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Interview

Mit Bitcoin an der Uni zahlen: Das hat es gebracht

(Foto: ESMT)

Die private Hochschule ESMT in Berlin akzeptiert Bitcoin als Zahlungsmethode. Seit einem Jahr können Studierende ihre Studiengebühren mit der digitalen Währung bezahlen. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Wer „Digital Currency“ studiert, will bestimmt auch mit digitaler Währung zahlen. Das dachte sich die Universität Nikosia auf Zypern und ließ Ende 2013 als erste Hochschule Bitcoin als Zahlungsmittel zu. Kurz darauf folgten Hochschulen in Großbritannien und den USA. Auch in Vietnam und der Schweiz akzeptieren einzelne Hochschulen die Kryptowährung.

Vor einem Jahr hat sich auch eine deutsche Hochschule in die Liste eingereiht, die European School of Management and Technology Berlin (ESMT). An der 2002 gegründeten privaten Management-Hochschule können Studierende seither ihre Studiengebühren (zwischen 25.000 und knapp 60.000 Euro) mit Bitcoin bezahlen.

Für t3n.de erläutert CFO Georg Garlichs, welche Erfahrungen die Hochschule im ersten Jahr Kryptowährung gemacht hat.

t3n.de: Manch konkurrierende Hochschule tut Ihre Aktion als Werbegag ab. Warum hat sich die ESMT entschieden, Bitcoin als Zahlungsmethode zu akzeptieren?

Georg Garlichs: Im Vordergrund stand für uns die Praktikabilität. Etwa 85 Prozent unserer Studierenden kommen aus dem Ausland, auch aus Nicht-Euro-Ländern wie etwa Simbabwe, Brasilien und Vietnam. Aus solchen Ländern eine Zahlung nach Deutschland zu tätigen ist häufig schwierig, teuer und dauert lange. Manchmal ist es auch gar nicht möglich, weil die dortigen Banken so hohe Zahlungen nicht erlauben oder es überhaupt keine funktionierenden Banken gibt. Also haben wir überlegt, welche Alternative zur Standardüberweisung es gibt. Dann kamen wir auf Bitcoin. Und ja, da haben wir uns gedacht: Das ist nicht nur praktisch, sondern auch eine schöne Aktion für die Öffentlichkeit.

Die Idee ist jetzt seit einem Jahr Realität. Nehmen die Studierenden die Möglichkeit an?

Wenig. Das muss man klar sagen. Pro Monat geht maximal eine Zahlung in Bitcoin ein. Also wirklich überschaubar. Aber für diejenigen, die es nutzen – ausländische Studierende, die mit anderen Zahlungswegen große Probleme haben – lohnt es sich. Wir haben mittlerweile sogar die Auswahl an Kryptowährungen erweitert und nehmen auch Dash, Ethereum und Litecoin an.

Können Studierende auch auf dem Campus mit Bitcoin zahlen?

Alle Zahlungen an die Hochschule sind in Bitcoin möglich. Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter beim Diensthandy ein Upgrade haben möchte und einen Zuschuss zahlen muss. Aber überall geht es nicht. Die Kantine beispielsweise beitreibt ein externer Caterer, und der findet die Bitcoin-Sache noch etwas merkwürdig.

(Foto: ESMT)

Mit der Skepsis ist er nicht alleine. Stichwort „Gefahr Bitcoin-Blase“: Wie gewährleisten Sie, dass die schönen Bitcoin nicht im Nichts verpuffen und die Hochschulfinanzen gefährden?

Das war natürlich eine wichtige Frage, die wir uns stellten, nachdem wir uns grundsätzlich für Bitcoin entschieden hatten. Für die Sicherheit der Kundenseite haben wir eine 24-stündige Kursgarantie eingeführt. Egal, ob der Börsenkurs schwankt oder nicht, bei uns ist der Bitcoin 24 Stunden lang den Kurs wert, den er bei Zahlungsaufforderung hatte. Für unsere eigene Sicherheit arbeiten wir über Kraken.com und tauschen die Bitcoin sofort in Euro um.

Wie ist Ihrer Erfahrung mit den Bitcoin-Zahlungen?

Bisher ist alles komplett unproblematisch. Durch den sofortigen Verkauf haben wir praktisch keine Wertschwankungen. Wir sind zufrieden und behalten Bitcoin als Zahlungsmöglichkeit bei. Einzig die Registrierung bei einer Bitcoin-Börse war etwas aufwendig. Bitcoin.de hat uns abgelehnt, weil es zumindest damals keine Geschäftskunden akzeptiert hat, und bei Kraken.com gab es eine riesige Bürokratieschleife. Wir mussten zum Beispiel Personalausweiskopien aller möglichen Vertreter unserer Hochschule nach Kalifornien schicken. Aber die Vorsicht ist ja auch gerechtfertigt.

Die zyprische Hochschule wollte mit Bitcoin vor allem ihren Digital-Currency-Studiengang bewerben. Welche Rollen spielen Bitcoin und andere Digitale Währungen eigentlich als Inhalt in den ESMT-Studiengängen?

Wir bieten ein Weiterbildungsprogramm zu Blockchain an, und da ist Bitcoin natürlich ein wichtiger Teil. Für die Weiterbildung interessieren sich vor allem Menschen und Unternehmen aus dem Energiesektor, da dort besonders viele ein Potenzial der Blockchain sehen. In unserem Programm wollen sie verstehen, wie Blockchain funktioniert und schauen, ob sie die Technik in ihrem Unternehmen einsetzen können.

Haben sich inzwischen andere Hochschulen bei Ihnen gemeldet und wollen es der ESMT gleichtun?

Ja, wir hatten eine ganze Reihe An- und Nachfragen, von privaten wie von staatlichen Hochschulen. Aber soweit ich weiß, hat sich noch keine weitere dazu durchgerungen. Die wollen erst mal beobachten, wie es bei uns weiterläuft. Vielen Hochschulen erscheinen Kryptowährungen doch noch etwas spooky.

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