Analyse

Karriere dank Blockchain: So könnte die Technologie Bewerbungen und Bildung aufmischen

(Grafik: Shutterstock)

Erhält die Blockchain Einzug in den Bildungssektor, hätte das nicht nur Auswirkungen auf Schulen – auch Bewerberprozesse und mehr könnten vereinfacht werden.

Ihr werdet zu einem Interview, entweder für einen Job oder die Aufnahme an einer Universität, eingeladen und der Interviewer gegenüber hinterfragt ein Dokument, das eure Anmeldeinformationen enthält. Es entsteht das Gefühl, dass die interviewende Person misstrauisch ist, was die eigene Vita anbelangt. Der Interviewer hat jedoch zu Recht eine gewisse Skepsis. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass mehr als die Hälfte der Lebensläufe und Bewerbungen nicht der Wahrheit entsprechen und Fälschungen enthalten. Außerdem sind mehr als drei Viertel irreführend. Dieses Problem soll zukünftig gelöst werden.

In der vergangenen Woche machte Sony Fortschritte bei der Entwicklung einer Blockchain-Plattform zum Speichern und zur Freigabe von Ausbildungsdatensätzen. In Zusammenarbeit mit IBM wurde der Dienst entwickelt, um Betrug zu reduzieren und die Weitergabe der Daten an Dritte für die Rekrutierung zu erleichtern.

Das Ziel scheint sinnvoll zu sein. Informationen über Bildung haben weitgehend die Anziehungskraft der Technik verpasst und sind immer noch in verschiedenen Formaten auf isolierten Datenbanken in der ganzen Welt verteilt. Sonys Plan, Partnerschaften mit ausgewählten Institutionen einzugehen, verfehlt jedoch die größere Chance von Skalierbarkeit und ihren Auswirkungen.

Glaubwürdige Bewertungen

Damit Zeugnisse/Referenzen ihren Nutzen erfüllen, müssen sie allgemein anerkannt und nachprüfbar sein. Der Bereich Bildung ist jedoch noch weitestgehend von manuellen Prozessen geprägt und beinhaltet Dokumentationen in Papierform, die von Fall zu Fall zu prüfen sind.
Eine Blockchain-Plattform kann dabei helfen Vertrauen aufzubauen und Informationen zu verteilen. Allerdings kann bei einer unpassenden Verwendung der dezentralisierten Technologie eine zentrale Lösung entstehen. Es stellt sich also die Frage, wieso überhaupt eine Blockchain anwenden? Könnte eine unveränderliche Datenbank mit Zugriffsrechten nicht denselben Zweck erfüllen?

Wie immer kommt es auf die Betrachtung der Situation an. Es ist durchaus möglich, dass Sonys Vorhaben klein startet und sich dann auf eine breite Palette von Pädagogen steigert. Für einen einfachen Datenaustausch und die Aktualisierung von Daten kann eine Distributed Ledger ein wichtiger Faktor sein. Es bedarf jedoch Ansätze, mit denen Skalierungsprobleme und Fragen bezüglich Qualitätskontrollen behandelt werden. Wer entscheidet zum Beispiel, welche Institutionen es verdienen dazuzugehören?

Darüber hinaus könnte es sich zu einem zweigeteilten System entwickeln, in dem einige der fortschrittlichen und wohlhabenden Schulen teilnehmen und andere nicht. Oder, schlimmer noch, auf dem Markt zu einem Chaos von konkurrierenden Systemen mit unterschiedlichen Technologien und Kriterien führen.

Hohe Ziele

Ein schneller und zuverlässiger Weg zur weit verbreiteten Adaption wäre es, eine Partnerschaft mit Organisationen, welche entscheiden ob die jeweiligen Bildungseinrichtungen vertrauenswürdig sind, einzugehen. Es handelt sich dabei um offizielle Bildungsbeauftragte. Die meisten Jurisdiktionen haben welche, was bedeutet, dass die Validierung der Ausbildung bereits stattgefunden hat. Allerdings ist die Zusammenarbeit begrenzt und es kommt zu erheblichen Überschneidungen. Eine Blockchain-Plattform könnte bei diesem Problem helfen.

Aufgrund neuer Hochschultypen und Studienmodellen hat sich die Art der Zertifizierung verändert. Darüber hinaus wird „lifelong learning“ immer mehr zum Thema gemacht und es besteht die Notwendigkeit, seine Kenntnisse durch Fortbildungen kontinuierlich aufzufrischen.

Eine Plattform, die von Organisationen gemanagt wird, kann sich gut positionieren, um Trends zu erkennen und den Anforderungen eines sich entwickelnden Marktplatzes besser gerecht werden. Es würde das Vertrauen von Arbeitgebern und Studierenden stärken und auf diese Weise einen Beitrag zu einer flexibleren und qualifizierten Arbeitsumgebung leisten. Das ist ein großes Vorhaben für eine neue Technologie. Aber die Notwendigkeit ist gegeben und der Aufwärtstrend steigt erheblich, vorausgesetzt, die Initiative ist offen, universell und fair.

Zum Weiterlesen: Du kapierst die Blockchain nicht? Diese Startups sorgen für den Aha-Effekt

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Ein Kommentar
Marko Durr
Marko Durr

Hi,

ich persönlich finde langsam das diese Block-Chain nur noch ein Hype ist, da es bei Bitcoin und anderen Krypto-Währungen funktioniert und alle auf „diesen Zug aufspringen wollen“, ohne Sinn und Verstand; wie Lemminge.

Es wird nur noch darüber geredet wie die Block-Chain die Welt verbessern kann, wie schön doch alles wird und ganz viel bla bla bla. Die einzigen die sich dafür doch nur noch interessieren sind große Konzerne die nun versuchen alles an sich zu reißen und ihre Machterhaltungskurs aufrecht zu erhalten. Der Endkunde, der jenige, der wirklich die Kohle dafür lässt hat doch davon keinen einzigen Benefit.

Wenn man wirklich an die Block-Chain glaubt, dann sollte man etwas damit MACHEN und nicht immer nur REDEN wie schön die Welt doch sein KÖNNTE! Der Hype der gerade hier ist erinnert mich richtig an die DotCom-Blase.

Na ja, ich denke dies hier beschreibt es richtig wie man mit solchen Unterhaltungen umgehen sollte: https://www.it-madness.com/posts/259/

Meine Meinung. Für mich sind die Taten wichtiger als dieses „Ach wäre es doch schön“-Denken.

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