreibtisch, fertige nacheinander DHL, Hermes und Amazon Logistics ab. Im Flur stapeln sich Kartonagen mit Waren. Nach einem ausgiebigen Frühstück fühle ich mich gestärkt genug, den Berg zu bändigen. Ich packe aus und schleppe leere Kartons und Füllmaterial nach draußen. Freue mich darüber, dass fast nur Pappe und Papier dabei sind, nur der Lieferant des Kaffeepulvers hat noch immer nicht gelernt, seine Konservendosen nicht mehr in Plastiktüten einzupacken. Der wird gewechselt. Ich beginne, die Kartons zu zerlegen und habe nach 15 Minuten einen Stapel Karton gebündelt und im Schuppen auf die Altpapierablage gepackt. Für zwölf Artikel sind sechs Sendungen über drei Paketdienste verteilt worden. Das ist kein Amazon-Problem, das ist ein allgemeines Marktplatzproblem. Und es muss verschwinden.

Die Schattenseite der Marktplatzökonomie

Eigentlich sollte ich als Kunde erwarten können, dass alle Artikel einer Bestellung in einem Karton geliefert werden. Mit einer Lieferung. Im Laufe der Zeit hat sich diese Erwartungshaltung geändert, als das Streckengeschäft zur Normalität wurde. Artikel wurden direkt vom Lieferanten aus an den Endkunden versandt. Wir haben das geduldet als Kunden. Dann kamen die Marktplätze auf, irgendwann lernten wir, dass Artikel mal vom Onlineshop selbst, mal vom Marktplatzhändler kamen. Und haben auch das geduldet, aber nur noch zähneknirschend.

Jetzt kommen im Schlimmsten Fall Lieferungen aus verschiedenen Logistikzentren eines Onlineshops, per Streckengeschäft aus dem Lieferantenlager und aus verschiedenen Versandorten der Händler, eventuell auch noch gesplittet zwischen direkter Lieferung aus dem Händlerlager und Lieferung aus den Lagern der Fulfilment-Dienstleister des Händlers. Bei Bedarf mit mehreren Paketdiensten ausgelagert.

Die Unzufriedenheit steigt enorm, in den Ärger über diesen Paketterror kann fast jeder einstimmen.

Warenkörbe müssen zukünftig logistisch konsolidiert werden

Der Kunde macht das nicht lange mit, von manchen höre ich schon Sätze wie „Ich bestelle das bei Amazon direkt, ich will keine drei Pakete“. Gut, das kann trotzdem schiefgehen und in mehreren Sendungen enden, aber das ahnt der Laie ja nur bedingt. Die Botschaft ist klar: Der Kunde könnte mit seinem Einkaufsverhalten abstimmen, wenn die Marktplatzbetreiber nicht an der Konsolidierung der Sendungen arbeiten würden.

Es müssen also neue Möglichkeiten her, um die Anzahl der Lieferungen, Pakete und genutzten Paketdienste zu reduzieren und die Sendungen zusammenzuführen. Weniger Pakete, weniger Zusteller. Das ist sowohl aus ökologischer Sicht notwendig, aber auch, um den Kunden nicht überzustrapazieren. Es bietet aber auch eine ökonomische Chance. Amazon versucht in den USA schon, mit einem „Amazon Day“, einem dedizierten Liefertag in der Woche, Bestellungen zusammenzufassen. Der Kunde scheint es zu akzeptieren. Das spart Logistikkosten, jedenfalls wenn es konsequent betrieben wird.

Welche Wege aus dem Logistikdilemma führen könnten

In Zukunft werden wir verschiedene Konsolidierungsverfahren sehen – müssen! Es bietet sich beispielsweise für Marktplatzbetreiber an, mehrere Bestellungen zu einer Sendung zusammenzufassen und dem Kunden statt einer schnellen Lieferung ein dediziertes Lieferdatum anzubieten.

Vielleicht könnten auch Lieferanten direkt in einen Hub liefern, um dort die Sendung zusammenzufassen.

Eventuell müssen Marktplatzhändler auch den Anteil der Waren erhöhen, der direkt beim Marktplatzanbieter eingelagert wird. (Was bei Amazon mit einem FBA-Zwang enden könnte.) Am wahrscheinlichsten ist eine Kombination verschiedener Verfahren. Aber die Lösung des Marktplatz-Logistik-Dilemmas könnte auch Antrieb für völlig neue Geschäftsmodelle und Logistik-Startups liefern. Sicher ist nur: Es muss sich etwas ändern.

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7 Kommentare
nundenn
nundenn

Die Paketdienste hatten ja begonnen, nur der deutsche Staatskonzern Post / DHL macht nicht mit. Dort ist man dank steter Briefportoerhöhung trotz massiv nachlassender Qualität nicht auf vernünftiges Arbeiten eingestellt. Dazu noch viele Showeinlagen wie Drohnenzustellung, dann zum 2. oder 3. Mal die Kofferraumzustellung usw. usw..

Und Amazon versucht alle etwas via eigenen Zustellservice zu treiben, wobei dort die Qualität ähnlich schlecht wie bei Post / DHL ist. Nur Amazon selber lässt sich auf dem eigenen Marktplatz nicht bewerten, also immer 100% Zufriedenheit.

Dazu kommt, dass viele Pakete von Amazon Marketplace Händlern kommen und dort die Käufer sogar das Recht haben, zu monieren, wenn die Sendung zu einem Abholpunkt geht (siehe Amazon Sellerforum).

In anderen Ländern gibt es schon einige Zeit Abhollösungen. Bei uns wird es dauern, da die Käufer nicht wollen.

Es gab hier ja die Idee, Verteilzentren vor den Orten zu errichten. Dann gemeinsame Auslieferung durch einen gemeinsamen Service. Aber das ist damals gestorben. Durch Angebote wie selber Tag oder Feiertagszustellung versuchen sich die Paketdienste zu unterscheiden, so dass ein zusammen Agieren immer unwahrscheinlicher wird.

Da wäre die Besteller gefragt: muss man etwas wirklich kurzfristig noch Mittag für die Abendzustellung bestellen? Ist es wirklich absolut wichtig, bestellte Dinge am nächsten Tag zu erhalten?

ich mit knapp 60 erlebe das sicher nicht mehr, dass es Kooperationen geben wird.

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tst
tst

Könnte man nicht stattdessen einfach auf Amazon Sparabos verzichten und prinzipiell weniger bestellen? Die Aussage „Die monatlichen Amazon-Bestellungen aus den Spar-Abos trudeln an diesem Stichtag ein, zusammen mit ein paar Bestellungen von gestern“ erweckt doch den Eindruck, dass der Verfasser so ziemlich jeden Tag etwas bei Amazon bestellt..

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M
M

Zustimmung – ein Hausgemachtes Problem. Vorallem Kaffee etc. ist doch nichts was man monatlich bestellt … ich zumindest nicht. Wenn schon online (da etwas besonderes gewünscht wird) dann bestelle ich so, dass ich 2mal im Jahr bestelle und daheim lagere.
Täglich X Pakete zu bekommen und den ganzen Müll zu entsorgen wäre mir jedenfalls zu doof. Lieber nur das nötigste online und den Rest easy aufm Heimweg von der Arbeit …

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NanoPolymer
NanoPolymer

Das sehe ich erst Mal gar nicht als Problem. Ob das nun direkt von Händler zu mir geht oder über Umwege macht jetzt auch so keinen großen Unterschied. Davon abgesehen haben die Lieferdienste selber größere Zentren wo die erst Mal sammeln. Im Grunde passiert das also alles schon.

Wo ich persönlich viel mehr das Problem sehe sind die Größe der Pakete. Oft kriege ich Pakete die sind 5 Mal so groß wie die Ware. Wie man das lösen will keine Ahnung. Kenne das Problem aber von früher wo ich auch Bestellungen ausgeliefert habe. Man hat eben nur ein paar Größen an Kartons da, was man eben so oft braucht. Man könnte höchstens waren die eh schon in einem Karton sind nicht noch Mal verpacken sondern direkt so liefern. Ich weiß dann sieht man ja was man geliefert bekommt.

Und eine Lieferung am nächsten Tag will ich in „Notfällen“ nicht missen. Was das ist muss jeder selber entscheiden. Wenn ich für meinen PC ein Teil benötige damit der wieder läuft ist das für mich ein Notfall. Oder irgendwas kurz vorm Urlaub etc.

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Patrick
Patrick

Mal im ernst, ne?

Das ist doch echt blödsinn. Das Problem ist hier NICHT der Marktplatz, sondern der Kunde, der derartig viele unterschiedliche Waren von unterschiedlichen Händlern kauft. Echt mal, da geht mir die Hutschnur hoch über so viel Engstirnigkeit! Und dass man dann das Problem auch noch auf Amazon oder die Logistik abwälzt ist geradezu dumm.

Kosolidierung des Warenkorbs? Ja, genau. Dann wird Ware 1 aus Zentrum A nach Zentrum C transportiert, von dort aus dann zusammen mit Waren aus Zentrum B nach Zentrum D, wo die Ware final verpackt und an den Kunden geschickt wird…

Ich glaube, da hat jemand nicht so ganz verstanden, wie Logistik funktioniert. Amazon selbst sammelt ja teilweise sogar nach diesem Schema Waren zusammen, wenn Sinnvoll und möglich. Aber solange das KAUFVERHALTEN des KUNDEN sich nicht ändert, bringen all diese Konzepte null und gar nix.

Es wird schließlich IMMER da bestellt, der die gewünschte Ware am günstigsten ist. Und dann hat man ganz flott diverse Händler am Hacken.

Maybe einfach mal an die eigene Nase fassen und gucken, ob man Bestellungen so kombinieren kann, dass man weniger Händler hat oder die Ware direkt von Amazon verschickt wird. Oder, im besten Fall, vielleicht ganz auf Amazon oder sogar komplett auf Online-Bestellung verzichten und öfter im lokalen Handel kaufen. Gerade bei Abo-Produkten ist das in der Regel kein Problem.

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Konvinjienzkaeuferle
Konvinjienzkaeuferle

Lieber trete ich 12 kostenlose Kartons in die Tonne.. anstatt in 8 Geschäfte zu gehen und mir die “ haben wir nicht“ Altweibern mit ihren roten Kurzhaarfrisuren zu geben.

Dazu Benzin verfahren Schuhsohle verbrauchen und stundenlang Zeit… Nein.

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Eric
Eric

Danke für deinen köstlichen Kommentar. Ich weiss auch nicht was alle Stationären immer von Einkaufserlebnis, Aufenthaltsqualität etc pp reden. Einkaufen ist ein Zeitfresser und sonst nichts. Und wer Mal im Einzelhandel gearbeitet hat weiss welche gigantischen Mengen Verpackung dort tagtäglich anfallen. Das wird halt hinter den Kulissen ausgepackt und ins Regal gestellt. Unverpackt hingeflogen sind die Waren aber nicht. Transport-Ketten sind meist sogar länger als bei Amazon und anderen. Gerade bei Filialisten sind gerne Zwischenlager eingebunden bevor es zur Verkaufsstätte geht. Und wer über immer mehr Paketwagen jammert kann sich ja Mal eine deutsche Stadt Anno 2019 überlegen in der alles einzeln aus Läden zusammen gekauft werden muss, natürlich per PKW, aber selbst mit Drahtesel wäre der Verkehr noch viel schlimmer. Das Paketauto klappert hingegen sehr effizient, an der Perlenschnur, die Hausnummern seines Bezirks ab. Daran ändern auch Retouren nichts, sogenannte Sowieso-Fahrten sind dafür der Grund. Die Postfiliale X wird eh angefahren um Nicht-Retouren-Pakete abzuholen, selten ist damit der Lkw voll, die Retouren haben gut Platz. Ähnlich im Umschlag, Wechselkoffer werden nach cut-off Zeiten geschlossen und losgeschickt, nicht erst wenn sie voll sind (außer in der Weihnachtszeit sind sie selten ganz voll). Und im klassischen Einzelhandel gab’s auch immer Rückgabe, Reklamation und Umtausch, wieder mit einer einzelnen Fahrt des Kunden.

Und bei all dem ärgert mich so unfassbar wie einerseits Hamwanich bis heute verbreitet ist und ich regelmäßig in Läden warten muss, weil sich Mitarbeiter noch angeregt unterhalten wollen (Privatgespräche, unüberhörbar) und sobald der Arbeitsplatz – auch deswegen – gegen die Wand fährt wird demonstriert und „die Politiker“ und der böse Kapitalismus und überhaupt. Auch wenn du heute in eine Filiale des strauchelnden Kaufhausriesen oder der defizitären GeizIstGeil Elektronikkette gehen wirst, dann wirst du als Kunde nicht den Eindruck haben, dass da Menschen um jeden Kunden und ihren Arbeitsplatz kämpfen. Hamwanich, gehtnich, wartensedochmalischunterhaltemischhierdoch,…

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