Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Kommentar

Bits-&-Pretzels-Macher antworten auf Kritik: Warum wir uns für „Diversity“ als Motto entschieden haben

(Foto: Shutterstock-GaudiLab)

Die Macher des bekannten Tech-Festivals Bits & Pretzels sind überrascht, welche harschen Reaktionen ihr diesjähriges Motto „Diversity“ im Netz auslöst. In einem t3n.de-Gastartikel antworten die Geschäftsführer und Gründer Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm van's Gravesande und Felix Haas, auf die Kritik.

Das Bits & Pretzels Founders Festival in München wählt jedes Jahr ein Thema, das den wichtigsten Trend der Tech-Branche widerspiegelt. In diesem Jahr haben wir uns bewusst für „Diversity“ – also Vielfalt – entschieden. Wir möchten, dass sich unsere Referenten gemeinsam darüber Gedanken machen, wie man in der Tech-Branche am besten Vielfalt fördert und Sexismus bekämpft. Im Hinblick auf die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse des letzten Jahres, erschien uns das Thema naheliegend und zeitgemäß. Für unsere Entscheidung erhielten wir viel Lob und Zuspruch von unseren Unterstützern, wohlwissend, dass die Realisierung nicht leicht werden würde. Neben den positiven Reaktionen gab es jedoch auch einige nicht so erfreuliche Rückmeldungen.

Überraschende Reaktionen

Die Negativ-Reaktionen, die uns von einigen VCs und Entrepreneuren erreichten, haben uns sehr überrascht. Wir erhielten Rückmeldungen in denen uns mitgeteilt wurde, wie enttäuscht man von der Themenwahl sei. Hier nur eine Beispielmail:

Diversity und #metoo superrelevant für startups...Seriously?! Und nächstes Jahr bedingungsloses Grundeinkommen?

Manche argumentierten öffentlich, dass es kein Diversity-Problem in der Tech-Branche gäbe. Wieder andere waren der Meinung, Tech-Konferenzen böten nicht den geeigneten Rahmen, um sich einem solch brisanten Thema anzunehmen, da es hier ausschließlich um den Austausch von Ideen, das Pitchen von Produkten und Networking untereinander ginge.

Zugegeben, anfangs haben uns die Reaktionen ganz schön irritiert. Im Endeffekt jedoch bestätigten sie nur, dass wir scheinbar einen Nerv getroffen hatten. Denn auch wenn viele es nicht wahrhaben wollen: Diskriminierung und Ausschließung findet auch in der sonst so toleranten Tech-Community statt. Bei Veranstaltungen wie unserer sollten daher Gespräche über Vielfalt und die Bekämpfung von Belästigung auf der Tagesordnung stehen. Denn wie sich eine Tech-Konferenz präsentiert, spiegelt auch die Branche und die vorherrschenden Trends wider. Die Themen, mit denen sich Tech-Führungskräfte auseinandersetzen und debattieren, können die Denkweise verändern und ermöglichen es, Innovation voranzutreiben. Wir können und sollten den Einfluss von Tech-Events daher bewusst nutzen, um in den Köpfen der Menschen Wandel anzuregen.

Frauen immer noch in der Unterzahl

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die einzigen Frauen, die man auf Tech-Events erspähte, fast ausnahmslos angeheuerte Hostessen, die sich dauerlächelnd in möglichst spärlichen Outfits verpackt sexy präsentierten. Weibliche Referenten hingegen suchte man vergeblich. Auch heute findet sich auf großen Tech-Veranstaltungen unter den geladenen Gästen und Rednern überwiegend männliches Publikum. Da bildet die Bits & Pretzels keine Ausnahme. Es hat sich bereits viel getan und zum Positiven verändert. Das zeigt durchaus, dass einige Menschen innerhalb der Tech-Community das Problem erkannt haben. Aber auch für uns gibt es noch viel zu tun, um die Pluralität in unserem Veranstaltungsprogramm zu fördern – eine Herausforderung, der wir uns gern stellen. Denn mehr Vielfalt und Integration in der Tech-Branche bedeutet auch mehr Talente im Technologie-Ökosystem. Es können mehr Ideen entstehen, die zur Verbesserung der Unternehmenskulturen und Produkte beitragen. Und ganz nebenbei wirkt man dem nicht unerheblichen Fachkräftemangel entgegen.

Viele scheinen allerdings zu glauben, das Problem sei längst gelöst und Mainstream-Konferenzen sollten sich daher nicht mehr auf solche Herausforderungen konzentrieren. Das bestätigen zumindest die Reaktionen, die wir erhalten haben. Klar, es ist schon irgendwie verrückt, dass im Jahr 2018 auf einer Tech-Konferenz noch immer über Diversität gesprochen werden muss. Wir verstehen durchaus, dass viele Menschen davon gelangweilt sind und lieber von den neuesten AI-Anwendungen oder selbstfahrenden Autos hören würden (und keine Sorge – auch das ist Thema bei uns). Aber auch wenn man es nicht wahrhaben will, ist das Thema im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse brisanter denn je.

Auch wir als Festivalveranstalter müssen unseren Teil dazu beitragen. Wir müssen Themen finden, die möglichst viele unterschiedliche Menschen in der Tech-Community ansprechen. Das Lineup unserer Redner muss noch vielfältiger werden. Gleichzeitig müssen wir bei der Wahl der Menschen, denen wir eine Plattform bieten, wachsamer sein. Unser Ziel ist es, dass die Teilnehmer unserer Konferenzen die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft widerspiegeln. Glücklicherweise machen wir in diesem Punkt große Fortschritte und trotz der negativen Rückmeldungen aus einigen Reihen laufen die Ticketverkäufe sehr gut.

Abschließend lässt sich sagen, dass für uns das Thema Diversity erst dann „absurd“, „unnötig“ oder „langweilig“ ist, wenn diese Kritik statt von privilegierten weißen Männern von den Frauen, ethnischen Minderheiten und LGBTQ+Mitgliedern unserer Tech-Community kommt. Erst wenn sie und alle anderen benachteiligten Gruppen sich darüber einig sind, dass Problem sei gelöst, werden wir auf unserem Festival aufhören, Vielfalt zu thematisieren.

Autoren des Artikels sind Andreas Bruckschlögl, Bernd Storm van's Gravesande und Felix Haas, Gründer und Geschäftsführer der Bits & Pretzels.

Bitte beachte unsere Community-Richtlinien

Eine Reaktion
david

make empathy great again ...

Antworten

Melde dich mit deinem t3n Account an oder fülle die unteren Felder aus.