Ratgeber

Black Friday ist eine Marke: Das Horror-Szenario für Onlinehändler im Überblick

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Etwas streitlustigere Händler können auch direkt einen Löschantrag beim Deutschen Patent- und Markenamt einreichen und der Gegenseite mitteilen, dass soeben ein Löschantrag gestellt wurde. „In diesem Fall besteht allerdings die Möglichkeit, dass die Gegenseite trotzdem eine einstweilige Verfügung beantragt“, sagt Kneller-Gronen.

Hintergrund: Verwirrspiel um die Wortmarke Black Friday

In Deutschland ist der Lizenznehmer der Wortmarke Black Friday die Black Friday GmbH, die mit dem Portal „blackfridaysale.de“ eine der bekanntesten Adressen für den „Feiertag der Sonderangebote“ anbietet. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan „Black Friday – Das Original“ und betreibt seit dem Start im Jahr 2013 ein erfolgreiches und lautes Marketing für das eigene Schnäppchen-Portal.

Wir haben den Anbieter gefragt, was er mit der Nutzung der Wortmarke beabsichtigt. Die Antwort: Das Unternehmen wolle die eigenen Kunden vor einer rechtlichen Auseinandersetzung schützen. Abmahnungen würde die Black Friday GmbH nicht veranlassen: „Es muss sich in diesem Jahr kein Händler Sorgen wegen Abmahnungen in Bezug auf die geschützte Wortmarke Black Friday durch uns machen!“, sagt Geschäftsführer Konrad Kreid.

Die Black Friday GmbH legt in ihrer Darstellung ausdrücklich Wert darauf, dass Sie nicht der Inhaber der Marke Black Friday ist. Es gibt aber klare Hinweise auf eine Verbindung beider Unternehmen. Laut Handelsregister ist Hartmut Krenslehner Geschäftsführer des Markeninhabers Super Union Holdings, von dem die Abmahnungen stammen. Gleichzeitig trat Krenslehner in Unterlagen, die t3n vorliegen, 2013 als CMO und Gründer der Black Friday GmbH in Erscheinung. Auf die Verbindung beider Unternehmen weist auch Onlinemarketing-Rockstars in einem aktuellen Artikel hin. Kreid verweist für Auskünfte über die Eigentumsverhältnisse der Marke direkt an den Markeninhaber und teilt auf unsere Nachfrage mit, dass Krenslehner nicht mehr für die Black Friday GmbH tätig sei.

Zur Rechtmäßigkeit der Eintragung verweist Kreid darauf, dass der Black Friday hierzulande nicht dieselbe Historie wie in den USA aufweisen würde. Außerdem sei die Sichtweise der Markenrechts-Inhaber durch Eintragung der Marke durch das DPMA bisher bestätigt worden. Die Black Friday GmbH sei selbst skeptisch gewesen, hätte aber in diesem Zusammenhang „am eigenen Leib erfahren, dass Markenrechte respektiert werden müssen, da es sonst schnell teuer werden kann.“

Das Versprechen des Geschäftsführers der Black Friday GmbH, auf Abmahnungen zu verzichten, ist leider keine Entwarnung für Onlinehändler: Der Markeninhaber mahnt bereits ab und scheint auch nicht darauf verzichten zu wollen.

Mehr zu den Hintergründen rund um die Black Friday GmbH: Der Krimi um die Marke Black Friday: Alle Spuren führen nach Wien

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8 Kommentare
Manuel
Manuel

Manchmal hat man das Gefühl, dass die entsprechenden Behörden schlafen bzw. einfach nur mal bestätigen, da es hier doch ein klassisches Beispiel dafür ist, dass es sich hierbei um einen Gattungsbegriff / generischen Begriff handelt….

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Stefan Müller
Stefan Müller

Lustig, die Ösis zeigen uns, wie es funktioniert. Der Artikel macht einen auf Skandal, um festzustellen, dass sie im Recht sind ;)

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RA_Dury

Die einstweilige Verfügung wird immer noch vom Gericht erlassen, nicht vom Gegner. Die Aussage muss daher lauten: „wenn keine Unterlassungserklärung abgegeben wird, besteht die Gefahr, dass der Gegner den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt und diese auch vom Gericht erlassen wird.

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Roland
Roland

Scheinen gut zu gehen diese Schnäppchenportale, soviel Wirbel wie hier gemacht wird!

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Christian Galla
Christian Galla

Ziemlich lächerlich, die ganze Nummer.
Schaut euch diesen Konrad K. mal genauer an, dubioser eCommerce „Entrepreneur“, welcher wohl primär dem Geld hinterherläuft. Und sich mit noch dubioseren Firmen wie der „Super Union Holdings“ zusammentun, welche in den Panama Papers auftaucht. Wieso sollte ich „meine“ Wortmarke für DACH über Hong Kong schützen lassen?

Dann noch 3st genug sein und affektiert generös auftreten: „Es muss sich in diesem Jahr kein Händler Sorgen wegen Abmahnungen in Bezug auf die geschützte Wortmarke Black Friday durch uns machen!“. Peinlich peinlich, der Kerl.

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Hello
Hello

@Christian Gall: Moin, bist du der da oben im Artikel genannt bist? Ich gllaube, dann wäre ich auch etwas säuerlich. Aber hast du dir überlegt, einfach den Namen umzudrehen: Friday-Black oder das ganze deutsch zu fahren: Schwarzer Freitag? Da können die dich dann alle mal,,,

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Christian Galla
Christian Galla

@Hello Leider nein, leider gar nicht. Bin regulärer Customer, von solchen Praktiken allerdings mehr als genervt … Das wir 2016 noch mit Patenttrollen zu kämpfen haben, ist doch ein Armutszeugnis.

Gerald
Gerald

Mal unabhängig von diesem konkreten Fall und dem Hintergrund der Firma:
Warum sollte man einen amerikanischen Begriff ohne deutsche Vorgeschichte NICHT als Wortmarke für ein Schnäppchenportal anmelden und dann gegen die Nutzung durch andere schützen dürfen?
„Apple“ für Computer und Handys geht doch auch…

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