Analyse

Big Data im Carsharing: Was Betreiber aus den Daten lernen können

Seite 2 / 3

Neue Herausforderungen für die IT-Infrastruktur

Hieraus ergeben sich für die IT-Infrastruktur ganz neue Herausforderungen. Eine große Anzahl von Fahrzeugen sendet in einer extrem kurzen Taktung Daten an ein zentrales System, das dieses Datenvolumen aufnehmen und verarbeiten muss. Die Datenübertragung muss folglich leichtgewichtig bleiben. Die Übertragung der Informationen muss priorisiert werden. Und die Nachrichtenübertragung soll so einfach wie möglich sein, was die notwendige Bandbreite für die Datenübertragung zwischen Fahrzeug und Backend minimiert und damit die Kosten für den Mobilfunk gering hält.

Für einige Nachrichten muss sichergestellt sein, dass sie den Empfänger erreichen. Das bedeutet, Verbindungsabbrüche verursachen nur einen vorübergehenden Kommunikationsverlust zwischen den Parteien. „Hier empfehlen wir das Protokoll MQTT als zuverlässige und effiziente Kommunikation über instabile Mobilfunknetze zwischen Tausenden vernetzten Geräten mit einem zentralen Backend“, so Michael Bauer, Senior Software-Engineer bei der MaibornWolff GmbH in München. Das Maschine-zu-Maschine- Protokoll ist inzwischen eines der wichtigsten Protokolle im Internet der Dinge.

Implementierungen gibt es von verschiedenen Anbietern, sowohl als proprietäre Lösung (HiveMQ), wie auch als Open-Source-Lösung (RabbitMQ). MQTT eignet sich, um Nachrichten mit geringem Netzwerk-Overhead zwischen Client und Server zu übertragen und bietet drei Quality-of-Service-Levels, die eine Priorisierung der Nachrichtentypen erlauben. Ferner ist eine Verschlüsselung der Daten möglich. Viel wichtiger ist die Flexibilität des Protokolls, das mittels Schnittstellenadaptern mit unterschiedlichen Geräten und Geräteversionen sprechen kann.

(Grafik: Shutterstock)

Für die IT-Infrastruktur gibt es einige Herausforderungen. (Grafik: Shutterstock)

Ein weiterer Ansatz, die Datenmenge zu verwalten und zu verarbeiten, ist das Konzept der Datendrehscheibe in Form eines dem Backend vorgeschalteten Message Broker. Der nimmt Daten in einem Kanal entgegen und verteilt sie nach Bedarf an weitere Anwendungen wie zum Beispiel CRM- oder Buchhaltungssysteme. Der MQTT-Server verwendet dafür Regeln, die die Daten nach festgelegten Kriterien filtern und verteilen. Rückblickend lassen sich Nachrichten über die Sender-ID eindeutig einem Absender zuordnen, ohne Platz im Payload der Nachricht zu verbrauchen.

In unserem Fall ist der Hauptabnehmer für Nachrichten der Datendrehscheibe das Backend für das Flottenmanagement. Hier kommen alle Daten an, um die Flotte zu betreiben. Eine Big-Data-Anwendung muss eine schnelle und flexible sein. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen an Berichte und Echtzeitdaten wesentlich. Während Echtzeitdaten sehr schnell verfügbar sein müssen, brauchen ausführliche Datenanalysen eine große Datenbasis.

Im Tagesgeschäft dürfen zum Beispiel die Positionsdaten flüchtiger aber prompt verfügbar sein. Im Gegensatz dazu bilden Berichte das Rückgrat für diverse Kennzahlen, können aber in betriebsarme Zeiten in der Nacht verlegt werden. „Für eine belastbare Big-Data-Architektur, die aus den enormen Datenmengen im Internet der Dinge sinnvolle Informationen destilliert, eignet sich die sogenannte „Lambda-Architektur“ als hybrider Ansatz für Echtzeit-Anwendungen und Batch-Auswertungen besonders“, meint Michael Bauer.

Der technische Aufwand ist folglich enorm und die Kurzzeitmieten stellen ein ideales Test-Umfeld für die IT-Landschaft dar. So können Erkenntnisse für das Datenvolumen, die Datenstruktur und -übertragung für den breitflächigen Einsatz gewonnen und überarbeitet werden. Quasi agil entwickeln, verbessern und schließlich für alle freischalten.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Wir freuen uns über kontroverse Diskussionen, die gerne auch mal hitzig geführt werden dürfen. Beleidigende, grob anstößige, rassistische und strafrechtlich relevante Äußerungen und Beiträge tolerieren wir nicht. Bitte achte darauf, dass du keine Texte veröffentlichst, für die du keine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers hast. Ebenfalls nicht erlaubt ist der Missbrauch der Webangebote unter t3n.de als Werbeplattform. Die Nennung von Produktnamen, Herstellern, Dienstleistern und Websites ist nur dann zulässig, wenn damit nicht vorrangig der Zweck der Werbung verfolgt wird. Wir behalten uns vor, Beiträge, die diese Regeln verletzen, zu löschen und Accounts zeitweilig oder auf Dauer zu sperren.

Trotz all dieser notwendigen Regeln: Diskutiere kontrovers, sage anderen deine Meinung, trage mit weiterführenden Informationen zum Wissensaustausch bei, aber bleibe dabei fair und respektiere die Meinung anderer. Wir wünschen Dir viel Spaß mit den Webangeboten von t3n und freuen uns auf spannende Beiträge.

Dein t3n-Team

4 Kommentare
grep

Hallo …,

‚rollende Computer‘, ergo vernetzte Vehicle, das IoT stellt eine riesige Gefahr dar – für Cracker ein El Dorado.
Das Klonen wurde (hier und da) auch verboten resp. eingeschränkt – warum (?) … (JA,) genau darum (!).

Ciao, Sascha.

Antworten
Dirk Roeder

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dir folgen kann, Sascha. Vergleichst Du gerade mögliche Gefahren durch vernetzte Fahrzeuge mit dem Klonen von Menschen?

Antworten
Jürgen Tepe
Jürgen Tepe

Spannender Artikel, aber:
Weil’s ganz am Anfang steht, sollte es schon stimmen: Carsharing (echtes, nicht die neue Autovermietung der Hersteller) gibt es schon viel länger. Die genaue Geschichte des Carsharing kenne ich auch nur aus der Wikipedia, bin aber seit dem letzten Jahrtausend (1993) bei Stattauto München https://www.stattauto-muenchen.de/ueber-uns/ , und die waren IMO nicht mal die allerersten in Deutschland.

Antworten
Dirk Roeder

ZIP Car wurde in der Tat 1999 gegründet. Die Formulierung ist aber unglücklich gewählt, da hast Du recht, Jürgen

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus!

Hey du! Schön, dass du hier bist. 😊

Bitte schalte deinen Adblocker für t3n.de aus, um diesen Artikel zu lesen.

Wir sind ein unabhängiger Publisher mit einem Team bestehend aus 65 fantastischen Menschen, aber ohne riesigen Konzern im Rücken. Banner und ähnliche Werbemittel sind für unsere Finanzierung sehr wichtig.

Danke für deine Unterstützung.

Digitales High Five,
Stephan Dörner (Chefredakteur t3n.de) & das gesamte t3n-Team

Anleitung zur Deaktivierung