Kolumne

Der Black Friday schadet mehr, als dass er nützt

Kolumnist Jochen G. Fuchs ist davon überzeugt, dass die Schnäppchentage dem Handel  schaden, statt ihm zu nutzen. (Grafik: DVARG/Shutterstock)

Die Schnäppchenjagd belastet die ganze Branche, denn die Umsatzzuwächse sind eigentlich keine. Ein Ausweg aus dem Dilemma ist nötig. Die E-Fuchs-Kolumne von Jochen G. Fuchs.

Ein Staubsaugerroboter, eine smarte Hifi-Anlage, Spielzeug, ein Babyfon und noch einige andere Dinge stapeln sich im Flur. Am 26. November habe ich schon die meisten Weihnachtsgeschenke eingekauft und anstehende Anschaffungen für die Ankunft von Kind zwei erledigt, dank des Black Fridays und des kurz darauf folgenden Cyber Mondays. Der komplette Einkauszettel stand schon vorher fest – und so ist im Vergleich zu vorangegangen Jahren in der Vorweihnachtszeit kaum noch etwas einzukaufen, mal abgesehen von Lebkuchen und Zimtsternen. Verdammt, die muss ich im nächsten Jahr auch auf den Einkaufszettel schreiben. Und genau das ist der Grund, warum die Schnäppchentage der Branche mehr schaden als nützen.

Black Friday und Cyber Monday schaden mehr, als dass sie nützen

Auch wenn Umsatzsuperlativen bejubelt werden und Anleger bei Onlinehändlern positiv auf Umsatz- und Kundenzuwachs reagieren, wird die Luft für viele Händler, deren Jahresumsatz am Weihnachtsgeschäft hängt, immer dünner. Die Konzentration so vieler Angebote, die sich rein über den Preis differenzieren, lässt die Margen schrumpfen.

Sicher, es sind nicht nur echte Schnäppchen zu finden, sondern auch viele Angebote mit marginalen Preisnachlässen. Aber in den Dutzenden Angeboten, die ich in diesem Jahr für unsere Artikel recherchiert habe, hat sich ein Trend abgezeichnet: Es wird immer schwerer, Ersparnisse zu recherchieren, weil viele Händler sich an den Angebotspreisen orientieren und mit Preissenkungen reagieren. Nur der Blick auf historische Preisdaten hilft da meist noch – und eine Betrachtung der aktuellen Marktpreise. Irgendein Händler hat meist noch den realistischen Preis im Onlineshop stehen. Meist ergeben sich Ersparnisse, die auf den ersten Blick nicht dramatisch klingen, im niedrigen bis maximal mittleren zweistelligen Eurobereich. Dreistellige Ersparnisse waren bei rund 150 durchsuchten Angeboten nur zweimal zu finden.

Trotz aller Mogelpackungen: Wer am Schnäppchentag Umsätze machen will, muss bluten. In der Folge gehen die Gewinne zurück, die Händler verlieren Margen. Ebay hat in diesem Jahr eine händlerfreundliche Lösung angeboten und einige prozentuale Rabatte in Form von Gutscheinen aus dem eigenen Budget generiert. Aber das kann auch nicht alles abfangen.

Wenn ich mein Einkaufsverhalten betrachte und das meines Bekanntenkreises, dann wird auch nicht wirklich mehr gekauft. Die Kunden planen den Kauf der Weihnachtsgeschenke gezielt am Black Friday oder Cyber Monday. Auch Ottos Österreich-Chef Gutschi berichtet das im Standard. Also erzeugen diese Schnäpppchentage nur eine Umverteilung der Umsätze.

Black Friday und Cyber Monday: Gegenwehr ist schwer, aber möglich ...

Amazon bewirbt in diesem Jahr seine Cyber-Monday-Woche auch stationär in einem Popup-Store in Berlin. (Foto: Jochen G. Fuchs/t3n)

Mit einem aktionistischen Aufruf nach dem Motto „Verkauft nichts mehr am Black Friday“ ist aber auch niemanden geholfen. Allein Amazon erzeugt mit seiner Cyber-Monday-Woche und auch mit dem Black Friday einen so enormen Sog, dem sich kaum ein Händler entziehen kann. Gerade für bestimmte Kategorien wie beispielsweise Spielzeughändler ist das Weihnachtsgeschäft entscheidend. Sich einfach zu verweigern, wird also nicht funktionieren.

Eine Möglichkeit, um auf den Aktionsdruck zu reagieren: Am Black Friday und Cyber Montag eigene Aktionen außerhalb des Zeitraums ankündigen und bewerben – und eigene Angebote an den eigentlichen Schnäppchentagen beschränken, wo das möglich ist. Nach den Schnäppchentagen ziehen viele Preise wieder an, die oft schon vorab künstlich angehoben wurden. Dadurch könnte sich Schritt für Schritt der Preisdruck wieder reduzieren und die Ballung von Angeboten etwas entzerren. So dürfte sich der Markt wieder etwas entspannen. Eine langwieriger, aber möglicher Weg.

Wie sind eure Erfahrungen und Strategien als Händler oder Kunde im Umgang mit dem Black Friday oder Cyber Monday? Ich bin gespannt auf eure Kommentare unter dem Artikel.

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