Analyse

Big Data im Carsharing: Was Betreiber aus den Daten lernen können

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Wartung und Flottenmanagement

Die Position eines Fahrzeugs in einem Netzwerk ist der nahe liegende Datensatz. Gepaart mit dem Buchungsstatus kann das Service-Team entsprechend reagieren. Eine qualitativ hochwertige Business-Intelligence (Big Data) erlaubt Wartungsvorhersagen auf Basis von bekannten Zusammenhängen, sodass Verschleißteile schon frühzeitig bestellt und das Fahrzeug für den Werkstattbesuch eingeplant werden kann. Sie hilft aber auch bei ziemlich profanen Alltagsproblemen, wie zum Beispiel der Aufforderung zum Akkutausch wegen zu geringer Reichweite zur nächsten Station.

Max Griboedov / Shutterstock)

Big Data läßt sich aber auch für die Unternehmenssteuerung einsetzen. Der Flottenmanager überwacht seine Kennzahlen in einem Cockpit in Echtzeit, wie zum Beispiel:

  • die Auslastung der Flotte
  • die durchschnittliche Fahrtdauer
  • Parkdauer
  • durchschnittlich gefahrene Distanz
  • und vergleicht auch die Kennzahlen der einzelnen Standorte oder gar Städte miteinander

Beim Einsatz für einen Lieferservice bietet die Kopplung eines Smartphones mit dem Roller automatisch ein elektronisches Fahrtenbuch. Auch die Routenoptimierung spielt hier eine wesentliche Rolle, vor allem wenn sich Beschwerden über „kalte Essenslieferungen“ häufen.

Der Einsatz von Fahrzeugen in einem Kurzzeit-Mietmodell ist deshalb so interessant, weil mehrmals täglich die Fahrprofile wechseln und so die Datenvielfalt exponentiell wächst. Die Fahrzeuge sind also im Gegensatz zum privaten Gebrauch im Dauereinsatz und lassen Rückschlüsse für die Wartung aber auch die Entwicklungsabteilung zu.

Beispielsweise werden die Bremsklötze an einem Elektroroller alle 5.000 Kilometer gewechselt. Weichen die tatsächlichen Verschleißzyklen deutlich davon ab, bietet sich eine Datenanalyse an, um nach den Ursachen zu forschen – hier geben Fahrverhalten, geographische Indikatoren und das Wetter oder die Zuladung hinreichend Aufschlüsse.

Oder die Nutzung von Seitenständer versus Hauptständer kann entscheidende Impulse für die Produktion geben. Reichert man diese Daten noch mit dem Geschlecht des Fahrers an, ergeben sich wertvolle Erkenntnisse für Marketing und Produktion.

Die Auswertung des Reifendrucks bietet gleich zweifach Vorteile, denn dieser ist ein wesentlicher Einflussfaktor für die Reichweite. Zum Einen kann das Service-Team ausrücken und den Reifendruck anpassen. Zum Anderen können mit den Daten exakte Berechnungen erstellt werden, wie stark die Reichweite tatsächlich beeinflusst wird und ab wann sich der Einsatz des Service Teams lohnt.

Kundenkommunikation

Zu guter Letzt dreht es sich um das Herzstück des E-Rollers – und jedes Elektrofahrzeugs – die Batterie. Der sorgsame Umgang mit diesem teuren Bauteil sorgt für eine lange Lebensdauer mit hoher Reichweite. Hier liefern die aus dem Protokoll übertragenen Daten zahlreiche Ansatzpunkte. Schmidt: „Wie ist das Ladeverhalten? Lässt sich dieses optimieren? Welche Hilfestellungen können dem Nutzer/Operator systemseitig an die Hand gegeben werden? Wie lassen sich die schädlichen Tiefenentladungen vermeiden? Wie kann man die User bei der Batteriepflege unterstützen?“

Die systemseitige Kommunikation hilft hierbei enorm und unterstützt die Kunden in smarter Weise länger mehr Spaß und Freude an ihrem Produkt zu haben. Denn alle Faktoren können eigentlich leicht vermieden werden. „Dies ist ein perfekter Einsatz direkter Kundenansprache und -bindung“, sagt Götz Schmidt. „Der Besitzer eines Rollers ist dankbar für hilfreiche Tipps für eine lange Lebensdauer seines Fahrzeugs. Auf der anderen Seite können Verleiher mit gezielten Bonusprogrammen materialschonenden Umgang trainieren und fördern“, so Schmidt weiter. Der Carsharing-Betreiber Car2go vergibt Kleeblätter mit einem Wert für umweltschonendes Fahren am Ende jeder Miete. Somit wird die persönliche Umweltbilanz sichtbar und der Spieltrieb um noch sparsameres Fahren gefördert. Denkt man dieses Modell weiter, kämpfen alle Nutzer um die Auszeichnung als umweltfreundlichster Fahrer Münchens im Monat April und erhalten als Dankeschön Freiminuten oder ähnliches. Neben Adhoc-Informationen auf einem Smartphone können aber auch Berichte und Auswertungen bereitgestellt werden.

Kooperationen mit Partnern führen zu gelenkter Navigation. Ähnlich wie ich als Payback-Punktesammler vermutlich eher eine Aral-Tankstelle anfahre, kaufe ich als Nutzer von drive-now höchstwahrscheinlich bei Rewe ein, weil es Rabatte plus 10 Minuten kostenloses Parken gibt.

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4 Kommentare
grep

Hallo …,

‚rollende Computer‘, ergo vernetzte Vehicle, das IoT stellt eine riesige Gefahr dar – für Cracker ein El Dorado.
Das Klonen wurde (hier und da) auch verboten resp. eingeschränkt – warum (?) … (JA,) genau darum (!).

Ciao, Sascha.

Antworten
Dirk Roeder

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dir folgen kann, Sascha. Vergleichst Du gerade mögliche Gefahren durch vernetzte Fahrzeuge mit dem Klonen von Menschen?

Antworten
Jürgen Tepe
Jürgen Tepe

Spannender Artikel, aber:
Weil’s ganz am Anfang steht, sollte es schon stimmen: Carsharing (echtes, nicht die neue Autovermietung der Hersteller) gibt es schon viel länger. Die genaue Geschichte des Carsharing kenne ich auch nur aus der Wikipedia, bin aber seit dem letzten Jahrtausend (1993) bei Stattauto München https://www.stattauto-muenchen.de/ueber-uns/ , und die waren IMO nicht mal die allerersten in Deutschland.

Antworten
Dirk Roeder

ZIP Car wurde in der Tat 1999 gegründet. Die Formulierung ist aber unglücklich gewählt, da hast Du recht, Jürgen

Antworten

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