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Blackbox Schufa: Datenanalyse-Projekt will den Score entschlüsseln

Wie zuverlässig kann die Schufa die Kreditwürdigkeit der Kunden wirklich messen? (Bild: alexialex / Shutterstock)

Der Schufa-Score entscheidet in Deutschland über die Kreditwürdigkeit eines Kunden und wird trotz strenger Reglementierung als nicht immer nachvollziehbar. Eine NGO-Initiative will jetzt die Einträge analysieren.

„Wir knacken die Schufa“ – was sich die Initiative Open Schufa da vorgenommen hat, ist nicht weniger als eine echte Revolution. Denn bislang zählen die genauen Parameter für die Auswertungen der Schufa zu den bestgehüteten Geheimnissen des Unternehmens – und selbst über die Frage, welche Kriterien bei welchem Kunden genau zugrunde gelegt werden, wahrt das Unternehmen Stillschweigen. Verständlich, dass man hier keine Diskussion über Sinn und Unsinn der erhobenen Daten will – schließlich könnte sonst ja herauskommen, dass die erhobenen Daten nicht immer einen Sinn ergeben und zum schlüssigen Ergebnis bezüglich der Kreditwürdigkeit eines Kunden führen.

Guter Schufa-Score ist für viele Geschäfte relevant

Für Banken, Versicherungen, Händler und Unternehmen, die auf die Kreditwürdigkeit eines Kunden angewiesen sind, ist all das unverzichtbar, für die Kunden dagegen manchmal ein Ärgernis – wenn er etwa nicht nachvollziehen kann, warum sein Score einen bestimmten Wert aufweist. Denn Verbraucher wissen meist nicht, warum sie in einem speziellen Fall abgewiesen werden. Auch wenn die Schufa inzwischen beileibe nicht das einzige Unternehmen ist, das die Kreditwürdigkeit der Deutschen checkt – sowohl Arvato und Bürgel als auch Creditreform liefern hier ähnlich gute Daten – genießt die Schufa eine de-facto-Vormachtstellung im Markt. Fast jeder Vermieter fragt Interessenten für eine Wohnung nach ihrem Schufa-Score. Auch wenn die Schufa stets betont, dass dieses Vorgehen in Deutschland gar nicht erlaubt ist, führt eine Nichtbeachtung in Großstädten meist zum Ausschluss aus der Interessentenrunde. Selbst bei Konsumentenkrediten oder einem neuen Handyvertrag kommt man meist nicht um die Abfrage herum, auch wenn die Schufa betont, dass nicht sie, sondern der Händler gegebenenfalls das Geschäft verweigert. Ob ein zu häufiges Anfordern von Auskünften zu einer Verschlechterung des eigenen Scores führt, ist strittig (die Schufa verneint dies). Denn, so die Überlegung dahinter, wer oft auf Pump kauft oder kaufen will, hat einen Grund dafür. Doch gerade diesen strittigen Punkt wird die Analyse nicht klären können.

Die genauen Schufa-Kriterien sind ein Geschäftsgeheimnis

Zusammen mit Algorithmwatch will nun die Open-Knowledge-Foundation den Schufa-Score mithilfe von Reverse Engineering entschlüsseln. Hierzu sollen möglichst viele Kunden ihren Schufa-Score in Form einer „Datenspende“ zur Verfügung stellen. Dieser lässt sich einmal jährlich kostenlos unter https://selbstauskunft.net/schufa einholen. Dass die Kunden hierzu berechtigt sind, ist bekannt. Doch die Schufa ist laut einem BGH-Urteil von 2014 auch dazu berechtigt, die exakten Kriterien, wie der Score zustande kommt, für sich zu behalten. Die genaue Berechenbarkeit wolle man, so die Initiative, auch gar nicht offenlegen, um nicht Kunden den Missbrauch zu ermöglichen. Ziel der Untersuchung soll aber zum einen die Erkenntnis sein, ob der Wert wirklich aussagekräftig ist oder ob hier Faktoren der Ungerechtigkeit vorhanden sind. In diesem Zusammenhang soll auch die Frage geklärt werden, welche Effekte Geschlecht oder Wohnort einer Person auf ihren Schufa-Wert haben. Auf Ersteres greift die Schufa nach eigenen Angaben lediglich zurück, wenn keinerlei andere Angaben vorliegen, auf Letzteres nicht im Zusammenhang mit dem Score-Wert einer Person.

Eine weitere Spendenaktion monetärer Natur betrifft die Software, die die Initiative zur Auswertung der Daten nutzen will. Hierzu sammelt die Initiative bis Mitte März 50.000 Euro im Rahmen einer Crowdfunding-Initiative – rund die Hälfte hat sie zum jetzigen Zeitpunkt bereits eingeworben. Mit dem Geld soll eine einfach zu nutzende Software entwickelt werden, die es Bürgern ermöglicht, einfach ihre Daten einzuscannen und mit weiteren Hintergrundinfos zu versehen. Wichtig ist den Initiatoren dabei vor allem der Datenschutz – denn es erfordert schon einige Überwindung, seine Schufa-Daten einem Dritten weiter zu geben. Selbst wenn die Initiative erklärt, man arbeite hier äußerst umsichtig, bleibt ein blödes Gefühl: Achten die Initiatoren selbst ausreichend auf Diskretion, stellen sie darüber hinaus sicher, dass sie nicht gehackt werden, was passiert mit den Daten im Nachgang? Man weiß schließlich nie, wer alles Zugriff auf die Datensätze haben könnte. Daher sollen die Daten im Rahmen der „Datenspende“ anonymisiert, pseudonymisiert, bzw. aggregiert werden.

War zu erwarten: Harte Kritik seitens der Schufa selbst

Mehr als 67 Millionen Deutsche sollen von der Schufa erfasst sein, rund 10 Prozent einen oder mehrere negative Einträge haben. Problematisch ist dabei auch, dass ein Teil der Daten offenbar fehlerhaft ist, wie ein Gutachten im Auftrag der Verbraucherzentralen 2014 ermittelt hat und auch andere Fälle belegen. Insofern ist die Frage spannend, ob die gespendeten Daten repräsentativ sind, also gerade jene Kunden, die ein Schufa-Problem haben, ihre Daten einsenden. Übrigens sollen bei der Ergänzung der Daten durch den Nutzer auch Merkmale abgefragt werden, die die Schufa nach eigenem Bekunden gar nicht erhebt, beispielsweise die ethnische Herkunft. Auswerten will die gesammelten anonymisierten Daten im Nachgang  ein Datenjournalismus-Team von Spiegel und Bayerischem Rundfunk.

Die Schufa kritisiert die Initiative erwartungsgemäß scharf. Sie warnt Kunden davor, ihre Daten an Dritte weiter zu geben und bemüht sich in einem vierseitigen Papier darum, das Misstrauen gegenüber der Initiative zu schüren. Auch in einem Gespräch mit t3n.de wies ein Sprecher auf einige der oben genannten Kritikpunkte hin. Die Daten enthielten Informationen zu Kreditverträgen, Bankkonten, Anfragen von Unternehmen und gegebenenfalls zu „Zahlungsstörungen“. Es stelle sich die Frage, inwieweit die „notwendigen Vorkehrungen zu Datenschutz und Datensicherheit der eingesandten Daten getroffen“ werden. Der Sprecher betont auch im Gespräch mit t3n.de, die Schufa sei eines der am intensivsten regulierten Unternehmen und erfülle alle staatlichen Transparenzanforderungen.

Tipp: Die Schufa-Selbtauskunft ist, wie bereits beschrieben, in regelmäßigen Abständen (einmal pro Jahr) gemäß Bundesdatenschutzgesetz kostenlos, auch wenn die Schufa gerne ihren kostenpflichtigen Onlinedienst für 47 Euro jährlich vermarktet. Der geht allerdings in der Tat individueller vor, bereitet also (anders als die ausführliche Selbstauskunft) Daten so auf, dass man einen entsprechenden Nachweis für einen Dritten hat, den beispielsweise nicht angeht, wo man seinen Kreditvertrag hat oder welcher Mobilfunkprovider eine Unregelmäßigkeit gemeldet hat. Auch kostenlose „Probemonate“ wandeln sich schnell in ein kostenpflichtiges Abo um, wenn man nicht rechtzeitig kündigt.

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